Lange lag dieses Buch ungelesen auf meinem Nachttisch, und das obwohl es mir mein Schatz noch einmal gekauft hatte, nachdem das erste Exemplar in unserem Haushalt verschwunden war - ganz nach isländischer Trollmanier! Obwohl ich mittlerweile schon zwei andere Bücher von Stefànsson gelesen hatte, nämlich ‘Das Knistern in den Sternen‘ und ‘Verschiedenes über Riesenkiefern…‘, saß der Schock über den zweiten Teil der Trilogie so tief (ich musste aufgrund einer Leseblockade das Buch abbrechen, was sonst gar nicht meine Art ist), dass ich den dritten Teil, nämlich das besagte ‘Licht auf den Bergen’ gar nicht so schnell angehen mochte. Was völlig unbegründet war, wie sich jetzt herausstellte…
In diesem Roman (wie so oft bei Sefánsson) sind verschiedenste Episoden in einem kleinen Dorf irgendwo in West-Island kunstvoll mit- und ineinander verknüpft, mit einer liebevollen Komik von ganz besonderer Natur. Die Menschen in dem Dorf benehmen sich zum Teil selbst wie kleine Trolle, vor denen sie nachts auf freiem Feld Angst haben, irgendwie ganz schön versponnen, dabei unbedingt liebenswert. Zu witzig, wenn jemand den Dorfbewohnern einen Vortrag über Fortschritt und Zukunft hält (und damit meint, Gelände für einen riesigen Schrottplatz freizugeben, der die Landschaft verschandelt, aber die Taschen der Dorfbewohner füllen soll) und sich mit dem Gemeindevorsteher darüber in die Haare kriegt! Mitten in diesem Disput stehen wir, die Leser, denn der Autor will es so: Er mischt kräftig mit, fabuliert, unterbricht sich, unterdrückt die Geschichte des Dorfbibliothekars, denn die könnte ja ein eigenes Buch führen, versucht mühsam den roten Faden beizubehalten und schweift doch immer wieder ab (was für uns Leser köstlich ist!), jedoch nicht, ohne dies zu reflektieren. So wird das Lesen zum doppelten Vergnügen, denn beim Lesen haben wir es nicht nur mit den dollen Geschichten aus dem Landstrich zu tun, sondern auch noch mit der überbordenden Phantasie des Autors, der sich kräftig zu Wort meldet - und das macht einfach nur riesigen Spaß…!
Dabei ist dieses Buch voller Poesie - die Liebeserklärung, die der liebeskranke Starkaður seiner Ilka macht, nachdem er bei Schneetreiben betrunken 12 km mitten in der Nacht zurückgelegt hat, ist eine der schönsten, die ich je gelesen habe. Auch ansonsten bin ich immer wieder von neuem beeindruckt von Stefánssons besonderer Sprache, die sich durch das Erfinden frischer, schöner Bilder für jegliche Gemütszustände auszeichnet; das ist keine Prosa, nein, das ist Poesie in Prosaform! Um eine Kostprobe komme ich nicht vorbei:
“(…) Denn es lebt ein Mann im Ort, der sollte seine Fingerabdrücke auf dem merkwürdigen Wesen hinterlassen, das Zukunft heißt.
Ich spreche vom Vorreiter.
Endlich ist die Reihe an ihm.
Und da ist die Liebe auch nicht weit. Sieh, wie sie sich über das Flachland des Realismus erhebt und mit dem Blau des Himmels verschmilzt! (…)”
Ich habe die Lektüre sehr genossen, und denke, dieser Autor ist einer der ganz großen Literaten. Ich bin fast sicher, dass er auch hierzulande bekannter wird, denn verdient hat er es allemal.
Auch wenn mir dieser Roman wahnsinnig gut gefallen hat, bleibt mein Lieblingsbuch ‘Das Knistern in den Sternen’. Allerdings gibt es schon wieder einen neuen Titel (’Sommerlicht, und dann kommt die Nacht’), und meinem Schatz nach zu urteilen, soll es wieder riesig gut sein…
Ich werde sehen. Ich bleibe gespannt und neugierig.
‚XXY’ – Film von Lucía Puenzo
4. Juli 2008
Alex hat ein Chromosom zuviel und ist deshalb Mann und Frau zugleich - so heißt es in der Vorankündigung des Filmes (und das ist sachlich falsch, s. den Nachsatz am Ende dieses Eintrages!). Korrekt ist, dass Alex zwar über den Chromosomensatz 46,XX verfügt, aber unter dem Adrenogenitalen-Syndrom leidet. Wie dem auch sei, Thema des Filmes ist im Grunde genommen die Schwierigkeit, die eine nicht gesellschaftlich anerkannte sexuelle Entwicklung mit sich bringt - in persönlicher und gesellschaftlicher Hinsicht.
Was das für seelische Auswirkungen hat, wenn manfrau mitten in der Pubertät steckt, ist hier die Frage. Dieser argentinische Film hat sich des Themas sehr sensibel angenommen und besticht durch die langsame und intensive Erzählweise genauso wie durch die ästhetischen Bilder in einer melancholischen Farbigkeit und durch die schauspielerische Leistung. Allen voran ist da Inés Efron als Alex zu nennen: Ein interessantes, schönes Gesicht, und dazu hat sie wirklich toll gespielt.
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Was will Alex mit seinemihrem Körper, was will ersie in ihm? Und: zu welchem Geschlecht fühlt ersie sich hingezogen? Doch damit der komplizierten Fragen nicht genug: Was verlangt die Gesellschaft, was ersie sein soll? Die anderen Figuren verkörpern diesen Konflikt sehr deutlich: Da ist der Vater (großartig gespielt), der nichts unternehmen will gegen den Willen von Alex und ganz auf dessen Seite steht. Zusammen mit seiner Frau hatte er sich schon nach der Geburt gegen eine Operation entschieden (was operiert werden sollte, wird leider nicht gesagt, aber wichtiger an dieser Stelle ist wohl der – gesellschaftliche – Wunsch, zu manipulieren). Nun steht das Thema wieder im Raum durch den Besuch eines befreundeten Chirurgen, der Alex mit 15 Jahren auf den (weiblichen) Weg bringen könnte. Doch Alex hat gerade die Zufuhr weiblicher Hormone abgesetzt, um der eigenen Natur nun ihren Lauf zu lassen. Übrigens ganz stark, wie Alex den Weg findet, mit seinerihrer Sexualität umzugehen, sich überhaupt zu entscheiden, dass die (gesellschaftliche) Manipulation an seinemihrem Hormonhaushalt falsch ist und nicht seinihr Geschlecht. Einmal mehr wird klar, wer hier eigentlich ein Problem hat.
Die Gesellschaft kann das natürlich nicht dulden; die Menschen verstehen nichts abseits der sogenannten Normalität, was auch immer das ist. Der mitgebrachte Sohn Alvaro, ungefähr gleichaltrig mit Alex, ist wohl in den Augen des kernigen Vaters (dem Chirurgen) wohl eher ein Weichei, und der Vater hegt den Verdacht, dass Alvaro schwul sein könnte, was ihn in seinen Augen herabsetzt. Die Beziehung der beiden, geprägt durch die Befürchtung einer gesellschaftlichen Abweichung des Sohnes, ist mehr als angegriffen. Da kommt die Beziehung zwischen Alex und seinemihrem Vater, weitaus besser weg, denn der Vater hält zu seinem Kind, das natürlich sofort angefeindet wird, sobald im Dorf dessen Zwischengeschlechtlichkeit die Runde gemacht hat.
Betrachtet man die beiden Vater-Kind-Beziehungen in dem Film, wird deutlich, was gesellschaftlich falsch läuft: Es ist nämlich nicht die Abweichung von der sexuellen Norm, die der Rede wert ist, sondern vielmehr die Reaktion aus Angst auf diese Abweichung, die so weit reicht, dass sogar die ganz persönliche Liebe zu seinem Kind (wie eben zwischen Alvaro und dem Chirurgenvater) erlöschen kann. Wie krank ist das nur?
Ein sehr sensibles Thema ist auch die erste Liebe der beiden jungen Leute – oder ist es nur der erste sexuelle Kontakt?
So viele Themen werden in diesem Film berührt, sensibel bearbeitet, und was man daraus mit nach Hause trägt, muss wohl jeder selbst entscheiden. Es ist auf jeden Fall ein sehenswerter, nachdenklicher und schwer melancholischer Film, der mich sehr beeindruckt hat. Einmal mehr wird deutlich, wie schwer es sein muss, eine Sexualität außerhalb der gesellschaftlichen Norm zu leben, immer noch.
Achtung, wichtig! Ich habe eben entdeckt, dass der Film in einem - sehr wesentlichen - Punkt dann doch schwer kritisiert werden muss. Die Regisseurin hat es mit ihrer Recherche wohl nicht besonders ernst genommen, und es vermischen sich hier zwei ganz unterschiedliche Symptome: Der Titel lautet irreführend XXY und bezieht sich dabei auf das sogenannte Klinefelter Syndrom. Alex aber hat nicht diesen Chromosomenfehler, sondern AGS (Adrenogenitalen-Syndrom), das ist eine Funktionsstörung der Nebennierenrinde. Über diese Irreführung wird genauer auf der Website http://www.klinefelter.de/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=76&Itemid= informiert. Noch weitere Infos von Betroffenen und Links zu jeder Menge Rezensionen gibt es in dem Blog “Zwischengeschlecht.info”.
Cortona in der Toskana
20. Juni 2008
Im Reiseführer steht, dass Cortona eine der ältesten Städte in der Toscana ist (auch die Etrusker fühlten sich auf Cortona Hügel schon wohl) – nagut, wenn es dort steht, wird es wohl sicher stimmen… Cortona hat mir jedenfalls besonders gut gefallen, und sicherlich nicht nur, weil es so eine alte Stadt ist!

Zuerst war ich ja ein wenig sauer auf die Italiener, die ja wohl jede noch so enge Gasse im Altstadtbereich mit dem Auto befahren wollen. Obwohl mich die Autos durchaus gestört haben, hat sich meine Einstellung doch ein wenig geändert, denn mir wurde klar, dass die Italiener die Autos tatsächlich hier auch brauchen. Warum? Weil sie hier leben. Und das wiederum empfinde ich als eine große Qualität. Die Stadt Cortona – die mittelalterliche Altstadt – ist belebt, und zwar nicht nur durch Touristen, die auch schon im Mai auffallen (da ich nie im Hochsommer in der Toskana war, kann ich nur anhand der Vielzahl der Geschäfte, die den Tourismus bedienen, ahnen, wie voll die Stadt dann sein wird; im Mai jedenfalls sind sie auch schon präsent), sondern eben auch, weil in ihr auch viele Menschen tatsächlich leben. Und das macht die Stadt so lebendig und irgendwie ‚normal’. Uns wurde ein Regentag beschert, der das Klima so erträglich machte, dass wir den Aufgang zur Kathedrale St. Margherita wagten. Je höher wir die engen, steilen Gassen stiegen, desto präsenter wurde die Tatsache, dass hier Menschen wirklich leben. Viele liebevoll bepflanzte Terrassen sahen wir, die mit jeder Menge üppig wuchernder Kübelpflanzen in kleine grüne Idyllen verwandelt wurden; italienische Omas in unmodernen und schmuddeligen Kitteln schauten aus dem Fenster oder lachten uns auf den Gassen entgegen. Dazwischen diese uralten Gebäude mit dem malerisch blätternden Putz, teilweise mit Graffitis beschmiert – auch das gehört zu einem aktuellen Stadtbild -. teilweise aber auch mit kunstvollen alten Ornamenten ausgestattet, machten einen großen Reiz im Straßenbild aus.


Ich weiß ja nicht, auf wie viele Einwohner hier eine Kirche kommt, aber der Schnitt müsste recht hoch sein. Und natürlich ist jede Kirche mit ihrer jeweils örtlichen Attraktion schon ein Erlebnis für sich. Nachdem wir also den steilen Weg – natürlich von Zypressen umsäumt, wie es sich in der Toskana wahl gehört – zurückgelegt hatten, kamen wir gerade recht zu einer kleinen Andacht dort an, zusammen mit zwei alten italienischen Ureinwohnerinnen, die sich sofort in ein Gespräch mit einer der ansässigen Nonnen vertieften. In St. Margeritha gab es auch ein Wandgemälde, das den Opfern des Krieges gedachte. Für mich sah das Gemälde aus, als wäre es im ‚alten Stil’ (was immer man sich darunter vorstellen möge – jedenfalls war es nichts Expressionistisches oder so) gemalt; doch unvermittelt fand sich ein Soldat mit unter den Betenden auf dem Bild. Die Wände links und rechts waren voller Namen von Opfern, die im Krieg umgekommen waren.
Sicherlich war dies keines der bedeutenderen Bilder, doch beeindruckte es mich doch. Die Kirche war mit Sicherheit viel älter. Doch das Leben des letzten Jahrhunderts fand auch hierin statt und auch dessen Abdruck.
Zwei Museen haben wir besucht, und beide waren es wert, wenn auch aus verschiedenen Gründen.
Während das Museum am Dom vor allem mittelalterliche Werke umfasste, die sehr beeindruckend und unbedingt sehenswert waren, war das Etruskische Museum mehr als der Name verspricht: Zugleich war es nämlich auch ein liebenswertes Sammelsurium von Kunstschätzen aus allerlei Epochen und Ländern; ein Stadtmuseum eben, das zu verwalten hat, was man in Cortona so fand oder – raubte? (Wer weiß…) – Damit meine ich vor allem die ägyptische Abteilung des Museums. Wie kam bloß diese Mumie hierher? Das ist sicherlich eine Geschichte, die ich gerne hören würde… Die ägyptische Abteilung ist unbedingt einer der Höhepunkte in diesem Museum; ein weiterer die uralte Bibliothek mit wertvollen Folianten in riesigen Bücherschränken. Die großen roten Sessel und er überdimensionierte Tisch ließ mich zu Phantasien hinreißen, wie hier einst die Gelehrten über den Büchern geneigt saßen und sich die Welt zu erklären suchten. Ohje… bestimmt zogen sie auch einige der ausgestellten Globen zu Rate… Dort war denn z.B. die Existenz des sagenumwobenen Thule verzeichnet, gleich neben Island…
Die etruskischen Funde fand ich persönlich größtenteils schlecht präsentiert. Damit meine ich nicht die faszinierende neunarmige Lampe mit Fratze, eines der Prunkstücke der Sammlung, denn die war toll (und gut ausgestellt), und auch nicht die rekonstruierten Marmorböden ehemaliger (etruskischer?) Villen. Kleine Funde wie etwa geschmiedete Eisenfiguren standen dicht an dicht mit anderen Stücken in der selben Vitrine, die aber 200 oder gar 300 Jahre später entstanden sind. Warum, hat sich mir nicht erschlossen.
Doch wenigstens ist das Museum konsequent (und liebenswert) in diesem Wirrwarr. Neben dem Schwerpunkt, dem Etruskischen Zeitalter, kamen wir urplötzlich zu einem Raum, der einem neuzeitlicheren Künstler gewidmet war, um dann weiterzugehen zu den Räumlichkeiten eines Palazzos, in dem nicht nur viele (barocke?) Gemälde zu finden waren, sondern auch noch ein herrschaftliches Bett aus dem 18. Jahrhundert. So ein Durcheinander!!!
Das Dom-Museum war da viel konsequenter. Allen ausgestellten Gemälden voran hat mich die Verkündigung Marias von Beato Angelico beeindruckt. Maria, ein junges, zartes Mädchen (selten so jugendlich gesehen), erscheint der Engel im prächtigen roten und goldenen Gewand. Die Worte, die er spricht, erscheinen in goldenen Buchstaben auf dem Bild (und nehmen sozusagen die Comic-Kultur schon vorweg…) Der Engel scheint aus dem Garten Eden zu kommen, der an dem Säulengang, den er betreten hat, anzugrenzen scheint. Im Hintergrund sind Adam und Eva zu sehen, wie sie eben den Garten verlassen müssen. So wird auf dem Bild noch einmal daran erinnert, weswegen Gott Jesus zu den Menschen schicken musste.
Doch auch andere Darstellungen fand ich sehr originell, wie z.B. zwei Gemälde, auf denen das Jesusbaby auf dem Stallboden liegend dargestellt wird, nur mit einem Heuballen unter dem Kopf. Nix Krippe! Um es herum stehen dann das heilige Paar, die Hirten und natürlich die Tiere.
Desweiteren gab es einige besondere Gemälde mit Darstellungen des Abendmahles, aber auch eine expressioniste Serie mit den Stationen der Kreuzigung Jesu.
Cortona hat Stil – das fanden sicherlich nicht nur die Amerikaner, die sich anlässlich einer Hochzeit auf den Stufen der Rathaustreppe eingefunden hatten. Und Cortona lebt noch immer – und das wohl nahtlos seit der Zeit der Etrusker. Ich hab’s genossen, diese Stadt kennenzulernen.
…und wünschte, mehr von den Orten zu erzählen, die wir besucht haben… die ganz besondere Stadt Lucca natürlich, Pistoia (und im dortigen Dom eine wunderbare Jesusdarstellung aus dem 13. Jahrhundert gefunden) und die apuanischen Alpen mit so überraschenden Orten wie Barga oder Fabricche di Vallico.
Es war mal wieder sehr schön in der Toscana. Und außer, dass man es im Mai/Anfang Juni noch ganz schön kalt haben kann, ist es auch eine gute Zeit, wenn man nicht entweder hitzegelähmt ist und gar nicht herumkommt, oder sich nur in Touristenwallungen fortbewegen kann.
‚Die große Liebe’ – Roman von Hanns-Joseph Ortheil
15. Juni 2008
zugeben, dass ich das Buch recht lustlos zu lesen begann, beruhte es doch überhaupt auf einem Missverständnis, dass es in meine Hände geriet. Immerhin passte das Buch zu unerer Italienreise, insofern habe ich es überhaupt angefangen.
Und weitergelesen.
Es ist die Geschichte einer – der – großen Liebe, ganz stringent erzählt, aber ausgeschmückt mit den Impressionen, die ein kleiner Ort am Meer an Italiens Adriaküste zu bieten hat. Das Meer, der Strand, die Meeresbewohner und die, die an der Küste leben, werden beleuchtet in einem manchmal ironischen Ton, jedoch immer wohl gesetzt. Dabei spielt das Kulinarische eine große Rolle, der Wein, Frutti di Mare…
Nun, und ER lernt SIE kennen, beide holt die große Liebe ein, spät, ganz frisch sind sie beide nicht, aber sicher noch keine 40 Jahre. So ist es von beiden eine ganz selbstbestimmte Entscheidung, sich aufeinander einzulassen, für beide ein ganz klarer Weg, wenn auch diese Liebe angefeindet wird.
Das war schön zu lesen, so leicht wie eine Sommerbrise am Meer… Anderes fand ich konstruiert und gestelzt, fast jede andere Begegnung, die die männliche Hauptperson (ein Deutscher, der beruflich in dem Ort zu tun hat) hatte, gefiel mir nicht. Warum freundet er sich so fett mit dem Hotelangestellten an? Außer, dass diese Freundschaft als dramaturgischer Kniff dient, um wichtige Informationen einzubringen, habe ich keinen anderen Hintergrund, keine andere Motivation für diese Freundschaft erkennen können. Austern essen mit dem Hotelangestellten im traumhaften Ambiente? (Ich dachte schon, der Witz wäre daran, dass der Hotelfritze schwul ist, anders konnte ich mir dieses Stelldichein nicht erklären. Aber es war dann nicht so). Das war mir zu dünn und zu unmotiviert; auch andere Begegnungen waren mir zu aufgesetzt und konstruiert, wirkten nicht echt.
Und dennoch gefiel mir der konsequente Stil in dem Buch, die Gradlinigkeit, mit der die Geschichte erzählt wurde. Es gab einige Dialoge (wie z.B. der zwischen dem Ich-Erzähler und dem Vater seiner Angebeteten), die wirklich sehr gut geschrieben waren und mir Freude machten.
Alles in allem habe ich das Buch ganz gern gelesen und wäre auch gespannt gewesen, wie es mit der großen Liebe weitergeht, wie sie sich mit der räumlichen Distanz (München-Adriaküste) und vielleicht auch dem kulturellen Unterschied gegen den Alltag behaupten kann. Aber das wäre dann wohl Stoff für eine Fortsetzung.
Ansonsten bleibt nicht viel für mich übrig. Dazu hatte mir der Roman dann doch zu wenig Tiefgang.
Mark Rothko – Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle
13. Juni 2008
Bislang bin ich an Rothkos Bildern immer nur in einem ziemlichen Abstand vorbeigestreift. Rätselhaft und unzugänglich fand ich sie – doch seit meinem Besuch der Rothko-Retrospektive hat sich meine Einstellung zu den Bildern grundlegend geändert.
Gegenständlich – weitestgehend – hat Rothko angefangen, aber schon sehr schnell wird deutlich, dass es ihm nicht um die Darstellung von Personen oder Dingen geht, sondern eher um das Einfangen einer Stimmung. So z.B. bei dem Gemälde einer Szene in der New Yorker U-Bahn: Einzelne Figuren sind zwar sichtbar, bleiben jedoch angedeutete Konturen; individuelle Züge fehlen vollständig. Es ist die Stimmung, die aus diesem frühen Werk einem entgegenspringt. Ein tristes Grau in Grau, wie vielleicht der Alltag sein könnte, den die vorbeieilenden Figuren erleben.
Immer weniger gegenständlich werden die Malereien, dafür aber großformatiger. Sehr schön fand ich die Gegenüberstellung von Gemälden von Pierre Bonnard und Rothko. Bonnard hatte schon in seiner gegenständlichen Malerei, beispielsweise einem Stillleben mit Obst, das in der Rothko-Ausstellung hing, begonnen, sich einer gegenstandslosen Flächigkeit anzunähern; noch sind die Früchte erkennbar, doch andererseits ist das Bild ein Fest von Formen und Farben. Rothko hat Bonnard sehr geschätzt, und seine großformatigen und nun auch abstrakten Gemälde sind im Grunde genommen eine konsequente Weiterentwicklung von dem, was sich bei Bonnard bereits abzeichnete.
Rothkos Gemälde aus dieser Phase haben ein ganz eigenständiges Leben; die Formen und Farben überschneiden sich, und man hat das Gefühl, dass die Bilder atmen und ein Eigenleben besitzen. Je länger ich darauf schaute, desto mehr Bewegung schien auf der Leinwand stattzufinden, desto stärker war auch das Erleben dieser Bilder. Ja, diese Bilder kann man gar nicht bis ins Letzte beschreiben, man muss sie einfach erleben! Es ist so, als stünde man mehr gegenüber als ‚nur’ einem Gemälde. Selten habe ich die Aura eines Kunstwerkes intensiver wahrgenommen als in dem Werk Rothkos.
Dies gilt erst recht für Rothkos eindrucksvollen, aneinandergesetzten Farbflächen mit den beinahe fließenden Übergängen; die Gemälde bewegen sich geradezu, als wenn sie atmeten. Und je länger man sich in solch ein Gemälde einlässt, desto intensiver wird das Erleben dieses Eigenlebens.
Die Farben tun ihr Übriges: Es ist eine direkte Konfrontation der Farben und Formen mit den eigenen Gefühlen. Es soll vorgekommen sein, dass sich Menschen durch die Intensität der Bilder zu Gefühlsausbrüchen hinreißen ließen… Das ist schon verrückt, wenn ein Bild in der Lage ist, so etwas auszulösen…
Völlig klar, dass Rothko eine komplett andere Intention hatte als z.B. Piet Mondrian. Dem ging es in erster Linie um eine formale Komposition, während es Rothko um die Unmittelbarkeit vom Wesentlichen, vom Kern der Dinge, um die Konfrontation mit den eigenen Gefühlen ging – ein geradezu konträrer Gegensatzu zu Mondrians Schaffen (scheint mir)!
Einmal hatte Rothko den Auftrag angenommen, die Wände eines Restaurants zu bemalen. Er hatte vor, ein Werk zu schaffen, bei dessen Gegenwart einem der Bissen im Hals steckenbleibt (war wohl etwas misanthropisch, der gute Rothko…). Doch bevor er sich mit seinen Auftraggebern ernsthaft hätte absabbeln müssen, gab er den Auftrag zurück, obwohl er bereits angefangen hatte, daran zu arbeiten. War sicher besser so, bei aller Faszination, die seine Werke auslösen.
Es erstaunt auch nicht, dass sich Rothko mit dem Begriff der Erhabenheit (von Edmund Burke) auseinandersetzte. Denn darum ging es Rothko immer: Um die Gefühle und um die Relation von Individuum und der Gewaltigkeit der Kräfte, die auf dieses einwirken (ob ich Burkes Theorie hier gerecht werde, darf gern bezweifelt werden!).
Gelungen fand ich die Gegenüberstellung von drei großartigen Gemälden von Caspar David Friedrich. Denn auch in dessen Werk geht es um das Erlebnis von Erhabenheit und den Gefühlen angesichts der Naturgewalten. ‚Der Mönch und das Meer’ und Gemälde aus Rothkos Spätwerk weisen neben dieser Aussage sogar kompositorische Parallelen auf. Frappierend, wie C.D. Friedrichs Themen und deren Bewältigung in Rothkos Werk wieder auftauchen! Von Kopieren kann natürlich nicht die Rede sein, es gibt wohl keine Hinweise darauf, dass Rothko Gemälde von C.D. Friedrich kannte. Doch selbst wenn: Rothko spielte ja in einer ganz anderen Liga.
Mir hat die Retrospektive sehr gut gefallen, sie hat mir Rothkos Gemälde wirklich nahegebracht. Dabei ist das ganz einfach: Man muss sich eigentlich nur vor das Original stellen und dieses auf sich wirken lassen. Rothkos Kunst bietet ein gutes Beispiel dafür, wie wenig reproduzierbar manche Gemälde durch Druckmedien sind. Durch Verkleinerung, aber auch durch die Drucktechnik kann Rothkos Kunst seine beeindruckende Kraft nicht im Geringsten entfalten.
Die Retrospektive ist wirklich gut gemacht worden: Vieles wird deutlicher durch die Gegenüberstellung von den Originale Bonnards und Friedrichs. Und die Audioführung empfand ich außerdem als sehr aufschlussreich. Doch um die Gemälde Rothkos zu erleben, braucht man sie nicht.
Mehr Infos auf der Site der Hamburger Kunsthalle.
Zu Beginn des Filmes dachte ich noch, ob ich mir das jetzt wirklich antun muss. Doch im Laufe der Zeit gelangte ich zur Erkenntnis: Ja, aber weil ich will.
Allein die Vorstellung kann ja schon krank machen: Ein Mensch wird durch einen Hirnschlag mitten aus dem Leben gerissen und leidet an einem Logged-In-Syndrom. Bedeutet: Er kann mit der Außenwelt kaum kommunizieren, und das bei voller Gehirntätigkeit und bei vollem Bewusstsein. Nur das linke Auge des Jean-Dominique Bauby kann sich noch bewegen und durch Blinzeln Zustimmung oder Ablehnung signalisieren.
Die Stärke des Filmes ist auf jeden Fall, dass er nicht kitschig ist oder ins Melodramatische abrutscht, sondern zeigt, wie es wirklich gewesen sein könnte (die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit). Die Probleme, die seine Ex-Freundin und Frau seiner Kinder hat, als sie ihm das erste Mal nach dem Unfall begegnet, sind realistisch gezeichnet: Die zurückgehaltenen Tränen und das Entsetzen, das ihr im Gesicht geschrieben steht, und doch: Wie kann man es diesem Menschen sagen? Das Schlimme ist, dass der ja alles genauestens mitbekommt. Oder eben das Gute. Denn das geht noch. Aber natürlich bekommt er auch mit, welche Schwierigkeiten seine Kinder haben, ihren Vater so gelähmt zu sehen, und er leidet entsetzliche Qualen, weil er zu seinen Kindern keine Nähe mehr aufbauen kann. Doch auch hier: Das alles ist nicht kitschig!
Nach einer Zeit des Sich-Abfinden-Müssens mit dem eigenen Schicksal findet Bauby eine Strategie, um zu überleben, indem er sich auf seine Phantasie besinnt. Er schreibt das Buch über sein Leben in der Taucherglocke in einem unglaublich zähen Prozess, doch es gelingt.
Es ist schön, dass es Möglichkeiten gibt, zum Leben zurückzufinden, trotz schlimmster Versehrtheit - durch die Phantasie auszusteigen aus der bitteren Realität und durch sie sich zu entpuppen und aufzusteigen wie ein Schmetterling -, und das hat mich sehr gerührt.
Insofern ist es in gewisser Weise ein symbolischer Film über das Leben. Und wie ja so oft, wird das anhand des Gegensatzes immer ganz besonders deutlich. Die Gratwanderung ist entsprechend dünn, sich auf allgemeingültige Lebensweisheiten zurückzubesinnen wie die Frage nach dem ‚wahren Leben’.
Das wäre dem Film vielleicht vorzuwerfen: Dass nämlich die Aussage etwas dünn daherkommt. Mein Schatz, sonst ziemlich schnell ergriffen, ließ sich aus diesem Grund nicht so sehr ein auf den Film, während mich, wie gesagt, das Drama unbedingt berührt hat. Auch die gefundenen Bilder, beispielsweise von dem Strand, waren zudem wunderschön. Der Darsteller von Bauby, Mathieu Amalric, war auch klasse.
Da bekomme ich Lust, auch das Buch zu lesen…
‚Ein fliehendes Pferd’ – Novelle von Martin Walser
10. Mai 2008
Ursprünglich wollte ich mir ja die Verfilmung ansehen, die kürzlich herausgekommen ist, doch eine Freundin empfahl mir das Buch so sehr, dass ich es denn erst mal lesen wollte. Was denn auch geschehen ist.
Helmut und Sabine Halm führen ja ein gleichbleibendes, gleichmäßiges Leben ohne viele Überraschungen, und so verbringen sie seit 11 Jahren immer am Bodensee ihren Urlaub – in einem Ferienhaus, dessen Fenster vergittert sind. Deutlicher kann man nicht vor Augen führen, wie eingefahren und gefangen die beiden in ihren Gewohnheiten sind! Insofern ist für Helmut das zufällige Wiedersehen seines Schulfreundes Klaus Buch nicht besonders erwünscht. Helmut Halm hat nämlich mit seiner Vergangenheit weitgehend abgeschlossen, und im Grunde genommen mit Teilen der Gegenwart auch. Er hat sein Lehrerleben, und weicht Lebensmomenten möglichst aus. Er kann sich auch kaum noch an Klaus Buch erinnern.
Dieser ist komplett anders als der zurückgezogene Intellektuelle: Ein Kerl von Mann, dessen Potenz noch aus dem letzten Hosenknopf herauszuquellen droht, natürlich in Begleitung einer schönen und vor allem sehr viel jüngeren Ehefrau, von der Helmut, wäre er denn mal ehrlich, kaum seinen Blick lassen kann.
Die Unterschiedlichkeit der Paare ist zum Schreien komisch geschildert: Während Halms ihre Genüsslichkeiten wie ein gutes Gläschen Wein, Zigarre bzw. Zigarette und Kaffee und Kuchen kultivieren, geht es Buchs scheinbar ums Leben: Gesund muss es sein, sportlich und lebendig. Doch damit nicht genug: Klaus Buch dominiert schon bald diese kleine Gesellschaft, bestimmt Freizeitaktivitäten und bewertet Halms eher unsportliches Verhalten kritisch. Er glaubt sich aufgefordert, frischen Wind in das Leben Helmut Halms bringen zu sollen. Dafür und für die ausufernden Mononloge eines gesunden und lebendigen Lebens hasst Helmut Halm seinen alten Schulfreund.
Schließlich unternehmen die beiden einmal ohne die Frauen eine Segelpartie, bei der Klaus Buch nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes den Kurs angibt und das Steuer in die Hand nimmt. Am Liebsten täte er dies nicht nur auf dem Bodensee, sondern auch im wahren Leben, indem er gemeinsame Pläne schmiedet, mit Helmut Hahn ein neues Leben fernab der Spießigkeit und Eingefahrenheit zu führen. Den Monolog führt Klaus Buch übrigens bei Flaute. Sodann kommt starker Wind auf, es wird ein Sturm, und während Klaus Buch sich aufgefordert fühlt, den Kampf mit den Naturgewalten anzutreten, bangt Helmut Halm um sein Leben. Schließlich tritt dieser Klaus das Ruder aus der Hand, denn die Situation wird allzu brennzlich. Während Helmut Halm ans Ufer getrieben wird, bleibt Klaus Buch mitten im tobenden See zurück.
Helmut scheint durch diesen Unfall, bei dem er zu Klaus Buchs Rettung nichts beizutragen wusste, eine Wende in seinem Leben zu erfahren; er sucht nach einem besseren Leben, kauft Fahrräder und Sportkleidung und will von dem Verbleib seines Freundes nichts mehr wissen. Doch taucht die Frau von Klaus Buch auf und klärt sie über ihren Mann auf, der nämlich alles andere als erfolgreich ist, sondern eine Niete auf so ziemlich jedem Gebiet. Als Klaus Buch dann in der Tür steht, bricht Halms Wandlung wieder in sich zusammen.
Einiges hat mir wirklich gut gefallen in dieser Novelle. Es gab da einige hochironische Stellen, die wirklich witzig geschrieben waren. Auch war die Handlung wirklich dicht geschrieben, die Bilder deutlich. Das fliehende Pferd, das Klaus Buch zu beruhigen schafft, findet eine Entsprechung – wie ich finde – in Helmut Halm: auch ihn will er im Grunde genommen bezwingen, zur Umkehr bringen. Doch hier misslingt das Unterfangen, wie in Klaus Buchs Leben ja wohl auch das meiste misslingt. Was mir ein wenig im Hals stecken blieb, war Helmut Halms beinahe kaltblütige Reaktion auf dem Schiff: Dass er Klaus Buch über Bord fallen lässt, mag noch als Selbstverteidigung durchgehen; schließlich hatte Klaus nicht vor, die Sturmwarnungen zu beachten und das Land aufzusuchen, hätte also Gefahr nicht nur für sich, sondern auch für Helmut gebracht. Doch dass Helmut sich später nicht mehr im Geringsten für Klaus’ Verbleib interessierte, betrachte ich mit gemischten Gefühlen. Es scheint, als wäre Helmut seine Eingefahrenheit wichtiger als dies Menschenleben. Und gleichzeitig findet doch eine Art Aufbruch statt, die sofort wieder nach Klaus Buchs Auftauchen in sich zusammensackt. Vielleicht ist das aber alles auch ‚nur’ grundehrlich; ohne eine wahrhafte Wende durch einen Tot fehlt vielleicht auch der wahrhafte Antrieb, sich zu ändern. Alles bleibt beim Alten, wenn auch das Reiseziel diesmal nicht mehr eine Ferienwohnung mit Gitterfenstern ist, sondern ein Haus mit so dicken Mauern, dass man keine Lebens- (bzw. Liebes-)Laute der Nachbarn mitbekommt…
Tja, bitter? Weise? Wahr? Vermutlich…
Wie gut, dass eine große Supermarktkette in Deutschland diese DVD neulich zum Schleuderpreis verkaufte – ganz verstehen tue ich zwar nicht, dass die Nachfrage nach der DVD wohl eher gering ist (warum sonst konnten die DVDs so günstig weiterverkauft werden?). Wie dem auch sei: Ich habe davon jedenfalls profitiert.
Wie bei allen Harry-Potter-Filmen muss ich natürlich auch hier bemängeln, dass die Kürze des Filmes (trotz Überlänge) eine Menge Streichungen von wichtigen oder amüsanten oder Figuren charakterisierenden Handlungssträngen nicht nur wegfielen, sondern auch zu kleinen Fälschungen gegenüber dem Buch führten. Klar berührte mich das wieder unangenehm. Kann ja sein, dass ich mittlerweile abgestumpft bin was dies angeht – wie dem auch sei, bei diesem Film hat es mich am wenigsten gestört. Ich fand, dieser Film war der Gelungendste von allen, und das, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand die Handlung wirklich verstehen konnte, wenn er das Buch nicht kannte. Aber egal, da ich es ja vorher gelesen habe (und an die literarische Vorlage kann eh nichts herankommen).
Mich haben vor allem einige der schauspielerischen Leistungen beeindruckt: Emma Watson als Hermine ist einfach klasse – übrigens ist sie mittlerweile zu meiner Lieblingsfigur geworden, weil sie so ein gradliniger, gnadenlos verbindlicher Mensch ist (das ist mir beim Schauen des 5. Filmes aufgegangen). Dann Imelda Staunton als Miss Umbridge – wirklich ganz toll gespielt (auch wenn sie nicht über dieses Krötengesicht verfügt). Helena Bonham Carter hat als Bellatrix Lestrange zwar wirklich nur einen sehr kleinen Auftritt, aber der ist unglaublich energiegeladen. Da kann man sich auf die nächsten Teile freuen, vor allem auf den siebten, in dem Bellatrix ja eine sehr große Rolle haben wird.
Vielleicht ist aber einer der Höhepunkte des eher spröden fünften Bandes die Figur Luna Lovegood (gespielt von Evanna Lynch), diese herrlich sogar für Hexenkreise esoterische Hexe. Sie ist ein Gewinn im Buch und im Film.
Was ich am fünften Band sonst noch so schätzte, waren die geschilderten Animositäten der Pubertierenden. Davon war leider fast nichts übrig. Auch die kleine Liebe zwischen Harry Potter und Cho Chang blieb weitgehend auf der Strecke in dem Film.
Schade. Aber wie soll denn auch so eine Literaturverfilmung funktionieren??? Kann doch gar nicht.
Und dafür habe ich mich mal wieder glänzend unterhalten gefühlt.
Ganz verschieden sind diese Geschichten, die sich alle um das selbe Thema drehen: nämlich: Liebe. Hach, wie originell! Aber das ist es in der Tat, denn Liebe hat schließlich derart viele Facetten. Und Doris Lessing beschäftigt sich mit sehr unterschiedlichen.
Sei es, dass es um Sex geht, oder um Liebe aus Gewohnheit, oder um zwei Lieben, die nur wegen einer wortlosen Liebschaft bestehen können; sei es, es geht um Wünsche oder ein Verlangen, das die Liebe gerade nicht erfüllen kann – hier werden verschiedenste Spielformen durchgenommen.
Ich mochte das Buch, aber es hat mich tatsächlich im Moment nicht neugierig gemacht auf mehr von Doris Lessing. Warum nicht? Diese Frau schreibt intellektuell (was sie ja wohl unbestreitbar auch ist), aber so fühlte ich mich aufgefordert, die Liebesgeschichten auch zu lesen: nämlich intellektuell. Und das macht nicht immer so viel Laune, ich glaube, das war’s, weswegen der Lesegenuss eher gering einzustufen war. Vielleicht lag es aber auch an dem Kontrast zu meiner Harry-Potter-Lektüre davor…
Mal sehen, nach welcher Lektüre ich heute Abend greife. Ganz sicher kann ich mir da nicht sein (und ich gehe schon in ca. 2 Stunden ins Bett)…
Harry Potter und der Feuerkelch – Film von Mike Newell
30. April 2008
Das Buch war mein absolutes Lieblingsbuch aus dem Siebenteiler, und klar, der Film reicht mal wieder nicht ans Buch heran. Doch diesmal bin ich doch auch etwas ärgerlich, wiewohl ich den Film wie auch alle vorangegangenen genossen habe.
Aber durch die starken Verkürzungen blieb doch einiges an Handlung echt kryptisch. Beispielsweise der Besuch der Quidditch-Weltmeisterschaft. Erst wird nicht gesagt, wo es eigentlich hingeht, dann plötzlich Szenenwechsel und das Spiel; dazwischen wird Cedric Diggory eingeführt und doch nicht! Mit keinem Wort wird erwähnt, dass auch er in Hogwarts ist. Der Todesseraufstand ist überhaupt nicht nachvollziehbar, und die Hauselfenproblematik wird schon gleich komplett unterschlagen. Zugegeben: Diese vielen kleinen Handlungsstränge lassen sich nicht alle in einen Film, der sowieso schon Überlänge hat, integrieren. Aber einiges kam mir wirklich zu kurz, und ich frage mich, wann zum Beispiel die Hauselfen, die ja in den Folgebänden eine wichtige Rolle spielen, wieder eingeführt werden… ZUdem fand ich schade, dass offensichtlich für die Charakterisierung weiterer Figuren kein Platz blieb. Fleur De La Cour und Viktor Krum wurden total oberflächlich gezeichnet, und die Bedeutung von Sirius Black für Harry wird letztendlich nur behauptet.
Etwas anderes störte mich auch: nämlich die düsteren Bilder. Nicht die düstere Handlung wohlgemerkt, sondern vielmehr, dass die Bilder sehr spärlich beleuchtet waren, hat mich gestört.
Kurz: Bei diesem Film kam es zu ernsthaften Handlungsverzerrungen, weil einige der weitertragenden Handlungselemente aufgrund Zeitmangels nicht unterzubringen waren. Abgesehen davon, dass ich große Achtung vor dem Drehbuchautor Steven Kloves habe, sympathisiere ich mit jedem, der meint, es sei ein unzureichendes Unterfangen, das Buch für den Film aufzubereiten. Und ich frage mich, wie sich Joan K. Rowling bei ihrem allmorgendlichen Geldbad á la Dagobert Duck fühlt, dass sie ihr Buch im Film hat so verkürzen lassen.
Aber gut. Oder schlecht? Wie dem auch sei. Spaß hat es mir zwar auch gemacht, und spannend fand ich den Film auch, aber die Vielschichtigkeit des Buches ist nun einmal nicht zu übertrumpfen.
Der Film ist ab 12 Jahre. Ob das nicht auch mal wieder zu gut gemeint ist? Immerhin gibt es einen Toten, und wirklich sehr gruselige Handlungselemente…