Im Vordergrund der Ausstellung standen Degas’ Skulpturen von Tänzerinnen, sie waren von ihm mehr als Studien gedacht, er selbst hatte sie nicht oder nur zum kleinsten Teil in Bronze gießen lassen. Die 14-jährige Tänzerin, ca. 1 m hoch (oder höher???) aber doch. Und natürlich war ihm wieder einmal ein Skandal sicher. Die Sehgewohnheiten waren eben noch nicht so weit. Damals konnte man nicht schauen, was heute genossen wird. Ich fand die Skulpturen toll. Die Kleinode waren meist nur ca. 30 cm hoch, aber die Figuren waren sehr präzise gearbeitet, wenn auch nicht voll ausgearbeitet. Es kam Degas ja auch nicht darauf an, jede Hand und jeden Finger zu modellieren, es ging ihm vielmehr um die Figur, den Körper, die Spannung, die Muskeln. Und das allein war schon aufregend zu sehen.
Diese kleinen Figuren zeugen, so will ich darin sehen, von der Liebe. Und zwar von der Menschenliebe. Degas ging es nicht um irgendein gängiges Schönheitsideal, weswegen er sich der damals herkömmlichen Darstellung von perfekten Menschen verweigerte. Ihm ging es um den Alltag, der den Menschen (ver-)formt, mitnimmt, prägt. Degas hat die Sonntage nicht interessiert. Er wollte den Werktag, und er wollte die Menschen zeigen, wie sie wirklich sind. Ich finde, in dieser Ausführlichkeit und Genauigkeit, wie er es betrieben hat, ist das eine Liebeserklärung! Das interessant zu finden, was für andere nebensächlich ist! Nicht das Feierliche suchen, sondern das Alltägliche, eben im wahrsten Sinne des Wortes ‘hinter die Kulissen schauen’! Ist schon interessant, dass sich Degas so sehr für das Bühnenleben, aber hinter den Kulissen, interessierte, und vielleicht kann man das auch wirklich als Motto seiner Kunst betrachten. Nicht das Schauspiel interessierte ihn, aber das, was sich dahinter verbirgt.
Späte Werke (Lithografien und Gemälde) sind neben den Skulpturen ausgestellt, und es ist schon interessant, wie genau Degas die Stimmung in seinen Bildern eingefangen hat, und wie liebevoll er sich den Details widmete. Ich bewundere immer wieder, wie jemand es schafft gegen den Strom zu denken und zu arbeiten, sich damit harscher Kritik auszusetzen, anstatt das zu tun, was doch so einfach wäre: mit der Masse mitzuziehen.
Nur die Pferdeskulpturen, die fand ich nicht so dolle. So dünne Beine, irgendwie spackelig und schief… Aber es sollten ja auch (nur) Studien sein.