Eine Ratte als Koch ist schon ziemlich originell. Vermutlich waghalsig, weil so abstrus – doch wenn ein Film mit so schönen Bildern und einer gut erzählten Geschichte daherkommt, macht das Ganze riesigen Spaß!

Und so war es auch. Der Animationsfilm strotzt in jeder Szene nur so vor liebevollen Details, und die Stadt Paris wird in vieler Hinsicht durch Zitate, die Kinder sicher noch nicht verstehen können, beleuchtet. Aber da, wo wir Eltern uns freuen, weil wir viele Feinheiten entdecken, die von Kindern unbemerkt bleiben, ist die Handlung dennoch auch von den Kleinen gut  nachvollziehbar, spannend (aber nicht zu spannend, das könnte mein jetzt sechsjähriger Sohn nicht gut vertragen) und lustig und die Bilder auch für Kinder eine wahre Augenweide. Auch Bilder und Szenen, in denen jemand dem anderen Gewalt antut (á la ‘Tom & Jerry), kommen kaum vor. Am Anfang ballert eine Oma mit einem Gewehr auf die Ratten, doch können alle unversehrt fliehen. Die Flucht durch die Kanalisation, in der die Ratte schon mal in einen Strudel gerät, ist vielleicht der dramatischste Abschnitt, die Auflösung folgt aber ziemlich schnell. Und ab dann ist eigentlich klar, dass die Ratte sich zwar in acht nehmen muss, aber brenzlige Situationen bewältigt.

Heute hat mein Sohn jedenfalls den Film nochmal Revue passieren lassen, war noch ganz angetan von den Bildern, der Handlung, der Freundschaft zwischen Ratte Remy und Küchenjunge sowie dessen Freundschaft zur Köchin.

Der Film war also wirklich eine Freude für die ganze Familie, intelligente Unterhaltung, und es war einfach für jeden was dabei. Genial, so etwas hinzubekommen…

Ich habe ziemlich Lust, bald mal wieder Ratatouille zu kochen. Mein Schatz und ich haben ganz unterschiedliche Rezepte dafür. Seine Interpretation ist ein pikanter Gemüseeintopf mit würzigen Hackbällchen, echt lecker. Ich dünste das Gemüse (Zwiebeln, ein wenig Knoblauch, Aubergine, Zucchini, Paprika) in Tomatensauce, so können die Kräuter der Provence schön durchziehen. Dazu gibt es Reis (Basmati ist herrlich dazu, aber nussiger Vollkornreis hat auch unbedingt was) und der Clou ist der Schafskäse, der über das Gemüse gebröckelt wird – herrlich! Jetzt habe ich eben dies Rezept entdeckt, das kommt Remys Version wohl nahe, jedenfalls sagt das der Name. Zubereitungszeit: 3 1/2 Stunden…. – aber wenn es der Gaumen dankt, warum nicht?

Eine Erkältung ist halb so schlimm, wenn man ein gutes Buch zur Hand hat, finde ich. Und darum war ich froh, dass dieses hier den Weg zu mir fand.
Sechs Erzählungen hat Joseph Conrad zu einem Buch zusammengefasst. Jede der Erzählungen hat vom Autor daselbst eine Charakterisierung erhalten: Es gibt eine romantische, eine ironische, eine zornige, eine verzweifelte, eine kriegerische und eine pathetische Erzählung. Ich weiß nicht, ich konnte diese Charakterisierung beim ersten Lesen nicht immer gleich entschlüsseln, habe mir vielleicht doch zu wenig Mühe mit dem Buch gegeben.

Was mir an den Erzählungen besonders auffiel – und das habe ich sehr genossen – war, dass manche der Gesten oder gar Haltungen der Protagonisten bis ins Kleinste beschrieben wurde und dabei so ungewöhnlich war. Ein Mann war dabei (nämlich Gaspar Ruiz), der wegen seiner Riesenkräfte eine Kanone auf dem Rücken trägt. Er liegt, und die Kanone wird durch ihn auf das Ziel ausgerichtet; ein anderer Mann wird beschrieben, wie er seine Hand in die Tasche gleiten lässt, etwas sehr kleines herausnimmt und sodann zum Mund führt (ist eine Giftpille), ein anderer trocknet in einer merkwürdig verdrehten Haltung sein Taschentuch am Kaminfeuer (um sich später darin auszuschneuzen und den Vorgang zu wiederholen, igitt, aber interessant), eine Frau wird von einem Anker ‚gepackt’ und ins Meer hinausgeschleudert, ein Mann liegt bei einem Duell im Wald auf dem Rücken und beobachtet seinen Widersacher über einen Spiegel. Ach, und noch vieles mehr.
Die Erzählungen sind so anschaulich, dass man sich in die Szenen wunderbar hineinversetzen kann, und gleichzeitig entstehen diese ungewöhnlichen, ja oft verrückten Bilder.

Zwei der Geschichten fand ich besonders herausragend: ‚Das Untier’, in dem es um ein Schiff geht, das auf jeder Fahrt mindestens ein Opfer fordert, als sei es ein Monster. Es sind Lotsen, die sich über dieses berüchtigte Schiff unterhalten. Die ganze Szene ist derart gut beschrieben, dass ich mich ganz dazugehörig zur Szene fühlte. Es ist eine Geschichte zum Lauschen und Staunen. Und ‚Das Duell’ ist einfach großartigste Erzählkunst: Die Geschichte handelt von zwei Soldaten im napoleonischen Heer, die sich durch einen ganz dummen Anlass miteinander duellieren. Der Anlass aber ist derartig unwichtig und peinlich, dass über ihn ein großes Geheimnis verhängt wird. Es gibt kein zurück, und so findet nach jeder Beförderung beider Soldaten (nur wenn sie den gleichen Rang haben, dürfen sie sich duellieren) jeweils eine kriegerische Begegnung statt, jedoch ohne endlich einen eindeutigen Sieger hervorzubringen. Als der aggressivere der Beiden in Ungnaden fällt und hingerichtet zu werden droht, verwendet sich der andere für ihn, denn diese dramatischen Auseinandersetzungen werden doch mit einer gewissen Wehmut betrachtet, sind sie doch in beider Leben wie das Salz in der Suppe. Ein wunderbarer Kniff in dieser Geschichte ist, dass der andere sich nur deshalb ‚auf der Siegerseite’ (nämlich nach dem Sturz Napoleons auf der königstreuen Linie) befindet, weil es sein Widersacher war, der das Gerücht von dessen Abtrünnigkeit gestreut hatte. ‚Das Duell’ ist wie eine wunderbare Parabel über jeden sinnlosen Krieg und auch der vermeintlichen Notwendigkeit desselben.

Es wird mit Sicherheit nicht das letzte Buch sein, das ich von Joseph Conrad lesen werde. Am Besten lässt es sich auf einem roten Sofa mit einem Tee oder besser noch: einem starken heißen Grog genießen. Und draußen sollte es möglichst ungemütlich sein.

Dieser Film hat meine Erwartungen voll getroffen: schöne stimmungsvolle Bilder, nachvollziehbarer Konflikt, hervorragend geeignet, um für einen Moment die Sorge um meinen Sohn, der sich eine Platzwunde 600 km von mir entfernt zugefügt hat (sein Vater ist mit ihm zum Arzt, alles o.k. so weit) für einen Moment in den Hintergrund treten zu lassen.

Ja, ich hatte wirklich das und nur das erwartet, relativ anspruchslose Unterhaltung, gepaart mit einer angenehmen Ästhetik, romantischen Vorstellungen und hervorragender schauspielerischer Leistung. Der ganze Film hat mich sehr stark an die Verfilmung von ‚Stolz und Vorurteil’  (2005) von Joe Wright  erinnert, auch die ‚Handlung’ war ähnlich. Eigentlich sollte man bei der Verfilmung einer Biographie nicht von ‚Handlung’ (obwohl, es ist ja die ‚Geschichte, die das Leben schreibt’) sprechen, das trifft es nicht. Und dennoch, was hier erzählt wird, ist zu einem Stück Handlung geworden.
Und es mutet mich seltsam an, dass ich den Film mit ‚Stolz und Vorurteil’ vergleiche.
Sicherlich verarbeitete Jane Austen in ‚Stolz und Vorurteil’ auch ihre eigene Geschichte – die Liebe zu einem unerreichbaren Mann (obwohl es dann natürlich beträchtliche Unterschiede gibt, denn in ‚Stolz und Vorurteil’ kriegen sich sich ja am Ende, während Jane Austen auf eine Ehe mit dem Mann ihrer Wahl verzichten musste, aber dies ist nur ein Unterschied). Dazu kommt, dass die Bilder und die Machart beider Filme in meiner Erinnerung irgendwie ähnlich sind.
Vielleicht ist es aber genau das, was mir ein wenig Unbehagen bereitet. In ‚Geliebte Jane’ geht es nicht um eine Figur, die etwas durchlebt, sondern die Autorin Jane Austen wird hier zu einer Figur gemacht. Nun hat der Film sicher keinen Anspruch auf Authentizität. Ich muss also davon ausgehen, dass Dichtung und Wahrheit hier sich nicht die Waage halten, sondern deutlich in Richtung Dichtung abdriften.
Nagut, o.k., kann man sicher machen. Obwohl das einen Unterschied ausmacht.

Wie dem auch sei, ich kam ganz zufrieden aus dem Kino.

Ein Film voller grober und feiner Widersprüchlichkeiten; man rackert sich ab, um zu kapieren, worum es in diesem Streifen überhaupt geht – doch das Ende relativiert den ganzen Film, und alles verpufft wie eine Seifenblase. Enttäuschend!

Yella hat in Wittenberge außer einer gescheiterten Ehe mit einem gescheiterten und bankrotten Mann keine Zukunft mehr. Sie findet einen Job in Hannover bei einer Firma auf dem absteigenden Ast und will diese Reise – Aufbruch zu neuen Ufern – antreten.
Dann passiert etwas…
In Hannover dann stellt sich der Job als Flop raus, aber Wunderwunder, ist schon der nächste da. Sie knackt Bilanzen für einen Private-Equity-Typ und steht diesem bei Verhandlungen mit Firmen bei (vielleicht ganz interessant, dieser Erzählstrang). Doch am Ende holt sie die eigene Geschichte ein, oder so.

Der Film wimmelt nur so vor ärgerlichen Widersprüchlichkeiten: Warum trägt Yella (Nina Hoss) die ganze Zeit die selben Klamotten, mit denen sie schließlich schon im Wasser war? Ein Trenchcoat dürfte verdorben sein, die rote feine Bluse hätte reißen müssen, das Geld in der Tasche nass sein und so weiter (ist schon klar, dass diese Ungereimtheiten von der Regie gewollt eingesetzt wurden; für mich stellt sich nur die Frage, ob die Auflösung am Ende das alles trägt, und ich würde sagen: nein). Die Kollegenschaft, die natürlich zur Liebschaft wird (hallo, Klischee, ich winke!!!), baut sich aus und soll auf irgendeinem idiotischen Handel mit einem Billigartikel im Baumarkt, der für teuer Geld an Ölbohrfirmen verkauft werden soll, in der Zukunft eine feste Substanz bekommen. Entschuldigung, auch wenn Christian Petzold diesen Schund aus authentischer Quelle haben will – wie blöd soll ich denn sein, um diesen Bockmist zu glauben?

Während ich im Kino saß, wurde ich immer ärgerlicher, erst recht weil sich ein Familienvater und Patentträger für eine neue Geschäftsidee durch eine Erpressung auf niedrigstem Niveau das Leben nahm. Ich bin ziemlich empfindlich, was das Auftauchen von Leichen in den Medien angeht  – es gibt für meinen Geschmack zuviele davon – und das war komplett überflüssig und konstruiert.
Wenn ich den Film aber vom Ende aufrolle, relativiert sich ohnehin komplett das Erlebte, in dem es in diesem Film ja geht und verpufft in einer Traumsequenz.
Also hätte ich mich vielleicht auch nicht so aufregen müssen. Besser wäre aber gewesen, ich hätte mir diesen Film erspart; es ist mit Abstand der schlechteste Film, den ich seit Jahren gesehen habe.
Und als ich eben dieses Interview mit Christian Petzold gelesen habe, fiel mir überhaupt nichts mehr ein. Der muss noch einen zweiten Film gedreht haben, der genauso heißt. Was ich da gesehen habe, passt jedenfalls überhaupt nicht zu diesen Aussagen, die da zu lesen waren, weil Petzold die Traumsequenz total ernst genommen hat – und somit tauchen sämtliche ärgerliche Widersprüche wieder auf und bleiben - wie auch die ’Wiedergänger’ -ärgerlich.

In meiner Kindheit liebte ich die Bücher von Enid Blyton, und ganz besonders die ‚Abenteuer’-Reihe hatte es mir angetan. ‚Die 5-Freunde’-Reihe habe ich auch verschlungen, mochte sie aber nicht ganz so gern.
‚Hanni und Nanni’ mochte ich auch gern, ebenso ‚Dolli’. Aber das ist vielleicht nochmal ein ganz anderer Schuh, diese Internatsgeschichten.

Zurück zur ‚Burg der Abenteuer’. Grund meiner Lektüre war zum einen, dass die Bücher überarbeitet und neu übersetzt wurden, und zum anderen, dass ich mit der Übersetzerin bekannt bin. Und da ich neugierig bin (und außerdem eine Erkältung auskurieren musste), habe ich mich gerne über diese Lektüre hergemacht.

Nach wie vor ist es ein spannender Kinderroman, stringent erzählt und packend. Wirklich schön, um bei einem Kind Leselust zu wecken, und das macht dieses Buch nach wie vor wertvoll. Gleichzeitig ist die Geschichte spannend und phantasievoll, ich kann mir gut vorstellen, dass die Erlebniswelt in diesem Buch den Kosmos der kindlichen Phantasie beflügelt. Die neue Übersetzung lässt sich dazu auch richtig schön ‚weglesen’, so dass ich dies Buch beinahe in einem Rutsch durchlas. Und ich denke, das wird den Kindern genauso gehen. Das finde ich richtig klasse!

Andere Sachen, die Enid Blyton da verzapft hat, haben mir denn nicht so gut gefallen. Da ist zum Beispiel das Mädchen Tassie, das nicht lesen und nicht schreiben kann, ein wahres Naturkind ist und der abgerissenen Kleidung und ihrem ungepflegten Äußeren nach aus ärmlichen, wenn nicht gar sozial haltlosen Verhältnissen stammt. Ein Mädchen, das nicht lesen und schreiben kann…. nun mag Tassie ein Mädchen sein, dass die kindliche Phantasie anregt, und es ist ja auch schön, dass sie in den zwei Geschwisterpaaren und dem Papagei richtig gute Freunde findet, aber ein unbehagliches Gefühl bleibt doch zurück. Ihr sozialer Status wird nie hinterfragt. Das Buch wurde 1946 geschrieben. Mich wundert das. Für heute ist diese Figur jedenfalls nicht zeitgemäß, es sei denn, es wird soziales Elend oder Analphabetentum als solches auch thematisiert – finde ich.
Dann Bill Smuggs, der Geheimpolizist, oder wie ich ihn sonst nennen soll, und Freund dieser Kinderclique: Er lässt zu, dass im spannenden Teil der Geschichte die beiden Jungen bleiben dürfen, die Mädchen – gähn – müssen natürlich nach Hause gehen. Nur wird während der Konfrontation der Spione mit den Polizisten auch scharf geschossen. Ich finde das schon zuviel des ‚Guten’. Aber, man muss wissen, dass ich Krimis schon so indiskutabel finde wegen der Morde. Ich sehe da immer tote Menschen vor mir und kann es kaum aushalten, dass das heutzutage für ein Gros der Konsumenten zum (Fernseh- und Lese-)Alltag gehören soll. Nicht dass ich mich nicht mit Tod oder Sterben auseinandersetzen wollte, aber nicht in dieser Weise. Mich stößt das ab. Also, es kann sich durchaus um eine Überempfindlichkeit meinerseits handeln.

Wie dem auch sei: Obwohl ich mit diesen beiden Stellen (und mindestens einer weiteren, aber das ist nicht so wichtig) nicht einverstanden bin, würde ich das Buch meinem Kind zum Lesen geben, denn es ist einfach spannend erzählt und macht Lust auf mehr. Ich glaube, das ist gar nicht zu unterschätzen, wie wichtig es in einem bestimmten Alter ist, zu lesen, die Haltung eines Lesenden einzunehmen. Je öfter das passiert, glaube ich, desto mehr wird das Kind auch als Erwachsener zum Buch greifen. Da ist es denn fast egal, welches Buch da den Anfang gemacht hat. Also warum nicht dieses?

Vor ein paar Jahren habe ich ‚Fünf Freunde und das Burgverlies’ gelesen, und das hat mich ziemlich entsetzt. Auch hier mag die Geschichte spannend gewesen sein; doch in diesem Buch kommt so viel an gesellschaftlicher Reglementierung vor, die auch pädagogisch eingesetzt wird. George, die eigentlich Georgina heißt und lieber ein Junge sein möchte, verhält sich letzten Endes gesellschaftlich genauso angepasst wie Ann, die sowieso eigentlich nur ein blödes Mädchen ist (wie ich finde): Ist schon bitter: Die Mädchen helfen in der Küche, während die Jungen eher fürs Grobe zuständig sind. Klischeehafter geht es wohl nicht! Das Fehlverhalten eines anderen Jungen wird von den ‚Freunden’ nicht nur missbilligt, der Junge wird dafür mit Nicht- oder gar Verachtung gestraft, man kann schon fast sagen, gemobbt. Man könnte durchaus von einem Fehlverhalten der ach so angepassten fünf Freunde sprechen.

Es könnte sein, dass die Abenteuer-Serie sich vor allem auf das Abenteuer konzentriert, während bei den Fünf Freunden vielleicht noch viel mehr an gesellschaftlichen und politischen Aspekten hervorgehoben wird.

Es ist ja kein Geheimnis, dass Enid Blyton in ihren Büchern ihre konservative und rassistische Einstellung mit einfließen ließ (mehr über ihre Biographie und ihr Werk). Das wird zwar hier in Deutschland durch Überarbeitungen etwas abgemildert, aber ganz herausfiltern lässt es sich vielfach nicht. Als Kind war mir nicht klar, dass mich Blytons Gesinnung störte. Doch bei der Lektüre als Erwachsene kann ich darüber nicht mehr hinweglesen, und als Kind mag dies immerhin ein Unbehagen in mir ausgelöst haben. Vielleicht also deshalb meine Vorliebe für die ‚Abenteuer’-Serie? Ich gehe dem nicht nach, sonst müsste ichja alle Bücher nochmal lesen, nee, nee.
Das wär’s nicht. So hat es Spaß gemacht, aber jetzt bin ich lesetechnisch schon wieder ganz woanders.

‚Die Wahrheit über Island’ heißt das Buch um Untertitel, was vielleicht etwas reißerisch ist. Einige kleine Wahrheiten, mindestens aber interessante, witzige, ausgefallene Beobachtungen werden von Wolfgang Müller – seines Zeichens Künstler, Musiker und  Autor – hier angestellt. Beispielsweise die, ob die Stare heute, die zu Kurt Schwitters Zeiten in Norwegen die ‚Ursonate’ von diesem aufschnappten, sie über Starengenerationen vererbten, dazu viel reisten und Müller in Rekjavík erneut durch ihren Gesang draußen zu Ohren kam – also, ob jene Stare eigentlich GEMA-Gebühren zu zahlen hätten (mehr darüber hier)? Oder, um eher bei Island zu bleiben, wie es sich mit der heidnischen Gemeinschaft in Island verhält, und wie sich die Christen gegen den in Island weit verbreiteten Glauben an Elfen und Trolle durchzusetzen versuchen. Oder warum der Buchstabe ‚z’ im Isländischen nicht fehlen kann, wiewohl es kein isländisches Wort mit ‚z’ gibt. Oder wie weit isländischer Trockenfisch schon reiste, um endlich verspeist zu werden. Oder welche Rolle Lakritz und Schokolade – und zwar gleichzeitig genossen – für die Wirtschaft von Süßigkeitenherstellern spielt. Müller gibt auch Einblick in vieler seiner Kunstwerke und Aktionen, die köstlich und meist mit einer gesunden Prise Ironie und Witz gewürzt sind (wie z.B. der legendäre ‚Elfenabwurf’ in Berlin am 14. Juli 2001).
Der Island-Begeisterte hat sich auch den isländischen Namen Úlfur Hróðólfsson, den Nachnamen klassisch abgeleitet aus dem Vornamen seines Vaters, zugelegt, was bei der Beantragung eines Telefonanschlusses unter diesem Namen kein Problem für die isländische Telefongesellschaft war.

Wolfgang Müller ist jedenfalls ein beinharter Islandkenner und gibt in diesem Buch eine Menge lustiger Anekdoten und ‚Wahrheiten’ über Island preis. Mir hat das Buch viel Spaß gebracht.

Mehr über Wolfgang Müller findest Du auf seiner Homepage.

Bunter Oktober

2. Oktober 2007

Stell dir vor, deine Familie ist zur Kur und du kannst treiben, was du willst, und es kommt nix im Kino, was dich interessiert. Bitter ist das! Ich habe drei Wochen familienfrei, muss ‘nur’ arbeiten (bzw. will es auch so haben, bin ja freiberuflich und kann es mir einteilen wie ich will) und kann abends aber völlig ungehemmt unterwegs sein.

Und tatsächlich habe ich viel vor, aber eigentlich nicht viel Kulturelles.
Mitte Oktober werde ich für ein verlängertes Wochenende nach Berlin fahren, und da will ich mal mit einer Freundin ins Theater gehen. Bin ja sowas von leidenschaftslos gegenüber dem Theater…. Wirklich komisch. Na, ich will es aber nochmal damit probieren. Leider geht die große Impressionisten-Ausstellung ‘Die schönsten Franzosen kommen aus New York’ nur bis zum 7. Oktober, und bis da schaffe ich es nicht nach Berlin. Das bedaure ich wirklich sehr. Wann komme ich schon mal nach New York? Die Staaten machen mich als Reiseziel einfach nicht an.
In Hamburg laufen zwar gerade die Filmfestspiele, aber warum auch immer, interessieren mich die Filme nicht so sehr. Muss wohl an einer gewissen Unlust meinerseits liegen. Na, vielleicht regt mich ja jemand aus meinem Bekanntenkreis an, wäre schön.

Also, was bleibt? Mein Buch auf dem Nachttisch. Es ist das neu herausgekommene Taschenbuch von Wolfgang Müller: ‘Neues von der Elfenfront. Die Wahrheit über Island’. Und das amüsiert mich sehr. Danach will ich mich mal Enid Blyton ‘Die Burg der Abenteuer’ widmen, ist in neuer Übersetzung (von einer Übersetzerin, die ich sehr schätze) herausgekommen. Als Kind liebte ich die Bücher von Enid Blyton, und ganz besonders die Abenteuer-Serie. Mal sehen, wie ich dies Kinderbuch jetzt finde.