‚Leergut’ – Film von Jan Sverák
27. Februar 2008
Oberflächlich gesehen könnte man sagen, dass dies doch ein ganz schöner, netter, dahinplätschender Film ist mit einiger Situationskomik. Und obwohl ich den Film schon letzte Woche gesehen habe, tue ich mich schwer, den Film zu beschreiben, weil er mich auch ziemlich berührt hat. Und das zuzugeben fällt mir schwer.
Ein Mann ist in die Jahre gekommen und ist seinem Lehrerberuf überdrüssig, vielleicht auch damit überfordert. Überfordert ist er auch mit seiner Ehe, die ihm im langen Laufe seines Lebens nicht die Erfüllung bringt, die er sucht. Und in gewisser Weise steigt er aus. Zwar verlässt er nicht seine Frau, jedenfalls nicht physisch. Im theoretisch-physikalischen Sinne setzt er sich jedoch mit anderen Frauen(körpern) auseinander, und es bleibt offen, ob er ihnen im praktischen Sinne eigentlich wirklich gewachsen wäre.
Jedenfalls jobbt er im Supermarkt in der Leergut-Annahmestelle, und findet dort ganz menschliche Kontakte mit verschrobenen Kollegen oder einsamen alten Supermarkt-Kundinnen, und das gibt ihm mehr, als die ständigen Anforderungen in der Schule.
Seine Frau hängt an ihm und leidet darunter, dass er im Grunde genommen die seelische Emigration angetreten ist, und ihr ewiges Jammern darüber lässt uns ja auch verstehen, warum er den Weg zurück nicht antreten kann. Dennoch bleibt auch diese Figur schlüssig und wird nicht denunziert. Sie ist alt geworden – oder fühlt sich so -, und ihr Mann, zu agil, um sich nach seinem bereits gelebten Leben auszuruhen, bestätigt sie darin einerseits durch sein Schweigen und andererseits durch das Leben, das er ohne sie führt.
Das ändert sich ein wenig, als sich ein anderer Mann für seine Frau interessiert. Doch wie weit? Das ist schwer zu entscheiden.
Am Ende starten die beiden zu einem kleinen Abenteuer, einem Ballonflug, dem sie nur wiederwillig zustimmt und die Momente nicht auschöpfend genießt, denn das Ungewisse ist die Landung und deren Ausgang…
Ja, es ist nicht leicht, jahrelang Seite an Seite zu leben, wenn sich Gewohnheiten einschleichen, vielleicht auch kleine Lügen, und die Beziehung Stück für Stück untergraben wird. Bestimmt wollte das niemand, und dennoch ist es passiert. Und ob man dann wieder zueinander findet? Dieses Thema wird wohl immer genauso menschlich wie wahr bleiben, so lang es langjährige Partner gibt, denke ich.
Und gerade darum berührte mich der Film: Wegen abgrundtief ehrlicher Momente, die neben den komischen und auch poetischen Situationen des Filmes eben auch da sind. Und damit ist es nicht nur ein einfach netter Film, sondern tiefgründig, tiefgründig.