Das Buch war mein absolutes Lieblingsbuch aus dem Siebenteiler, und klar, der Film reicht mal wieder nicht ans Buch heran. Doch diesmal bin ich doch auch etwas ärgerlich, wiewohl ich den Film wie auch alle vorangegangenen genossen habe.

Aber durch die starken Verkürzungen blieb doch einiges an Handlung echt kryptisch. Beispielsweise der Besuch der Quidditch-Weltmeisterschaft. Erst wird nicht gesagt, wo es eigentlich hingeht, dann plötzlich Szenenwechsel und das Spiel; dazwischen wird Cedric Diggory eingeführt und doch nicht! Mit keinem Wort wird erwähnt, dass auch er in Hogwarts ist. Der Todesseraufstand ist überhaupt nicht nachvollziehbar, und die Hauselfenproblematik wird schon gleich komplett unterschlagen. Zugegeben: Diese vielen kleinen Handlungsstränge lassen sich nicht alle in einen Film, der sowieso schon Überlänge hat, integrieren. Aber einiges kam mir wirklich zu kurz, und ich frage mich, wann zum Beispiel die Hauselfen, die ja in den Folgebänden eine wichtige Rolle spielen, wieder eingeführt werden… ZUdem fand ich schade, dass offensichtlich für die Charakterisierung weiterer Figuren kein Platz blieb. Fleur De La Cour und Viktor Krum wurden total oberflächlich gezeichnet, und die Bedeutung von Sirius Black für Harry wird letztendlich nur behauptet.
Etwas anderes störte mich auch: nämlich die düsteren Bilder. Nicht die düstere Handlung wohlgemerkt, sondern vielmehr, dass die Bilder sehr spärlich beleuchtet waren, hat mich gestört.

Kurz: Bei diesem Film kam es zu ernsthaften Handlungsverzerrungen, weil einige der weitertragenden Handlungselemente aufgrund Zeitmangels nicht unterzubringen waren. Abgesehen davon, dass ich große Achtung vor dem Drehbuchautor Steven Kloves habe, sympathisiere ich mit jedem, der meint, es sei ein unzureichendes Unterfangen, das Buch für den Film aufzubereiten. Und ich frage mich, wie sich Joan K. Rowling bei ihrem allmorgendlichen Geldbad á la Dagobert Duck fühlt, dass sie ihr Buch im Film hat so verkürzen lassen.
Aber gut. Oder schlecht? Wie dem auch sei. Spaß hat es mir zwar auch gemacht, und spannend fand ich den Film auch, aber die Vielschichtigkeit des Buches ist nun einmal nicht zu übertrumpfen.
Der Film ist ab 12 Jahre. Ob das nicht auch mal wieder zu gut gemeint ist? Immerhin gibt es einen Toten, und wirklich sehr gruselige Handlungselemente…

Manchmal ist es bitter, wenn man nicht in der Phantasie eines Romanes bleibt, sondern sich die Verfilmung antut und seine eigene Vorstellung durch fremde Vorstellungen ‚materialieren lässt’. Trotz dieser Bitterkeit hätte ich es natürlich, selbstverständlich nicht lassen können! Und natürlich, selbstverständlich! wurde ich auch enttäuscht. Aber das war ja klar.
Trotzdem hat mich nun mal das Harry-Potter-Fieber gepackt, und insofern war es geradezu Pflichtprogramm, mir das Video reinzuziehen.
Ich mag ja auch vieles: Die unheimlichen Bilder, aber auch das total phantasievolle Schloss, das die Schule beherbergt, sind einfach irre gemütlich. Spannung ist auch vorhanden, und damit ist die Unterhaltung denn sicherlich perfekt.
Für mich stellt sich allerdings die Frage, ob Leute, die Harry Potter nur durch die Filme kennen, die Handlung eigentlich wirklich verstehen können. Oder ist das Quatsch, sich das zu fragen? Die Handlung muss natürlich stark verkürzt werden, das Buch strotzt nur so voller Geschichten und Details, das alles ist nicht in einen Film, der ja schon Überlänge hat, hineinzubekommen. Aber das muss ja nun auch nicht meine Sorge sein…
Ich mochte denn auch trotz aller Bedenken auch diesen Film aus der Perspektive der Unterhaltung. Die Handlung, durch den Trick mit dem Zeitumkehrer großartig vielschichtig gemacht, hat mich im Buch schon fasziniert, hat es mir jedoch jetzt nochmal so plastisch vor Augen geführt. Was war denn nun zuerst da: Der Hirsch und damit das Wissen, dass Harry Potter gegen die Dementoren gegenan kommt, oder das beinahe Versagen angesichts dieser lähmenden Gefahr? Das Ganze lässt sich auch symbolisch auffassen: Die Selbstüberwindung kommt aus dem Glauben an sich selbst, an den eigenen festen Kern. Harry Potter wusste, dass der Hirsch zur Rettung kommen musste, denn er hatte es bereits erlebt. Und nun ist es an ihm, dieses wahr zu machen… Einfach unglaublich interessant, diese Handlung. Das hat mir denn auch in der Verfilmung Spaß gemacht.
Und doch. Der Film ist verzichtbar. Das Buch ist so viel mehr.

Ich finde immer faszinierend, mir Kunstschätze aus vergangenen und untergegangenen Kulturen anzuschauen; erst recht, wenn sie aus für mich so exotischen Gebieten ‚stammen’ wie der Mongolei (die Skythen waren allerdings ein Wandervolk). Und ich wurde nicht enttäuscht.
Es ist eine große Ausstellung, in der nicht nur die Kunstschätze selbst das Thema darstellen, sondern auch die Bergung derselben, die einfach unglaublich ist.
Voraussetzung nämlich ist, dass das Grab nach Verschließen bald einem Blitzeis zum Opfer fällt, welches dann als Permafrost im Boden verbleibt. Nur auf diese Weise können die Schätze so konserviert werden, dass sie heute angeschaut werden können. Unnötig zu erwähnen, dass nicht schon Grabräuber den  Archäologen zuvorgekommen sein durften und den Schatz geborgen – und ihn durch unsachgemäße Bergung dem Verfall  preisgegeben haben…
Ein spannender Film erzählt von einer spektakuläre Bergung 2006, die einem Wettlauf mit der Zeit ähnelt. Denn durch die Klimaerwärmung schwindet auch der Permafrost aus dem Boden.
Zu sehen gab es viele kleine und große Schätze; etlicher Pferdeschmuck und Nieten, die an die Kleidung angebracht wurden; dann aber auch herrliche Schmiedearbeiten mit wiederkehrenden Motiven wie beispielsweise einem Hirsch mit prächtigen und stark stilisierten Geweih (der gefiel mir natürlich besonders gut, weil ich ja gerade  Harry Potter gelesen habe; und der Hirsch spielt hier ja eine ganz besondere Rolle). Ebenso verzierte Gebrauchsgegenstände, eigenartige Ornamente, Waffen und vieles mehr.
Die Kleidung war nachgearbeitet, die konnte sich über den Zeitraum von zum Teil über 2500 Jahre nicht halten. Ich fand interessant, dass sie an die mongolische Tracht (wenn man davon sprechen kann) erinnerte. Über einen Zeitraum von 2 ½ tausend Jahren haben sich Elemente immer weiter vererbt, das ist eine Vorstellung, die bei mir Gänsehaut erzeugt!
Ein Höhepunkt ist auch die ausgestellte Eismumie; eine Mumie, die sich durch o.g. Konservierung weitestgehend erhalten hat. Auf der Haut waren noch Tätowierungen sichtbar… Dennoch plagen mich bei diesem Anblick sogleich auch ethische Zweifel. Selbst wenn die Mumie für die Forschung von unschätzbarem Wert ist, weil man durch sie so viel über die vergangenen Kulturen erfahren kann, selbst wenn auch ich natürlich den Leichnam mit großer Neugier fasziniert betrachtet habe, und selbst wenn das Schaudern beim Anblick des toten Körpers irgendwie auch etwas Angenehmes hat, so bleibt es dennoch ein toter Körper, in dem mal eine Seele war. Theoretisch hätte ich es mir nicht vorstellen können, doch als ich vor der Leiche stand, war mir gleich klar, dass sie nicht in ein Museum gehört, damit sie von Gaffern wie mich angestarrt wird.
Der ewige Kampf zwischen Neugier und Moral? Keine Ahnung. Ich kann das nicht entscheiden.
Fakt ist, dass die Ausstellung auch ohne Mumie faszinierend ist.

Es ist ja nichts Neues, dass das Bucerius Kunstforum feine, wirklich feine Ausstellungen macht. Zu entdecken gibt es da immer etwas. Und so war auch die Zusammenstellung von Gemälden, die sich mit der Versuchung des heiligen Antonius auseinandersetzte, ein Erlebnis.
Abgesehen vom Motiv hingen wunderbare Gemälde nebeneinander, die die verschiedenen Epochen widerspiegelten. Wunderbare Werke aus dem 14. Jahrhundert waren zu finden, ganz viele Gemälde aus dem 15./16. Jahrhundert von niederländischen Künstlern, und einen Höhepunkt stellten für mich die aufregenden Gemälde von Brueghel und Bosch dar.
Also, jetzt weiß ich endlich: wenn ich eine Heiligendarstellung eines alten Mannes mit Krückstock und Schwein (mit Glocke im Ohr) an der Seite sehe, dass es sich um den armen, geplagten Antonius handelt, der es sich auferlegte, als Eremit zu leben und allen weltlichen Versuchungen zu widerstehen. Davon, wie schwer ihm diese Selbstüberwindung gefallen ist, handeln diese Bilder.
Während es in den frühen Bildern sicherlich um Heiligendarstellung – und -verehrung handelte, ist das für später entstandene Gemälde nicht mehr ganz so sicher. Mir schien, die Thematik wurde auch gern dazu benutzt, der Phantasie von den Abartigkeiten dieser Welt freien Lauf zu lassen und diese dann in mehr oder weniger drastischen Bildern zu zeigen. Das passierte sehr farbenfroh, und die Phanatsiemonster und verwachsenen Figuren sind denn auch ein echter Augenschmaus. Ob diese Bilder wohl im Mittelalter den Grusel-/Actionfilm von heute ersetzten???
Was ich ganz interessant fand, war, dass bei diesem Thema sehr oft – und früh – von einer realistischen Darstellung abgewichen wurde. Die Monster schweben auf vielen Gemälden einfach durch den Raum; die Proportionen wurden nicht weiter beachtet, und die einzelnen Elemente bleiben oft bezug- und zusammenhanglos nebeneinander stehen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Surealisten sich von diesen Bildern eine Menge abgeguckt haben – nicht nur, weil unter den ausgestellten Bildern auch eine dolle Vision von Max Ernst hing.
Ich fand diese Ausstellung sehr sehenswert.

Tja, und es lohnt sich, mal in die Vorschau des Bucerius Kunstforum zu gucken, was alles noch so demnächst kommt…. Ich freue mich schon drauf!

Immerhin die Hälfte der Ausstellung konnte ich letztes Wochenende anschauen – insofern bleibt dies hier b.a.w. ein unvollständiger Bericht über die 5. Berlin Biennale.
Auch hier, wie schon bei der Documenta, handelt es sich um eine Kuratorenausstellung. Mir schien es wieder einmal nicht um die einzelnen Künstler und deren Kunstwerke zu gehen, denn auch hier gab es viele Kunstwerke von vielen Künstlern (und mindestens mir fällt es nach dem Anschauen von nur einer Arbeit eines Künstlers schwer, dessen Thema ganz und gar zu erfassen), und in der Nationalgalerie haben es die Aussteller meisterhaft geschafft, die Werke zu anonymisieren (ich habe kein einziges Schildchen dort gefunden, von wem welche Arbeit war und wie sie hieß, also stand ich oft mit aufgeklapptem Plan da und versuchte, die einzelnen Künstler und die Titel der Objekte herauszufinden, was nicht immer einfach war. Und genervt hat). Mit anderen Worten: Es schien wieder um ein Zusammenspiel, einer Kommunikation der Werke im Kopf der Rezipienten zu gehen; wieder sollten sich die Interpretationen in den Köpfen der Besucher wie durch das Zusammensetzen eines Puzzles ergeben. Grundsätzlich finde ich diesen Ansatz ja akzeptabel, wenn auch nicht ganz einfach (macht ja nichts, ein wenig Nachdenken hat ja schließlich noch niemandem geschadet).
Während die Exponate in der Nationalgalerie durch Ästhetik bestachen – insgesamt hatte ich hier mehr Zugang zu den Kunstwerken – gelang es mir viel weniger, die ausgestellten Sachen im KW zu kapieren.
Da ich nichts über die Berlin Biennale gelesen habe, versuche ich also meine Beobachtungen festzuhalten, ganz wie aus einem hohlen Bauch:

Neue Nationalgalerie:
Das erste Werk das uns in der Nationalgalerie empfing und von Paola Pivi war, hieß ‚If you like it, thank you, if you don’t like it, I’m sorry, enjoy anyway’ und mindestens der Titel schien mir wie ein Motto der 5. Biennale, von der wir vor der Tür ja schon von flatternden Fahnen und einer Faust begrüßt wurden. Widerstand? Verweigerung, einen Sinn vorgeben zu wollen, wenn sich beim Betrachter nicht von selbst einer einstellt? Vielleicht. Mir schien es wie eine Vollverweigerung, dem Publikum etwas in die Hand zu geben, um das Kommende in eine bestimmte Richtung zu verstehen, mit anderen Worten: Es sollte – für mich – ein Feld des freien Assoziierens werden. Die zum Teil sehr ästhetischen Werke wie die Werke von Marc Camille Chaimowicz griffen Muster und Ornamente auf, die in seinem bemalten Marmor- und Schieferplatten sich mit deren natürlichen Mustern mischten – die ja erst durch Bearbeitung (Schleifen) des ursprünglichen Materials richtig sichtbar wurde. Es schien mir wie die Manipulation des Natürlichen, das zu verschwinden droht. In ähnliche Richtung schien mir der Raum von Haris Epaminonda zu zielen, in dem Collagen aus Bildern unterschiedlicher Landschaften sowie Pflanzen und Kulturgegenstände aus verschiedenen Kulturen und Orten zusammengestellt wurden. Eine Sammlung aus der Welt – und es scheint alles in eine Homogenität zu münden, die doch nur eine Lüge sein kann. Diese Lüge verfolgte mich auch in den gleich gestalteten Abseiten der von Susanne Kriemann gestalteten kleinen Garderobenräumen: Bis auf die Videos, die irgend etwas Undefinierbares zeigten, waren beide Räume exakt gleich ausgestattet, so dass sich bei mir in kürzester Zeit eine Oreintierungslosigkeit einstellte: War ich in der rechten oder in der linken Garderobe? Wo bin ich? Die fehlende Verortung schien sich auch zu spiegeln in dem Werk von Gabriel Kuri, dessen Kunstwerk von den jeweiligen Aufpassern mitgestaltet wird, indem diese dort ihre Jacken und Taschen darauf ablegten: Die Teilnehmer der Ausstellung sind auch gleichzeitig (Mit-)Macher, oder? Oder wie? Mal wieder doll, wie so eine knitterige Studentenjacke und ein egaler Leinenbeutel zu einer ungeahnten Ästhetik generiren. Hat funktioniert.
Ein weiteres Werk, das mich beeindruckt hat, bestand aus einem Film ohne Bild mit deutschen Untertiteln. Hier wurden Sätze und Gesang von Sprachen eingespielt, die vom Aussterben bedroht sind. Schätze werden verlorengehen, unrettbar, irreparabel. Und wir? Haben doch selbst schon einen guten Teil unser völkischen Identität verloren.

So passte für mich auch die Skulptur von Goshka Macuga ‚Deutsches Volk – deutsche Arbeit’ dazu, in dessen Werk sich die Schatten und Reflexionen der Museumsbesucher wiederspiegelten. Echt echt? Oder gar nicht da? Und wenn doch, wo? ‚If you don’t like it, I’m sorry’…

KW, Auguststraße
Die Ausstellung in der KW war so ganz anders und für mich ziemlich unzugänglich. Viele Videoinstallationen machten mich müde, und sie waren zum Teil für meinen Geschmack zu exaltiert. Eine Idee dazu habe ich kaum entwickeln können, vieles schien mir willkürlich, und je höher man steigt in den Elfenbeinturm des KW, desto abgedunkelter wurden die Räume, und desto müder wurde ich auch. Ich frage mich, ob ich nicht vielleicht besser im 4. Stock hätte anfangen sollen, um mich dann langsam aber sicher zum Hellen vorzuarbeiten? Sei es also meiner wachsenden Müdigkeit zuzuschreiben, dass mir zu den Exponaten nichts einfallen will. Im Kopf sind mir nur vier Dinge geblieben.
Den Raum mit klebrigem, stinkenden Teer ‚Ground Controll’ von Ahmet Ögüt habe ich in Erinnerung, denn durch die Klebrigkeit des Bodens und der Akustik entstand etwas für mich wirklich Unheimliches Dann die Videoarbeit von Jos de Gruyter und Harald Thys ‚Die Fregatte’, die mit lebenden Bildern Fotomotive einfing; lebende Bilder also, und doch starr wie Momentaufnahmen – das ergab eine merkwürdige Spannung. Die Bilderreihe ‚Soft City’ von Pushwagner, ein Bilderroman, so spannend wie das wahre Leben, finde ich erwähnenswert. Ist dennoch komplett überzogen, diese Vison, und ich fühlte mich etwas unbehaglich, eher weil ich mich nach dem Menschenbild frage, das hinter dieser Arbeit steht. Aber das tut wohl nichts zur Sache, oder?
Das vierte rührte mich dann sehr merkwürdig an, und es ist höchstwahrscheinlich nicht einmal ein Kunstwerk, obwohl ich es doch irgendwie hoffe. Schon gewusst? Wenn man Eintrittskarten – oder Eröffnungskarten, irgendwie sowas – von der Documenta, dem Skulpturen Projekt Münster (da gabs ja keine Eintrittskarten…), einer dritten große Ausstellung (habe vergessen, welche das gewesen sein soll) und der 5. Berlin Biennale gesammelt hat und einreicht, kann man nach Losverfahren eine Reise nach Zanzibar gewinnen. Ich frage mich ehrlich, in wessen Kopf denn diese merkwürdige Idee entstanden ist? Ist es nicht geschmacklos, unter den Ausstellungsbesuchern, die sich entschlossen, zu allen vier Großveranstaltungen anzureisen, eine Flugreise in ein Land wie Afrika zu spendieren? Was soll das? Sollen die ernsthaftesten und bestrebtesten Ausstellungsbesucher – sicher auch wohlhabende Sammler und Mäzene unter ihnen – auf den Arm genommen werden? Sollen die wirklich für so dumm verkauft werden und nach all der Kritik an Globalisierung und Sorge um unseren Planeten auf eine extraordinäre Reise geschickt werden? Das ging mir quer herunter. Ich frage mich nach dem Bezug zur Kunst dabei. Klar ist Zanzibar eine Reise wert, ich war ja auch schon dort, nur geht es mir hier um den Kontext, aus dem dieser Preis herausgelöst zu sein scheint. Mein Liebster meinte dazu ganz spontan, dass bedeutende Ausstellungen von Gegenwartskunst doch wohl keine Werbung auf Waschmittelniveau machen müssen. Recht hat er!

Ob ich noch für die anderen beiden Orte Zeit finden werde, weiß ich nicht (ich müsste dazu ja nochmal anreisen). Ich glaube es nicht. Aber ich würde gern. Bin dann doch zu neugierig.

Drei wunderbare Monate sind jetzt vorbei, während derer mich Harry Potter begleitete. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, diese Bücher zu lesen!
Ursprünglich wollte ich gar nicht alle Potter-Bände hintereinander weglesen, aber es kam anders. Magie im Spiel? Wer weiß.

Zuerst einmal habe ich es genossen, diese Bände zu verschlingen. Und dabei war es, wie ich finde, geistreiche Literatur. Das Thema Zauberei, Hexerei, Magie im Allgemeinen und im Besonderen wurde von A-Z durchdekliniert, mit einer tollen Phantasie und dazu einer atemberaubenden Handlung, die sich über die sieben Bände stringent und logisch ausbreitet und – so weit ich es beurteilen kann (und ich bin einigermaßen empfindlich) keine dramaturgischen Schnitzer enthält (vielleicht ein paar ganz kleine, aber das ist irrelevant, weil ‚der große Wurf’ ja so gelungen ist). Ich finde das Werk auch deshalb so gelungen, weil es sich gleichzeitig mit dem ersten Band an den jungen Leser von mindestens 10 oder 11 Jahren richtet und die Bücher dann von Jahr zu Jahr nicht nur (noch) spannender – und unheimlicher – werden, sondern auch noch thematisch mitgewachsen sind.

Der erste Band ist sicherlich der Verspielteste, in dem wir mit Harry Potter, der ja bei Muggeln (also nichtmagischen Menschen wie du und ich) aufgewachsen ist, die Welt der Magie kennen lernen. In erster Linie ist es die Zauberei, die hier als magische Möglichkeit entdeckt wird, die hier auf überbordend phantasievolle Weise ausgeführt wird. Erste Freundschaften (zu Ron und Hermine) werden geknüpft, und schon allein, wie dies geschieht, zeigt viel Brillanz: Wenn man schon mal gemeinsam einen Troll im Mädchenklo erledigt: na, das verbindet wirklich! Dennoch wird es spannend, auch schon jetzt zeigt sich, dass ein Mensch mit Freunden einfach weiterkommen kann als allein – welche wahre, edle Botschaft!
Die entscheidende Szene am Schluss ist unheimlich und zugleich bunt und ideenreich.

Im zweiten Band wird die ‚dunkle Macht’ zu einer echten Gefahr: Manipulation ist im Spiel. Die Freundschaften festigen sich, und schon hier arbeiten sich die einzelnen Charaktere klarer heraus. Die Idee mit dem antwortenden Tagebuch fand ich ganz toll, und unheimlich war es auch, erst recht die spannende Schlussszene.

Das dritte Buch besticht durch weitere unverhersehbare Metamorphosen, und mitten in diesen Verwandlungen ist Harry Potter doch ein ganz normalbegabter Junge, so scheint es hier (noch), nicht arrogant, dafür aber von einem familiären Desaster verfolgt. Das Ende – natürlich wieder spannend – hat etwas ungemein Tröstliches, wie ich finde. Spätestens im dritten Band wird deutlich, dass die ganze Geschichte weitaus komplexer ist, als man vielleicht ursprünglich annahm. Und was ich eigentlich die ganze Zeit ganz toll fand, war, dass kleine Einzelheiten aus den vorigen Büchern aufgegriffen wurden und nun erklärt wurde, was es damit in Wirklichkeit auf sich hat. Dadurch verfugen sich am Ende alle sieben Bände ineinander und werden zu einem ganzen, von vorn bis hinten durchkomponierten Werk.

Dann der vierte Band, mein Favorit: Die Kinder stecken mitten in der Pubertät, und ihre Animositäten sind toll geschildert. Als sich Ron von Harry abwendet, ist das sehr nachvollziehbar schmerzhaft für Harry geschildert. Neue Aspekte kommen mit ins Spiel, wie z.B. die Macht der Presse, oder auch der Schutz, den Harry durch den Zaubereiminister höchstpersönlich erfährt. Auch hier sind das ganz zeitgemäße Themen für Heranwachsende: Die Macht der Medien wird angerissen, und auch die Politik (am Beispiel der Zaubererwelt) wird immer wichtiger. In den jungen Leuten gehen Pubertätsdinge vor, wodurch die Schilderung der Charaktere noch einmal an Tiefe gewinnt.
Das Trimagische Turnier ist, finde ich, eines der ganz großen Höhepunkte in den Potter-Bänden, und für mich findet sich am Ende auch die gruseligste Szene aller Harry-Potter-Bände, weil alles so unvorhersehbar dunkel wird und zudem ein überraschend tragisches Ende (Cedric Diggory) findet.
Ab hier findet auch ein Wendepunkt statt: Joanne K. Rowling überschreitet ab jetzt Grenzen und verharrt nicht ‚nur’ im Spannenden und Gruseligen.

Der fünfte Band ist dann der wohl Politischste von allen. Spätestens jetzt bricht durch das Wiederauftauchen des dunklen Lords der Rassismus unter den Zauberern wieder durch. Und es wird kompliziert: Neben ‚reinblütigen’ Zauberern gibt es auch welche, die aus Nichtzaubererkreisen stammen und eben als Zauberer oder Hexen geboren werden. Wenn also vorher nur eine klare Grenze zwischen Magiern und Nichtmagiern bestand, teilen sich die Zauberer nun auch in Reinblüter und sog. Schlammblüter, aber auch Rassisten, und solchen, denen die Herkunft eines Zauberers gleichgültig ist, und dann noch einmal in offene oder heimliche Anhänger von Lord Voldemort. Die Position des Zaubereiministeriums ist dann nochmal eine ganz spezielle. Und: Die Politik landet mitten in Hogwarts, als Zaubereischule natürlich wichtiges Instrument, um zukünftige Zauberer und Hexen auszubilden. Wer sich an das dritte Reich erinnern möchte: Nur zu. Parallelen sind allemal zu finden, sogar in der Wiederstandsbewegung, die sich an der Schule heimlich gründet. Und auch hier gibt es am Ende einige überraschende Wendungen.

Im sechsten Band wird dann noch einmal ganz viel klar über die Sachverhalte, die in den vorigen Bänden angerissen wurden. Noch einmal setzen sich neue Puzzleteile in das komplette Gefüge ein. Und das Ende wiederum war auch so überraschend und schmerzlich. Nachvollziehbar, wie tief die Wunden klaffen, die hier entstehen und Harry Potter zusammen mit seinen Freunden zum Handeln zwingen.

Der siebte Band dann bietet nicht nur die Überraschung, dass der Leser nicht mehr in sein schon bekanntes Reich als Kulisse des Geschehens geführt wird. Zudem geht in diesem Band schief, was nur schiefgehen kann. Vom Ende her wird dann erklärbar, warum sich Harry Potter aus den brenzlichen Situationen – auch aus denen der anderen Bände – immer wieder herauslarvieren kann.
Noch ein weiterer Aspekt wird wichtig: Die Notwendigkeit, bewusste Entscheidungen zu treffen, sich über die eigenen Beweggründe bewusst zu sein, kurz: Erwachsen und (selbst-)verantwortlich zu werden.
Bis zum Ende hin bleibt der Ausgang des Buches ungewiss und spannend und zeigt immer wieder entscheidende Wendungen, die aber immer logisch bleiben.
Ich bin froh über das allerletzte Kapitel, in dem auch eine Entscheidung von der Autorin gefällt wird: Einen Harry-Potter-Aufwasch oder eine Fortsetzung kann es nicht geben. Danke dafür!

Ich kann diese Bücher wirklich empfehlen. Es war auch eine gute Entscheidung, alle Bände hintereinander weg zu lesen, was sicherlich nur für Leute ab vielleicht 16 Jahren ratsam ist. Denn abgesehen davon, dass Kinder mit 11 Jahren den Vorgängen in den späteren Büchern nicht in ihrer kompletten Tragweite würden folgen können (kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen), werden die Bücher immer düsterer und die jeweiligen Höhepunkte immer gruseliger.
Schön war es mit den Büchern…. Und was lese ich jetzt??? (Bestimmt kein Phantasy, denn das ist ja grundsätzlich so gar nicht meine Richtung…)

Wenn ich von der Verfilmung des ersten Harry-Potter-Bandes eher enttäuscht war, war es diesmal anders. Ich halte den Film für eine wirklich gute Adaption.
Chris Columbus hielt sich sehr an die Vorlage, das war wohl auch Bedingung von Frau Rowling. Doch blieb genug Stoff, der mit lebhafter Phantasie gefüllt werden konnte, und das führte zu einem wunderbaren Augenschmaus. Ein gemütliches Kinoerlebnis, wirklich (jedenfalls für alle Kinder ab vielleicht 12 Jahre, die FSK von 6 Jahren kann ja wohl nicht wahr sein) – auch die gruseligen Szenen waren super umgesetzt. Ganz fein hat mir Kennth Brannagh gefallen, der als selbstverliebter Professor Gilderoy Lockhart ein echtes Fass aufmacht.
Mir hat der Film gefallen, aber mehr gibt es dazu eigentlich auch gar nicht zu sagen. Deshalb tu ich das auch nicht.