Effi Briest – Film von Hermine Huntgeburth
28. Februar 2009
Irgendwie auffällig: Bin jetzt ich es, die sich gerade mit künstlerischen Werken, die ihren Ursprung um 1900 haben, beschäftigt, oder gibt es gerade eine Strömung? Vielleicht ist es ja auch ein Zufall, dass es gerade zwei Verfilmungen von Romanen gibt, die in dieser Zeit geschrieben wurden: Die Buddenbrooks von Thomas Mann war 1900 fertig, Effi Briest von Fontane 1895. Weberns Musik, die ich neulich in der Hamburger Laeiszhalle hörte war von 1904 und 1909.
Egal. Es sind ja auch einfach tolle Romane! Und dieser Film von Hermine Huntgeburth hat so eine ganz eigene, sehr interessante Auslegung der Geschichte, die am Ende vielleicht mit Fontanes ursprünglicher Aussage so gar nichts mehr zu tun hat. Aber das stört mich nicht. Der Film ist ja heute gemacht, für Menschen, die heute leben und komplett andere gesellschaftliche Konventionen pflegen!
Sicher gibt es zwei Kernaussagen bei Fontane: Das Eine sind die gesellschaftlichen Zwänge, die so vielen Menschen – vor allem Frauen – großes Unglück brachten und das Andere die Frage nach der Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens einer Frau zu Fontanes Zeiten. Hermine Huntgeburth fokussiert ganz klar auf die zweite Aussage und beantwortet sie mit einem klaren Ja. Sie zeigt aber auch, wie viel Mut und Lebenswille jemand haben musste um 1900, um ein selbstbestimmtes Leben wirklich zu führen.
Zudem ist es ein wunderbar ästhetischer Film mit wunderschönen Bildern. Wie glaubwürdig erdrückend wirkte das alte Haus des Kapitäns! Eine wunderbare, geniale Besetzung war Rüdiger Vogler als Gieshübler, so menschlich, mit Witz. Und Julia Jentsch als Effi hat mich ebenfalls überzeugt. Aber auch das interessante Gesicht der kleinen Annie: eine von vorn bis hinten gelungene Besetzung war das…
Ich habe den Schluss anders in Erinnerung, nämlich, dass sich Effi mit ihren Eltern oder andersherum doch noch am Ende aussöhnen konnte. Aber finde diesen Schluss mutig und akzeptabel, auf die gesellschaftlichen Konventionen zu pfeifen und in aller Schlichtheit ein ehrliches Leben zu führen.
Dieser Film ist etwas ganz Eigenes, und warum auch nicht? Ich meine, mit welchem Grund sollte man einem Rainer Werner Fassbinder Konkurrenz machen wollen? Das wäre doch zu doof. Nein, diesen Film kann man so stehen lassen. Ist gut geworden. Ich habe ihn sehr genossen.
Ich fand ihn übrigens auch besser als ‘Die weiße Massai‘. Hier war mir irgendwie zu viel Ethno-Kitsch enthalten, wiewohl ich die Bilder auch großartig fand und es auch für eine angemessene Literaturverfilmung halte.