Eine beeindruckende Umsetzung des Theaterstücks in ein Ballettstück ist John Neumeier da gelungen. Und die Auswahl der Musik dazu war grandios!

Es gab im ersten Teil, der in einem Rückblick Blanche Dubois’ Leben und Leiden beleuchtete, Musik von Sergej Prokofjew. Im zweiten Teil, der in New Orleans spielte, wurde Musik von Alfred Schnittke ausgewählt. Beide Stücke passten unheimlich gut zu der Stimmung in diesem Theaterstück. Was den ersten Teil angeht, habe ich dafür keine konkrete Erinnerung mehr, leider. Beim zweiten Teil mischten sich verschiedene Strömungen in der Musik; da gab es jazzige Sequenzen, sehr freier Jazz, der gut zu den Südstaaten passt, weil das Lebensgefühl so genau getroffen wurde, aber auch wirre, beinahe verklärte Passagen, die Blanches angegriffenen Gemütszustand treffend beschrieben. Dazu der Tanz, der sich oft von der Musik lösen musste, was zu einer großen Spannung führte zwischen Musik und Darstellung, und eben auch so gut zum Stück passte! Es muss sehr schwer sein, nach solcher Musik zu tanzen, quasi ‚gegen den Strich’ die Bewegungen auszuführen, und es gehört eine große Vorstellungsgabe dazu, so ein Stück überhaupt zu entwerfen! Meine Hochachtung!
Das war eine Glanzleistung auf der gut ausgeleuchteten und bespielten Bühne, und hat Spaß gemacht. Einziger Wermutstropfen war, dass die Musik vom Band kam.

So weit zu dem, was ich gesehen habe. Aber was habe ich gefühlt? Ich bin immer noch erstaunt, dass es nicht viel ist, was mir momentan Bühnengeschehen gibt. Im Theater war ich schon lang nicht mehr (außer im Kindertheater), und es zieht mich nach wie vor nicht hin. Ich verstehe es selbst nicht, denn Theater war mal eine ganz große Leidenschaft von mir! Und nun rührt es mich nicht mehr an. Ich sehe ja, wie gut das war. Aber: es spricht nicht zu mir. Vielleicht – und ich hoffe das – werde ich eines Tages verstehen, warum das so ist bei mir. Und vielleicht kommt die Leidenschaft ja doch einmal zurück.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf – dieser Spruch trifft ziemlich genau, worum es in diesem Film geht. Eine Reihe von Verbrechen passieren in einem kleinen Dorf  im Jahre 1913. Wer der oder die Täter war/waren, klärt sich nicht auf.

Die Menschen in diesem Dorf buckeln in Abhängigkeit vom Grafen und geben ihre ganz alltäglichen Qualen weiter an ihre Kinder. Was gut ist und was böse, wird höchstens hinter vorgehaltener Hand diskutiert. Als ein Junge mitten im Wald auf dem dünnen Geländer einer Brücke über einen Bach balanciert, hält er es für ein gutes Zeichen, dass er nicht gefallen ist. „Gott will also nicht, dass ich sterbe“, ist sein Fazit gegenüber dem Dorflehrer und Ich-Erzähler, der diesen wagemutigen Balanceakt zufällig beobachtet hat.
Ansonsten macht jeder sein Ding, will sagen, jeder erklärt sich die Welt so, wie er sie haben will. Wenn eine Arbeiterin durch einen Sturz im maroden Sägewerk stirbt, kann es nach Mutmaßung des (erwachsenen) Sohnes nur der Graf sein, der ihren Tod zu verantworten hat. Der Vater, der auch nicht weiß, ob sich jemand bzw. wer sich mit dem Tod seiner Frau schuldig gemacht hat, kann sich solch Ansicht nicht leisten, denn er ist abhängig von des Grafen Gunst. Die Qualen macht er mit sich selbst aus, bis zum bitteren Ende.

Der Arzt lässt seine Geliebte laufen, nachdem er sie aufs Übelste beschimpft hat – und es könnte sein, dass seine 14jährige Tochter deren Platz einnimmt. Wer weiß das schon?
Der Pfarrer scheint ein ehrbarer Mann zu sein, aber kann seine Gefühle niemandem zeigen, auch seinen Kindern nicht. Sie lernen, einen Widerspruch zwischen der Wahrheit – den eigenen Gefühlen – und der Lüge – das, was man zu sein vorgibt – zu leben.
Misteriöse Dinge gehen vor in dem Dorf, und keiner weiß, wer dafür verantwortlich zeichnet. Nur eines ist klar: Die Täter sind unter den Dorfbewohnern zu finden!

Dieser Film ist in klaren, schönen Bildern gedreht, in schwarzweiß, was sich gut macht, auch angesichts der Zeit, in der der Film spielt, aber bedrückend, sehr bedrückend! (Mussten die damit im Oktober/November rauskommen?? Musste das sein?) Wer hat die Misshandlungen an dem Sohn des Grafen und an dem behinderten Kind – dem stärksten und dem schwächsten Glied in der Kinderschar des Dorfes – zu verantworten? Die Antwort bleibt offen, was schwer wiegt (erst recht im November…!) Vielleicht ist die Wahrheit in dem verborgen zu finden, in dem, was nicht sein darf, im Tabu.

Der Film erzeugt eine Spannung, von der ersten bis zur letzten Minute. Die Taten sind grauenhaft, und da kein Täter in Sicht ist, kommt so eine ganz unwirkliche, ungute Stimmung auf.
Gefallen hat mir der Film. Aber leicht zu ertragen war er nicht.

Für dieses Buch, das ich immer schon mal lesen wollte, und mein Schatz ebenfalls, hat letztgenannter auf der schönen Insel Helgoland in einer kleinen Crêperie eine kleine Spende für den Seenotrettungsdienst hinterlassen, um dieses Buch mit nach Hause zu nehmen. Nach einer angemessenen Wartezeit (der Spender genoss natürlich das Vorrecht) bin schließlich ich in das Lesevergnügen gekommen, das gestern Abend nun leider zuende ging. Wie soll es nur weitergehen?

Ich habe den Schmöker gerne gelesen. Fand es einmal mehr interessant, wieder in die Zeit des Mittelalters einzusteigen (was in letzter Zeit oft geschah, siehe hier, hier und hier), und der Roman ist einfach packend geschrieben und hat mich aufs Beste begleitet.
Eine merkwürdige Geschichte, allemal. Wie sich jemand um 1000 als Jude ausgibt, um seiner Bestimmung entgegenzugehen, die darin besteht, sich in Persien zum Arzt ausbilden zu lassen, das hat irgendwie beinahe Anleihen an einen Fantasy-Roman. War aber faszinierend.
Doch, es hat super-Spaß gebracht, das Buch zu lesen, einzutauchen in eine ganz andere, fremde Welt.

Michael Jackson ist nicht tot. Er lebt weiter in seiner Musik und in seinem Tanz. Er lebt weiter durch diesen Film, und ich bin dankbar, dass ich ihn sehen konnte – im Kino.

Ich war nie MJ-Fan. Ich bin ja im Grunde genommen ein humorloser Medienmuffel, und wahrscheinlich nur so ist zu erklären, dass dieser Popstar mehr oder weniger von mir unbemerkt in einem Paralleluniversum neben meinem gelebt hat. Seine Musik hat mich schlicht und ergreifend nicht interessiert. Klar kenne ich seine Songs, aber ich hatte ihn nie dazu tanzen sehen. Und wenn ich sie nur im Radio gehört habe, hatten sie für mich nichts Außerordentliches. Aber diese Sichtweise hat sich jetzt geändert.

Warum bin ich eigentlich hineingegangen? Wäre MJ nicht gestorben, hätte ich ihn wahrscheinlich weiterhin nicht beachtet. Sein Tod hat mich gerührt. Vielleicht wollte ich wissen, was dran war an diesem Menschen, der hinter der Pop-Ikone steckt. Kann sein, dass so niedere Beweggründe wie Voyeurismus dahinter stecken. Egal. Denn dieser Film steigt darauf sowieso nicht ein. Sondern er zeigt, was gezeigt werden muss und was gezeigt werden will: Michael Jacksons Kunst.
Der Film bleibt beim Wesentlichen, nämlich dem Dokumentieren der Proben seiner letzten Bühnenshow. Und das ist sehenswert und beeindruckend!

Dieser Mann ist Musik, er tanzt sie, er ist perfekt in allem, was er auf der Bühne macht. Er ist ein totaler Profi mit einer riesigen Beherrschung seiner Selbst, sowohl, was seinen Körper angeht als auch seine Seele. Er ist beherrscht und kultiviert, wenn er während einer Probe Kritik äußert, er ist immer freundlich und gar zurückhaltend. Er ist immer geschminkt, trägt meist eine Sonnenbrille und versteckt sein Gesicht wie immer hinter seinen Haaren. Und doch: Ist er auf der Bühne, hat er eine Präsenz, die alle anderen Tänzer und Musiker aus seinem perfekten Team in den Schatten stellt. Und das, obwohl die anderen auch brillant tanzen, Instrumente spielen und singen. Und doch: An ihn kommt keiner heran. Er ist stark und klar in seinen Bewegungen, seinem Ausdruck, bei jeder Probe die in diesem Film ausgestrahlt wird (und, klar, das ist die Auswahl der stärksten Szenen, die gedreht wurden!). Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass die Tänzer, Musiker, Sänger aus seiner Crew ihn schon von Kindesbeinen auf an anhimmeln…?
Ich kann es verstehen, jetzt: Er ist einfach toll. In dem Film wird einmal gesagt, dass MJ Zugang zu den tiefsten Gefühlen hat. Und was er damit macht, ist, sie derart zu vervielfachen, dass eine ganze volle Konzerthalle davon entbrennt – das war auch im Kino spürbar.

Seine Gefühle in dieser Intensität auszudrücken muss ihn eine irrsinnige Energie kosten, und er bringt sie auf!
Es ist bewundernswert, was er seinem Körper abverlangen kann, spielend hält er mit seinen Tänzern mit, und er ist einfach der Beste, auch wenn er vielleicht 30 Jahre älter ist als sie…

Seine spirituelle Botschaft war ein großer Auftrag an die Menschheit. So wird die Tragik seines Todes doppelt deutlich durch diesen Film, der ihn als Menschen ja nicht einmal beleuchtet. MJ wollte diese letzte Konzertreihe wirklich, mit Haut und Haaren. Vielleicht war das zuviel.
Dennoch: Michael Jackson hat uns mit seiner Kunst ein großes Geschenk gemacht, und durch diesen Film lässt sich das einmal mehr erspüren. Seine Kunst ist das, an das ich denken will. Sein Privatleben, seine Versuche, sein Äußeres zu manipulieren, das ist tragisch, ich bin dagegen, dass jemand sich selbst oder anderen derartiges antut, um keinen Preis. So ist es jetzt gekommen. Und wenigstens lebt er durch seine Kunst weiter.
Vielleicht bin ich auch zu unkritisch. Michael Jackson war dem großen Druck nicht mehr gewachsen, der 50 Konzerte mit dieser Megashow bedeutet. Vielleicht wäre es ja auch richtiger, sich der kommerziellen Ausschlachtung seiner Person zu verweigern und den Film zu boykottieren, zu der die Kampagne ‘This is not it‘ aufruft. Ich finde seinen Tod ja auch mehr als tragisch und finde es immer furchtbar, wenn andere auf anderer Leute Kosten ihren Profit rausschlagen.
Andererseits hat Michael Jackson in seinen letzten Wochen etwas Tolles geleistet, wenn der Vorwurf, er wäre gedoubelt worden, nicht zutrifft. Dann nämlich ist er über sich hinausgewachsen, und das hat er getan, weiß Gott für einen zu hohen Preis, dennoch ist es ja seine Entscheidung gewesen.
Drogenabhängige Künstler und solche, die an ihren eigenen Ansprüchen zerbrechen, hat es auch schon vor Michael Jackson gegeben, was die Sache nicht besser macht. Nun ist von ihm nur noch seine Kunst da. Und die ist doch aber für uns, das Publikum!

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es gut kommt, den Film in einen kleinen Fernseher zu packen. Besser ins Kino gehen dafür, es lohnt sich.

Das war übrigens nicht ganz voll. Vielleicht auch gut, wenn sich das Publikum verweigert, innerhalb von zwei Wochen diesen Film sehen zu sollen, von den anderen Gründen, den Film zu ignorieren, ganz zu schweigen.

Der Film war ein Erlebnis, das ich nicht missen will.

Die Abenteuer sind im Kopf – und sie dort nicht, dann sind sie nirgendwo – oder in einem Zeichentrickfilm von Disney/Pixar!

Rührend menschlich kommt Carl Fredricksen daher: ein alter Mann, der nach dem Tod seiner geliebten Frau allein in seinem Haus zurückbleibt. Für ihn ist die Zeit stehen geblieben: Er trauert seiner Gattin hinterher und den vertanen Chancen auf Abenteuer, die er mit seiner Frau erleben wollte, es aber nie tat. Mittlerweile ist er mit seinem Haus störendes Fossil in dem neu entstehenden Stadtteil und muss entsorgt werden.
Doch der grantige Alte nimmt die Sache schließlich selbst in die Hand und bricht mitsamt seinem Haus endlich zu dem Abenteuer auf, von dem er und seine Frau zeit ihres Lebens geträumt haben…
Und nimmt dabei einen kleinen Jungen mit, ohne das zu ahnen.
Tatsächlich erreichen die beiden das Land aus Carls Träumen, die Paradiesfelsen. Und es erwarten sie 1001 Abenteuer, die uns Zuschauer zum Lachen bringen, zum Bangen, zum Weinen und Staunen.
So leicht, wie sich das Haus mittels einer riesigen Menge von Luftballons in die Lüfte erhebt, werden Figuren kreiert, die komisch sind, tragisch oder einfach nur phantastisch. So einfach fliegt der Film über die Realität hinweg, und versetzt Berge im Inneren der Zuschauer, und auf der Leinwand ein Haus zu einem wunderbaren Ort.
Carl Fredricksen hatte nicht im Geringsten vor, neue Freundschaften zu schließen, doch schließlich erkennt er, dass er nicht nur an den Dingen und Menschen der Vergangenheit hängen kann, und lässt sich auf das Leben ein, das ganz neue Freundschaften möglich macht und neue Abenteuer.

'Oben' Szenenbild von der Site www.filmstarts.de

Bild von der Site www.filmstarts.de

Ich bin über mich selbst erstaunt, wie schnell mich einige Passagen in dem Film haben rühren können, aber sie konnten! In Spannung versetzen – aber sie konnten! Zum Träumen bringen – aber sie konnten!

Ein gelungener Film, der uns allen Spaß gebracht hat, und mit dem wir den Geburtstag unseres achtjährigen Sohnes angemessen feiern konnten! Er war allerdings deutlich spannender als die Filme, die wir die Jahre davor gesehen haben: Wall-E (der Film war sowieso ein einziger Reinfall), Ratatouille, und Cars. Vor einem Jahr hätte mein Sohn deswegen das Kino verlassen wollen, er ist aber auch ein besonders empfindliches Kind und vergleichsweise medienunerfahren.  Aber für diesmal war er in Ordnung, auch wenn ich ansonsten einige Handlungsstränge (wie z.B. den Absturz des alten Abenteuer-Forschers oder die Angriffe der Hunde) nicht unbedingt so geeignet für Kinder finde. Nun, aber die Richtung stimmte. Wir haben den Film genossen, auf jeden Fall. Auch ohne 3D-Brille.

Große Bilder zu einer mehr oder weniger skurrilen Handlung – und das made in Germany (/Großbritannien)…
Tja, diese Machart ist mir irgendwie für einen deutschen Film nicht so vertraut… was eigentlich genau? Vielleicht kommt er mir so vor, weil der Ton so perfekt war, als wäre der Film im Nachhinein übersynchronisiert? Keine Ahnung, ob das ein Fakt ist. Aber der Ton ist so perfekt wie bei einem amerikanischen Film.

Die Handlung folgt recht genau (so weit ich mich erinnere, die Lektüre liegt schon ein wenig zurück) dem gleichnamigen Buch von Donna Woolfolk Cross und hat zum Thema, dass es um 900 eine deutsche Päpstin gegeben haben soll, die als Mann getarnt dieses Amt übernahm.

Ich würde sagen, der Film ist eine adäquate Antwort auf diesen Schmöker, den ich gerne weggelesen habe. Es war eines dieser Bücher, die vielleicht nicht ganz blöde sind und einen derart packen, dass man immer weiterlesen muss. Manchmal mag ich das, in diesem Falle auch.

Der Film hat sich der Monumentalität des Stoffes mit großen Bildern angenommen. Die Dialoge waren deutlich besser als die in dem kürzlich gesehenen Historienfilm ‚Hildegard von Bingen’, und die Handlung war vielleicht nicht superspannend, aber mithilfe der Bilder durchaus genießbar. Also, mir hat der Film Spaß gebracht, es war gute Unterhaltung, für den Abend war das ganz in Ordnung.

Nur schwer zu ertragen waren einige kitschige Szenen, wie z.B. die, als ihr geliebter Gerolf sie nach einer halben Ewigkeit in Rom wieder sieht. Binnen 5 Minuten waren alle Missverständnisse beseitigt, und Gerolf konnte ihr durch ein Büchlein, in dem er getrocknete Blumen, die er einst von Johanna geschenkt bekam, beweisen, wie sehr sie ihm am Herzen liegt. Ich meine, der Typ ist Soldat und kam gerade vom Schlachtfeld! So was ist natürlich Dünnsinn.
Auch der Überfall am Schluss war merkwürdig aufgesetzt, ich erinnere mich aber nicht mehr, wie das im Buch war.
Und: Überleben Frauen eigentlich eine Fehlgeburt nicht? Also, ich meine, kann man daran wirklich innerhalb von siebeneinhalb Minuten krepieren? Sehr merkwürdig, mag aber sein, dass dies im Buch schon zweifelhaft war.

Egal. Der Abend war trotzdem gelungen. Gute Unterhaltung. Nix Tiefschürfendes.

Das war eine richtige Erlebnisausstellung mit hohem Informationsgehalt – allerdings neben der Vorteile auch mit Nachteilen verbunden.

Es sind eben nicht die Originale, die zu sehen sind, und das ist ein Mangel, den man nicht vergessen darf, wenn man die echten Ausstellungsstücke noch nie gesehen hat, und nicht vergessen kann, wenn man die Originale kennt. Ich war dabei, 1981, als die Originale hier in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe ausgestellt wurden, und war damals unglaublich beeindruckt von der Pracht dieser äußerst sorgfältig gearbeiteten Kunstwerke. Überwältigend, wirklich!
Und nun hier: diese Repliken. Es gibt große Qualitätsunterschiede zu diesen Ausstellungsstücken. Aber: Ich finde es gut, dass die Originale nicht mehr durch die Welt tingeln – zu viel könnte mit ihnen passieren! Sie sind besser aufgehoben in Kairo, wo sie auch hingehören.
Und gerade weil sie so berühmt sind und so wunderschön, gerade weil die Geschichte der Entdeckung von Howard Carter 1922 so rasend spannend ist, finde ich es sehr schön, dass ich hier in Hamburg die Werke unter einem bestimmten Aspekt noch mal sehen und dies mit meinem siebenjährigen Sohn teilen konnte. Denn diese Ausstellung setzt ihren Schwerpunkt auf die Entdeckung der Schätze und zeigt sie in ihrem originalen Kontext. So ist es überaus praktisch, wenn man eine nachgebildete Mumie sehen kann, auf der diese wunderbare Totenmaske liegt, und diese Totenmaske dann noch einmal in ihrer Pracht als Kunstwerk aufgebahrt wurde. Es wird so viel deutlicher, was dieser Schatz bedeutet! Oder auch, wie Howard Carter zusammen mit seinem Gönner Lord Carnarvon die Grabkammern vorgefunden hatten! So wurden diese Räume noch einmal nachgebildet, und man kann die Impression nacherleben, was für ein überwältigender Eindruck diese Entdeckung gemacht haben muss.

Auf diese Inszenierung wird man zuerst durch zwei Filme eingestimmt. Der erste erzählt von der Geschichte der Könige, der zweite von der Entdeckung des beinahe unangetasteten Grabes. Erst wenn der zweite Film zuende ist, geht man mit dem ganzen Menschenpulk weiter in die nächste Halle, in der sich in drei Ecken die nachgebildeten Kammern befinden. Hier wird man dank seines Audioführers, der durch die Ausstellung begleitet, zu den einzelnen Kammernachbildungen geführt. Langsam geht das Licht an, es wird etwas Wissenswertes erzählt, dann erlischt das Licht wieder, und es geht zur nächsten Kammer. Selten kam ich mir derart animiert und ‚gefesselt geführt’ vor! Ich glaube, ich reagiere etwas sehr empfindlich darauf, wenn ich irgend etwas Bestimmtes fühlen oder denken oder über etwas Bestimmtes staunen soll, und zwar jetzt! Ich mag das nicht. Zudem war es in dieser Halle sehr voll, und ich hatte nicht die Möglichkeit, die Impression noch mal in Ruhe auf mich wirken zu lassen, was ich bedauerte. Auch wenn die einzelnen Stücke ja später noch mal in allen Einzelheiten ausgestellt waren…

Diese waren toll angeordnet, zum Teil eben in ihrem ursprünglichen Kontext gestellt, und das empfand ich als eine echte Bereicherung. So ist eine meiner absoluten Lieblingsstatuen, Selket, so aufgebaut worden, wie Carter sie vorfand: nämlich mit dem Gesicht zu einem wunderbaren vergoldeten Schrein. Das habe ich nicht gewusst und vermittelt mir doch so viel mehr von dem Totenkult (damals, in Hamburg, wurden die Fundstücke vielleicht noch mehr aus ihrem Zusammenhang gerupft, als das jetzt in Kairo der Fall ist, das habe ich eben herausgefunden). Auch wurden die einzelnen Sargkammern sehr genau gezeigt. Und natürlich ein Haufen weiterer Fundstücke.
Der Audioführer, den jeder bekommt, war informativ, und ich fand es ganz toll, dass es auch einen Audioführer für Kinder gab.

Insofern hatte diese Art der Ausstellung mit Repliken wirklich auch viele Vorteile. Klar sollte man nicht vergessen, dass es in gewisser Weise eine virtuelle Ausstellung ist, denn über die Originale geht nichts (sogar mein Sohn, der die echten Ausstellungsstücke aus dem damaligen Ausstellungskatalog von 1981 von Fotos her kennt, sind die Qualitätsunterschiede aufgefallen! Obwohl die Repliken trotzdem nicht so  schlecht gearbeitet waren, jedenfalls zum Teil). Aber wir konnten uns in die Werke und die ägyptische Welt hineindenken, und das besser, als in der Präsentation der einzelnen Stücke als Kunstwerke.

Insofern hat diese Erlebnis-Repliken-Ausstellung durchaus ihre Berechtigung. Nach Kairo muss man aber trotzdem fahren.

Was weiß ich schon von dieser Geistlichen aus dem tiefsten Mittelalter? Dass sie ein Universalgenie war, dass sie sich mit den Kräutern und deren heilenden Wirkungen bestens auskannte und ihr Wissen weitergegeben hat und dass sie Komponistin war. Aber da hört es auch schon auf.

Also war es natürlich wieder einmal Neugier, die mich ins Kino trieb. Und: weiß ich jetzt mehr? Ein wenig schon, aber viel ist es nicht. Dass sie Visionen hatte, göttliche Eingebungen und dass sie ein Kloster bauen ließ sowie dass sie die offizielle Genehmigung erhielt, ihre Erkenntnisse schriftlich darzulegen und somit bis heute bekannt geblieben ist. Der Rest ist Biografisches, und der Film legt seinen Schwerpunkt auch genau darauf. Das fand ich persönlich zwar nicht soo interessant, aber egal. Es war dennoch ein Film mit schönen Bildern und einer mehr oder minder packenden Handlung (eine Freundin fand ihn langweilig, während mein Schatz, eine andere Freundin und ich ihn ganz in Ordnung fanden).  Die Besetzung mit Barbara Sukowa, die mir in ‚Die Entdeckung der Currywurst’ wahnsinnig gut gefiel, fand ich gewöhnungsbedürftig. Irgendwie konnte ich mich damit nicht anfreunden, obwohl Barbara Sukowa eigentlich ganz gut gespielt hat. Sie hat die Hildegard als sehr intelligent dargestellt, was sie zweifelsohne auch war. Vielleicht störte mich, dass manche Dialoge eher schwach waren, oder sie Zitate sprechen musste, die sich heute eher blöd anhören (man muss das natürlich historisch bewerten, und für die Ohren um das Jahr 1150 war es sicher revolutionär, wie sie den Sexualakt schilderte oder sich darüber freute, wenn eine junge Nonne weiß, welche heilende Wirkung die Schafgarbe besitzt). Aber an dieser Stelle hätte ich mir mehr Brillanz gewünscht, oder Aktualität, ach, ich weiß nicht. Ich denke, das Drehbuch hatte vielleicht einige Mängel, die Handlung trieb ein wenig an der Oberfläche, fand ich. Dass es nicht meinen Wunsch erfüllte, mehr Inhaltliches über Hildegard von Bingen zu erfahren, ist natürlich ok. 

Es war trotzdem ein gelungener Kinoabend.

Es fiel mir in die Hände, als ich nach Lektüre stöberte. Es wurde uns geliehen von unserer Schwägerin, vor etwa gefühlten 150 Jahren… und nun endlich sollte es mal wieder zu Ehren kommen, dies kleine Büchlein über die Zeit.

Hintergrund ist, dass Alan Lightman, hauptberuflich Physiker, Einstein träumen lässt im Jahre 1905, in dem Einstein einige grundlegende Werke veröffentlichte, u.a. auch seine berühmte Formel E = mc²  (diese allerdings im September 1905, während das Tagebuch (bzw. Traumtagebuch) im Zeitraum vom 14.4. bis 28.6.1905 datiert ist. Die Wahl dieses ‚Annus mirabilis’, wie es bei Wikipedia in Bezug auf Einstein genannt wird, ist mit Sicherheit alles andere als ein Zufall. Aber – egal. Ich bin in Physik nicht besonders bewandert (habe es allerdings mal ein halbes Semester studiert, bis ich gar keinen Schnall mehr hatte :-) ) und habe dies eben nur kurz recherchiert. Tja, und egal, weil man dieses Buch auch ohne diesen sehr reizvollen physikalisch-historischen Kontext aufs Beste goutieren kann! Jemand, der sich noch mit Einstein auskennt, würde wahrscheinlich noch mehr aus diesem Büchlein ziehen, aber ich war auch so schon sehr beeindruckt von der Phantasie des Autors, der eine Reihe sehr unterschiedlicher und phantasievoller Welten entwickelt, in denen die Zeit nicht so abläuft, wie wir sie kennen (- oder zu kennen meinen und trotzdem nichts davon verstehen). Und das alles ist in eine ganz wunderbare Sprache gepackt, poetisch, nicht nur im Gehalt, sondern auch im Ausdruck. Oh ja, ich hatte große Freude an dem Buch, und selbst mein achtjähriger Sohn verlangte des Öfteren, dass ich ihm daraus vorlese.

Ein feines Buch, ein schönes Buch. Schade, ich hatte es schnell durch. Aber andererseits: Was heißt eigentlich schnell? Schließlich ist auch das doch relativ.

Diesen schönen Film gab es in der Nordseehalle auf der schönen Insel Helgoland zu sehen. Und ICH war dabei! Wie schön!
Schön erst einmal, weil Helgoland so eine schöne Insel ist. Hier kann man Urlaub machen, der so erholsam ist, dass man schon nach einer Woche komplett entspannt ist, was von dem herrlichen Klima kommt, dem Wind und dem Meer. Und machen kann man hier auch genug, so dass eine Woche – erst recht im Sommer – eher zu kurz ist als zu lang…

Aber ich schweife ab. Es soll hier schließlich um diesen Film gehen! Dieser spielt auf einer kleinen bretonischen Insel, was sehr sinnig ist und interessant für die Helgoländer. Und da es an diesem Abend um die Einweihung eines kleinen Museumleuchtturms ging, machte es erst recht Sinn, diesen Film zu zeigen.

Die Franzosen sind einfach Meister, wenn es um sensible Themen geht. In diesem Film geht es um eine Dreiecksbeziehung – und wenn nicht um eine –beziehung, dann doch wenigstens um eine – begegnung: Ein Fremder dringt in die Welt einer kleiner festgefahrenen bretonischen Gemeinde ein, die sich ihm gegenüber ablehnend und unfreundlich verhält. Hier soll der  neue Leuchtturmwärter gar nicht erst aufgenommen werden, denn er stört nicht nur die Rangordung in der Gemeinde (eigentlich steht einem anderen Einheimischen der freigewordene Platz des Leuchtturmwärteres zu), sondern er wird überhaupt als eine Bedrohung wahrgenommen, durch die die Menschen aus ihren eingefahrenen Gewohnheiten herausgerissen werden. Allein schon, weil man nicht versteht, warum dieser Mann das Ende der Welt aufsucht, um dort zu leben. Es macht die Sache nicht einfacher, als man erkennt, dass er seine begangenen Greueltaten im Algerienkrieg auf diese Weise zu sühnen versucht. Mit seiner freundlich-unverbindlichen Art, die auf seiner Gefühlstaubheit beruht, rührt er die Menschen auf die ein oder andere Weise, wenn er sich einfach nicht von ihnen provozieren lässt.
Während ihn ganz langsam eine sensible Freundschaft mit dem einheimischen Leuchtturmwärter verbindet, ist es unterdrückte Leidenschaft, die er für dessen Frau empfindet. Alle anderen Männern lehnen den Fremden ab.
Die feine Bindung zwischen der Frau und dem Fremden, von beiden nur zögernd eingestanden, ist so fein und sensibel gezeichnet, wie es nur die Franzosen können. Dazu die langsam entstehende Freundschaft, die sich der einheimische Leuchtturmwärter beinahe widerwillig eingesteht, alles das ist so filigran, sehr zum Gegensatz des rauen Wetters und der Landschaft. Fremdheit in der Heimat, Fremdheit in der Ehe, Ausgeschlossensein (oder das Gefühl davon) werden thematisiert und in feine Zeichen übersetzt.
Dies ist ein in sich geschlossener Film – ein Meisterwerk! – ergreifend, einfach und schön, wie es – ja, ich kann mich nur wiederholen! – wie es nur die Franzosen können. Einfach super!