Uff. Ich habe es durch. Und weiß noch nicht, ob das gut ist oder schlecht. Tatsächlich habe ich an diesem Buch keine ungetrübte Freude gehabt.
Was hatte ich mir auch versprochen? Ich wollte kurze Prosa lesen, schauen, wie gestandene Schriftsteller einen Spannungsbogen aufbauen, wie sie auf wenigen Seiten Bilder schaffen, die einen längeren – vielleicht gar bleibenden – Eindruck hinterlassen. Und diese Erwartungen sind enttäuscht worden.

Gute Geschichten zu schreiben ist schwer, das ist ja nun auch nichts Neues. Im Nachwort wird denn erklärt, dass kurze Geschichten der Fabulierlust der Italiener sehr entgegen kommen, und dass schließlich auch Boccacios ‚Decamerone’ von hier stammt. Aber bitte, das ‘Decamerone’ ist eine so wunderbare, originelle und phantasievolle Geschichtensammlung, und jede Geschichte für sich ist ein Meisterwerk – und das kann ich von den Geschichten im ‚Italienischen Lesebuch’ nicht sagen. Das trifft auf einige Wenige zu. Ich bin dennoch glücklich, das Buch durchgelesen zu haben, weil ich ansonsten die wirklich erschütternde Geschichte von Susanna Tamaro ‚Wieder einmal Montag’ nicht gefunden hätte. Die hat mich richtiggehend ‚aus den Puschen gehauen’… Es ist allerdings die einzige Geschichte, die mir unter die Haut gegangen ist (macht mich beinahe neugierig auf ‚Geh wohin dein Herz dich trägt’).  Andere Geschichten fand ich auch gut wie ‚Meuchlings’ von Italo Svevo und ‚Die Fußbälle des Herrn Kurz’ von Michele Mari. Die hatten wenigstens einen Höhepunkt, eine Wende in ihrer Geschichte. Andere, die das nicht hatten, waren aber sprachlich brillant wie ‚Das Feuer in der Via Keplero’ von Gadda oder –ganz witzig – ‚Schuld daran ist Proust’ von Luigi Malerba. Die meisten fand ich allerdings weniger spannend, trotz der bekannten Namen, den die Autoren tragen. Manche Geschichten waren richtiggehend verrutscht; ich hatte den Eindruck, dass zu Beginn der Geschichte noch gar nicht fest stand, wo es denn nun hingehen sollte, musste erst einige Seiten mit einer Nebenhandlung lesen, bis das Hauptthema überhaupt anfing. Das fand ich dann mühsam. Selbst wenn es literarisch gut geschrieben ist, weiß ich nicht, warum ich es hätte lesen sollen. Mir schienen es einfach manchmal Texte zu sein, denen eine Überarbeitung gut getan hätte. Na, ich kann mich auch irren.
Jetzt habe ich es durch. Und das ist gut.

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