Dies ist ein ganz besonderer Film – in vieler Hinsicht! Wo gibt es eine so ungebremste Bilderflut, so viele Gefühle – glückliche, beängstigende, traurige und vor allem gemischte(!) – wo wechselt sich der Wahnsinn des brutalen indischen Alltags in den Slums von Mumbay in wahnwitzigem Tempo ab mit einer filmischen Märchenwelt, wo alles gut ist? Das gibt es nicht alle Tage, deshalb ist dies ein echter Ausnahmefilm!

Allein schon die Aufnahmen aus den hintersten und schmutzigsten Winkeln Mumbays sind großartig: die bunten Bilder von dem Leben in den Gassen; der Schmutz, der Lärm, die Lebendigkeit sind bei allem Elend doch auf ihre Weise wunderschön. Durch die Kameraführung – es wurde z.T. mit einer Digicam gefilmt – kommt man diesem Leben in den Slums sehr nahe. Beinahe könnten diese Bilder berauschend sein, wenn sie nicht gleichzeitig so traurig stimmten, nachdenklich machen und sensibel für schlimmste Elendzustände – was einen da nur herausreißt, ist die Gewitztheit der Jungens, sich in diesem Chaos zurechtzufinden und etwas daraus zu machen. Und ich fürchte wirklich, da steckt so viel Realität darin, das mir eine Gänsehaut nach der nächsten über den Rücken läuft. Dazu die Kraft der Liebe, unwirklich bis zum Gehtnichtmehr – aber was ist das für ein Kontrast zu dem Elend! Dadurch wird sie denn vielleicht doch wieder glaubwürdig. Der Mensch braucht etwas, an dem er sich festhalten kann…

Und dann das Spiel. ‘Wer wird Millionär?’ Spannend aufgebaut, zieht es mit seinen Fragen einen roten Faden durch Jamals Leben – mein Kompliment geht auch an den Drehbuchautoren Simon Beaufoy, der es hier geschafft hat, die Geschichte schlüssig und spannend anhand des Spieles durchzukomponieren, das ist großartig! Allein das große Verhör, das neben dem Spiel ebenfalls rahmengebend ist, (erinnert übrigens an ‘Die üblichen Verdächtigen’, denn auch dort ist das Verhör die Grundlage, die Geschichten zu erzählen – allerdings erzählt Jamal hier die vermeintlich wahre seines Lebens) erzeugt Spannung. Der Polizist kann sich nicht vorstellen, dass ein Slumdog wie Jamal die Fragen tatsächlich beantworten konnte und vermutet einen Trick. Doch Jamal kann aus seiner Biographie heraus belegen, dass er die Antworten wusste. Nur die zweite Frage, vielleicht für einen Inder die Leichteste (was steht unter dem indischen Staatswappen? Antwort: Nur die Wahrheit siegt), kann Jamal nur durch Benutzung seines Publikumjokers richtig beantworten. Auch das ist mehr als schlüssig: Er hat in den Slums alles andere gelernt, aber nicht, dass es die Wahrheit ist, die siegt!

Doch auch wenn es ein britischer Film ist, weil von einem Briten gedreht, ist er doch durch und durch indisch. Nicht nur sind es alle Darsteller, sondern zudem wird auch Bollywood zitiert, und so wird der Plot auf die absolute Spitze getrieben, vielleicht ja nach indischer Manier? Das gefällt vielleicht nicht jedem. Ich habe es als Persiflage gelesen, und das Ganze dann als ein Märchen aus einer Nacht 2001… Und das finde ich ganz stimmig. So wie der Film mit seinen Themen in den schlimmsten Abgrund verdorbener Seelen stürzt, schwingt er sich zum anderen wie Phönix aus der Asche empor und schwirrt einem nur so um den Kopf.

Ich mochte das sehr. Dieser Film hat mich berührt, unterhalten und in Atem gehalten. Super!

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