Königsgräber der Skythen – Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg
30. April 2008
Ich finde immer faszinierend, mir Kunstschätze aus vergangenen und untergegangenen Kulturen anzuschauen; erst recht, wenn sie aus für mich so exotischen Gebieten ‚stammen’ wie der Mongolei (die Skythen waren allerdings ein Wandervolk). Und ich wurde nicht enttäuscht.
Es ist eine große Ausstellung, in der nicht nur die Kunstschätze selbst das Thema darstellen, sondern auch die Bergung derselben, die einfach unglaublich ist.
Voraussetzung nämlich ist, dass das Grab nach Verschließen bald einem Blitzeis zum Opfer fällt, welches dann als Permafrost im Boden verbleibt. Nur auf diese Weise können die Schätze so konserviert werden, dass sie heute angeschaut werden können. Unnötig zu erwähnen, dass nicht schon Grabräuber den Archäologen zuvorgekommen sein durften und den Schatz geborgen – und ihn durch unsachgemäße Bergung dem Verfall preisgegeben haben…
Ein spannender Film erzählt von einer spektakuläre Bergung 2006, die einem Wettlauf mit der Zeit ähnelt. Denn durch die Klimaerwärmung schwindet auch der Permafrost aus dem Boden.
Zu sehen gab es viele kleine und große Schätze; etlicher Pferdeschmuck und Nieten, die an die Kleidung angebracht wurden; dann aber auch herrliche Schmiedearbeiten mit wiederkehrenden Motiven wie beispielsweise einem Hirsch mit prächtigen und stark stilisierten Geweih (der gefiel mir natürlich besonders gut, weil ich ja gerade Harry Potter gelesen habe; und der Hirsch spielt hier ja eine ganz besondere Rolle). Ebenso verzierte Gebrauchsgegenstände, eigenartige Ornamente, Waffen und vieles mehr.
Die Kleidung war nachgearbeitet, die konnte sich über den Zeitraum von zum Teil über 2500 Jahre nicht halten. Ich fand interessant, dass sie an die mongolische Tracht (wenn man davon sprechen kann) erinnerte. Über einen Zeitraum von 2 ½ tausend Jahren haben sich Elemente immer weiter vererbt, das ist eine Vorstellung, die bei mir Gänsehaut erzeugt!
Ein Höhepunkt ist auch die ausgestellte Eismumie; eine Mumie, die sich durch o.g. Konservierung weitestgehend erhalten hat. Auf der Haut waren noch Tätowierungen sichtbar… Dennoch plagen mich bei diesem Anblick sogleich auch ethische Zweifel. Selbst wenn die Mumie für die Forschung von unschätzbarem Wert ist, weil man durch sie so viel über die vergangenen Kulturen erfahren kann, selbst wenn auch ich natürlich den Leichnam mit großer Neugier fasziniert betrachtet habe, und selbst wenn das Schaudern beim Anblick des toten Körpers irgendwie auch etwas Angenehmes hat, so bleibt es dennoch ein toter Körper, in dem mal eine Seele war. Theoretisch hätte ich es mir nicht vorstellen können, doch als ich vor der Leiche stand, war mir gleich klar, dass sie nicht in ein Museum gehört, damit sie von Gaffern wie mich angestarrt wird.
Der ewige Kampf zwischen Neugier und Moral? Keine Ahnung. Ich kann das nicht entscheiden.
Fakt ist, dass die Ausstellung auch ohne Mumie faszinierend ist.