Zu Beginn des Filmes dachte ich noch, ob ich mir das jetzt wirklich antun muss. Doch im Laufe der Zeit gelangte ich zur Erkenntnis: Ja, aber weil ich will.
Allein die Vorstellung kann ja schon krank machen: Ein Mensch wird durch einen Hirnschlag mitten aus dem Leben gerissen und leidet an einem Logged-In-Syndrom. Bedeutet: Er kann mit der Außenwelt kaum kommunizieren, und das bei voller Gehirntätigkeit und bei vollem Bewusstsein. Nur das linke Auge des Jean-Dominique Bauby kann sich noch bewegen und durch Blinzeln Zustimmung oder Ablehnung signalisieren.
Die Stärke des Filmes ist auf jeden Fall, dass er nicht kitschig ist oder ins Melodramatische abrutscht, sondern zeigt, wie es wirklich gewesen sein könnte (die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit). Die Probleme, die seine Ex-Freundin und Frau seiner Kinder hat, als sie ihm das erste Mal nach dem Unfall begegnet, sind realistisch gezeichnet: Die zurückgehaltenen Tränen und das Entsetzen, das ihr im Gesicht geschrieben steht, und doch: Wie kann man es diesem Menschen sagen? Das Schlimme ist, dass der ja alles genauestens mitbekommt. Oder eben das Gute. Denn das geht noch. Aber natürlich bekommt er auch mit, welche Schwierigkeiten seine Kinder haben, ihren Vater so gelähmt zu sehen, und er leidet entsetzliche Qualen, weil er zu seinen Kindern keine Nähe mehr aufbauen kann. Doch auch hier: Das alles ist nicht kitschig!
Nach einer Zeit des Sich-Abfinden-Müssens mit dem eigenen Schicksal findet Bauby eine Strategie, um zu überleben, indem er sich auf seine Phantasie besinnt. Er schreibt das Buch über sein Leben in der Taucherglocke in einem unglaublich zähen Prozess, doch es gelingt.
Es ist schön, dass es Möglichkeiten gibt, zum Leben zurückzufinden, trotz schlimmster Versehrtheit – durch die Phantasie auszusteigen aus der bitteren Realität und durch sie sich zu entpuppen und aufzusteigen wie ein Schmetterling -, und das hat mich sehr gerührt.
Insofern ist es in gewisser Weise ein symbolischer Film über das Leben. Und wie ja so oft, wird das anhand des Gegensatzes immer ganz besonders deutlich. Die Gratwanderung ist entsprechend dünn, sich auf allgemeingültige Lebensweisheiten zurückzubesinnen wie die Frage nach dem ‚wahren Leben’.
Das wäre dem Film vielleicht vorzuwerfen: Dass nämlich die Aussage etwas dünn daherkommt. Mein Schatz, sonst ziemlich schnell ergriffen, ließ sich aus diesem Grund nicht so sehr ein auf den Film, während mich, wie gesagt, das Drama unbedingt berührt hat. Auch die gefundenen Bilder, beispielsweise von dem Strand, waren zudem wunderschön. Der Darsteller von Bauby, Mathieu Amalric, war auch klasse.
Da bekomme ich Lust, auch das Buch zu lesen…