Nun wollte ich doch einfach mal wissen, wieso ich meine letzten Winterferien mit der eigentlich lediglich körperlichen Anwesenheit meines Schatzes verbringen musste – und das durch eigene Schuld. Hatte ich ihm doch diesen Thriller zu Weihnachten geschenkt! Und nun habe ich ihn mir selbst mal vorgenommen (den Thriller, nicht meinen Schatz).
Die verschiedenen Handlungsstränge sind geschickt ineinander verwoben, und alle haben gemeinsam, dass man mit den Protagonisten mitgeht, als sie merkwürdige Phänomene im Meer oder an Meeresbewohnern beobachten: Sei es das Auftauchen einer neuen Wurmart, die anatomisch wenig schlüssig daherkommen oder seien es plötzlich stattfindende Überfälle von Walen auf Menschen – alles ist rätselhaft und unheimlich. Die Wissenschaftler kommen diesem Phänomen auf die Spur, und gleichzeitig werden ihre Charaktere und Probleme ausführlich beleuchtet. So ist das Buch auf ganz unterschiedlichen Weisen spannend. Und immer logisch.
Natürlich folgt Herr Schätzing dem etwas quälenden Kunstgriff, immer dann den Schauplatz und die Figuren zu wechseln, wenn es höllisch spannend wird. Da fällt es einfach schwer, das Buch zur Seite zu legen!

Ich konnte es trotzdem besser als mein Schatz, der sich ja fast nonstop darin verloren hat. Wiederum war er zum Ende des Buches eher enttäuscht, während ich der Fiktion bis zum Schluss interessiert folgte.
Am Anfang hatte mich der Stil ein wenig gestört, ich fand, dass es keine besonders schöne Sprache war, die Frank Schätzing gewählt hatte, nicht besonders literarisch, wenn auch ganz ordentlich. Aber das empfand ich irgendwann nicht mehr als einen Mangel – zu sehr hatte mich das Buch gepackt, und die verschiedenen Dispute und Auseinandersetzungen enstanden ganz lebendig vor meinem geistigen Auge, dass es mich nicht mehr störte. Andere Vorzüge hatte das Buch stattdessen. Erstmal war es in gewisser Hinsicht auch lehrreich (wie muss der Mensch recherchiert haben!!!), dann war es zu keinem Zeitpunkt langatmig (außer auf den letzten Seiten), und die Handlung spannend und schlüssig (wenn man von einer Fiktion ausgeht; das war denn wohl der Knackpunkt für meinen Schatz; ich fand’s ganz o.k.).

Tja. Nun habe ich das Buch ausgelesen. Ich bin es nicht gewohnt, Bücher so schnell und atemlos zu lesen, und eine gewisse Leere macht sich nun breit. Mit welchem nächsten Buch kann ich die bloß füllen? Ratlosigkeit. Ich habe das Buch gern gelesen, aber diese Art des Verschlingens ist nicht meine. Ich liebe es, mit Lektüre bedächtig umzugehen. Das geht aber mit solch einem Roman schlecht.

Es war sicherlich auch ein Stück Langeweile – denn momentan läuft für mich so recht nichts Interessantes im Kino – das ich in diesen Film ging. Man muss ja manchmal einfach was unternehmen und mal was anderes sehen (jedenfalls ich), erst recht, wenn man ohne Fernseher lebt. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass sich die Filmindustrie deshalb nicht so viel Mühe mehr gibt, weil die Leute durchs viele Fernsehen schon irgendwie abgestumpft sind, kann das sein?
O.k., das ist wahrscheinlich etwas zu polemisch. Und ich gehe auch viel zu selten ins Kino, um eine qualifizierte Meinung vom Stapel zu lassen.
Dennoch: In amerikanische Filme gehe ich wirklich ungern, und die meisten deutschen Filme treffen einfach nicht meinen Humor. Ich mag viel lieber in Filme gehen aus Ländern, die das Genre von einer ganz anderen Seite aufrollen. Aber davon gibt es so selten welche, wenn ich denn mal ins Kino gehen will.
Manchmal ist mir das absolut 100%ige Professionelle einfach eine Spur zu perfekt.

So, nun aber zum Film. Eine Handvoll Menschen, deren Gemeinsamkeit ist, in einem erfolglosen Call-Center mehr oder minder erfolglos Telefonmarketing zu betreiben, weil sie selbst in ihrem Leben mehr oder weniger erfolglos sind, wird beleuchtet. Bei allen geht auch im Privatleben so einiges schief, einiges davon wird ironisch beleuchtet, was doch das eine oder andere Schmunzeln wert ist, anderes davon hat auch ganz melancholische Seiten. Die Stimmung der Figuren kam sehr gut rüber, und die Schauspieler haben auch gut gespielt. Bestimmt ließe sich der Handlung noch mehr Tiefe abtrotzen, wie beispielsweise die, dass die Figuren alle in gewisser Weise in einem inneren Monolog über ihr spezifisches Leiden verwickelt und verwurstelt sind.
Und also flach ist der Film nicht, sondern facettenreich und auch rührend wie beispielsweise die Romanze mit dem Fahrrad, oder der Konflikt des jungen Mannes, der sich in der Rolle des zukünftigen Vaters nicht wohl fühlt, das aber nicht einmal vor sich selbst zugeben kann. Das sind wirklich handfeste Probleme, die eine alleinerziehende Mutter hat, und für viele sicherlich nicht nur durch den Film nachvollziehbar, sondern von vielen Filmbesucherinnen selbst auch praktiziert, denke ich. Eine Ehe, die sich auseinanderlebt. Schüchternheit bis in die Einsamkeit. Das sind alles keine belanglosen Themen, und eigentlich kam es nicht belanglos daher. Und dennoch war mir unwohl nach dem Kinobesuch. Warum nur? Vielleicht, weil so viele große Themen in dem Film zusammenkamen, mit ein wenig Ironie und etwas Tiefgang gewürzt wurde, und schon haben wir ein Menue? Vielleicht. Vielleicht auch, weil ich durch meine eigene Schwermut zu wenig Distanz besitze und schlecht über Missstände anderer lachen kann? Wahrscheinlich. Wahrscheinlich ist es eher mein Problem, dass mich der Film nicht wirklich berührte. Und wahrscheinlich wollte der Film unterhalten, es ist ja schließlich eine Tragikomödie! So recht habe ich jedenfalls nicht gefunden, was ich für diesen Abend gesucht habe. Aber das ist eben mein Problem – ja mensch, vielleicht meine Tragik? (Lässt sich ja vielleicht mal in einem anderen Episodenfilm verwursten: ‚Die Frau, die sich nicht amüsieren kann…’ – wäre doch mal eine Idee… :) )

Gut gemalte Portraits von Menschen aus der amerikanischen Oberschicht um 1900 ist das Thema der Ausstellung. Gute Malerei reicht aber nicht aus für gute Kunst, empfand ich dann sehr deutlich vor den Bildern. Nur wenige ‚sprachen’ zu mir.

Klar, ist vielleicht auch zu viel verlangt von Auftragswerken, bei denen es vor allem darum geht, zu repräsentieren, was man hat und welche gesellschaftliche Stellung man innewohnt. Aber leider leider, war da hinter einer gewissen Fassade kaum mehr da. Ich verstehe schon: Die Auftraggeber sollten mit den Gemälden ja auch zufrieden sein, und also konnten die Künstler nicht schwerwiegende wichtige Fragen anreißen, und auch Innovation findet man nicht in diesen Werken.

Es bleiben gut gemalte Bilder von gewichtigen Persönlichkeiten, und in manchen ist vielleicht auch ein Bruch erkennbar wie beispielsweise auf der Darstellung von ‚Mrs. Elliot Shephard’ von John Singer Sargent von 1888: Die blasse Frau im für ihren zarten Teint viel zu roten Kleid wirkt nervös und nicht glücklich. War das ein Gemälde, das wirklich ein Kaminzimmer oder einen Salon im angesehenen Haus schmückt? Wenn doch nicht das, hat es aber mich begeistert: Die Ambivalenz in diesem Bild zeigt viel von brüchiger Identität und auch versteckten Wünschen oder einem ganz privaten Unglück.
Überhaupt: Auch bei anderen Gemälden wird deutlich, dass die porträtierten Personen hinter dem, öffentlichen repräsentativen Leben eigentlich ein sehr genügsames haben führen müssen: Ausgestattet mit Geld und auch Schönheit war Selbstverwirklichung oder ein privates Glück nicht unbedingt lebbar wie vielleicht für die ‚Schwestern’ von Abbot Handerson Thayer (1884) – wenigstens waren sie zu zweit, wenn sie auch niemals heirateten und sich aber ebenfalls nicht in der Öffentlichkeit als die Künstlerinnen repräsentieren durften, die sie eigentlich waren. Warum haben sie sich gegen die Selbstverwirklichung entschieden?? Da haben wir es doch: Geld macht nicht glücklich…
Die Ausstellung zeigt wirklich schön gemalte Bilder und ist zudem hingebungsvoll mit Erklärungen ausgestattet, die uns die dargestellten Persönlichkeiten näher bringen sollen: Wer hier wen geheiratet oder auch nicht hat, wessen Tochter/Sohn das war und so weiter. Nur so ein langweiliger Kram, das Lesen habe ich irgendwann eingestellt, aber wie gesagt, es gab nur wenige Bilder, die mich wirklich in Bann schlugen.

Stilleben fand ich noch nie still. Oder langweilig. Ganz im Gegenteil! Und diese Ausstellung hat mich in meiner Auffassung einmal mehr bestätigt.

Es war eine bunte Mischung, diese Ausstellung. Die schönsten Exponate waren für mich die alten holländischen Gemälde, so wunderbar und meisterhaft gemalt, dass es eine Freude war, sich die feinen Details genauer anzuschauen und immer tiefer in das hintergründige Arrangement einzutauchen. Und siehe da: Das reichblühende Blumenbukett weist Widersprüche auf, wenn Blumen zusammengesteckt werden, die in der Natur gar nicht zeitgleich blühen! Und je länger man sich in die Feinheiten vertieft, desto mehr Insekten und Zeichen des Verfalls werden sichtbar.
Dann die Tafeln mit erlesenen Spezialitäten: Wunderbar gemalt sind sie, doch bei näherem Hinsehen erkennt man dann, wie z.B. bei dem wunderbaren Gemälde von Willem Claesz Heda, dass die Anmut und der Prunk durchaus seine Brüche haben: Warum ist der Pokal umgekippt und das Glas zerbrochen? Was ist hier passiert?
Ich habe diese gekonnte Malerei sehr genossen. Dem gegenübergestellt gab es auch einige Exponate aus der Neuzeit, wie z.B. das Großbilddia von einem Koffer irgendwo am Straßenrand, verdreckt und voller Wasser, die eine interessante Spannung zu den alten Werken herstellen: Auf beiden Werken sind nicht nur leblose Gegenstände zu sehen; durch das Anleuchten der eigentlich hässlichen und nebensächlichen Straßenszenerie füllt sich das Bild mit Bedeutung und einer ganz eigenen Ästhetik auf, die es in die Nähe der rund 400 Jahre zuvor entstandenen Gemälde bringt.
Viele Werke aus der Hamburger Kunsthalle daselbst gab es wiederzuentdecken, und ich empfinde es als große Bereicherung, wenn die Exponate einmal umgehängt werden und durch einen anderen Kontext neue Aspekte sichtbar werden.

Ich müsste eigentlich nochmal hingehen, denn ganz durch bin ich nicht gekommen. Ein zweiter Blick wird sich lohnen, dessen bin ich sicher.
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