Die Reihe, in der dieses Buch erschienen ist, verfolgt ein klares Ziel: Auf spannende und unterhaltsame Weise jugendlichen Leserinnen (ab 12 Jahre) die englische Sprache nahe zu bringen. Und das erreicht dies Buch auf alle Fälle!

Schlüssig motiviert kommunizieren die Zwillinge Elaine und Laura – kurz Ella – mal in deutsch, mal in englisch. Mit den italienischen Gastschülern müssen sie sich ohnehin auf englisch unterhalten, und so fällt es nicht schwer, den ständigen Sprachenwechsel in dem Buch zu akzeptieren. Mir fiel er kaum auf, ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt! Und weil das Buch packend geschrieben ist, macht man den Wechsel auch gerne mit, zumal der englische Wortschatz auf den vorgegebenen Altersstand abgestimmt ist.
Das Buch hatte einen unglaublichen Sog; ich mochte es kaum aus der Hand legen, um das  Rätsel um den  alles könnenden Luca, in den sich beide Mädchen verliebt haben, auf die Spur zu kommen.
Auch wenn ich nicht zur Zielgruppe gehöre, wiewohl mein Englisch sehr rudimentär ist, habe ich den Roman gern gelesen. Auch mit den englischen Passagen bin ich gut zurechtgekommen, habe aber sehr viele von den auf jeder Seite angegebenen Vokabelübersetzungen in Anspruch genommen. Wie gesagt, mein Englisch ist ziemlich eingeschlafen!
Ich kann mir gut vorstellen, dass auch Mädchen in dem Alter ab 12 dieses Buch verschlingen werden. Und das übt das Englisch auf sehr unterhaltsame Weise!

Der Film hatte mich schon neugierig gemacht auf diesen Text, der unter genauso tragischen wie schwierigen Umständen entstand. Und es ist ein starker Text.

Bauby wurde mit Mitte vierzig (oder noch nicht mal) aus seinem Alltag gerissen, als er nach einem Gehirnschlag aus dem Koma erwacht und außer seinem linken Augenlid nichts mehr bewegen kann: Er erleidet das sogenammte Locked-In-Syndrom. Der Körper ist im Grunde genommen nur dank der Technik noch am Leben, aber der Geist ins ganz da und wach und arbeitet weiter wie bisher.

Ich mag mir nicht ausmalen, wie ich mich in so einer Situation verhalten würde, aber ich hätte wahrscheinlich nichts Besseres zu tun als vor Selbstmitleid zu zerfließen. Bauby aber findet zusammen mit seinen Therapeutinnen einen Weg der Kommunikation: Durch Vorsagen des Alphabets in der Reihenfolge der Häufigkeit des Vorkommens in der französischen Sprache und ‚Abnicken’ mit dem linken Augenlid entsteht ein unwahrscheinlich starkes Stück Prosa, vielleicht eines der schönsten, die ich überhaupt in letzter Zeit gelesen habe.

Bauby lässt sich und seinen Geist nicht unterkriegen; er schildert seinen Alltag, die tristen Sonntage, vom Verzicht; aber vor allem erzählt er von der unendlichen Freiheit des Geistes, der sich nicht einsperren lässt, sondern durch den Antrieb seiner Phantasie fliegt wie ein leuchtend bunter Schmetterling, der sich niemals einfangen lässt. Mit seiner Vorstellungsgabe erreicht er vielleicht mehr, als er sonst als Chefredakteur der ‚Elle’, jemals hätte erreichen können. Dort ist er ‚nur’ die Karriereleiter hochgeklettert. Doch jetzt fliegt er über aller Köpfe hinweg und lässt seine Gedanken tanzen. Freilich in minimalistischer Form, das Buch ist auch nicht sehr dick, dafür aber komprimiert und intensiv.
Er erzählt von anderen Menschen, einem Bekannten, der einmal als Geisel festgehalten wurde, was auch eine Art ‚Locked In’ war. Oder er erzählt von seiner Wallfahrt mit einer Ex-Freundin, und wie sie an den Rollstuhlfahrern und sonstigen Versehrten gedankenlos vorbeigezogen sind… Er erzählt seine Geschichte aus einem ganz besonderen Blickwinkel, den man als tragisch bezeichnen muss, aber mit so viel Humor, dass es mich sehr gerührt hat.
Noch immer spucken mir einige seiner Schmetterlinge im Kopf herum; es ist ein ästhetisches Buch, und kein Aufschrei, sondern ein Appell zum Leben. Besser gleich, noch besser: sofort.

Man weiß ja nie, was kommt.
Aber selbst wenn: Wenn der Geist noch fliegen kann, was ist dann verloren?

Meine erste Lektüre von Marcel Proust liegt schon ewig zurück, fast schon ein Viertel Jahrhundert! Damals bin ich bis ungefähr zum 4. Band gekommen. Jetzt dachte ich, lese ich es noch mal, warum nicht?
Und bin zur Frage gekommen: Warum?
Die „Suche…“ ist eine wirklich faszinierende Lektüre. Die Sätze sind gewöhnungsbedürftig lang, verschlungen, ausführend, ausufernd, wunderschön, wenn auch manchmal unverständlich, wenn man sich nicht sehr konzentriert. Ich weiß nicht, damals ist mir die Lektüre wohl leichter gefallen… Ich hatte mit dem ersten und dritten Teil vom Band 1 einige Schwierigkeiten, wahrscheinlich, weil so wenig an konkreter Handlung passiert! Proust beschreibt den Wohnsitz seiner Tante, das Personal, die Umgebung, die Schwierigkeiten, die er beim Einschlafen hatte, wenn seine Mutter ihm den Gutenachtkuss verweigerte, weil Besuch – Monsieur Swann – gekommen ist. Die Beschreibungen sind faszinierend, ganz bestimmt! Und doch musste ich oft eine oder zwei Seiten zurückblättern, weil ich den Faden verloren habe… Es ist Literatur, die seine Zeit braucht! Dann lässt es sich in den Stimmungen und Beschreibungen schwelgen. Aber es passiert in diesen Teilen nicht besonders viel, und das war wohl das Problem, das ich mit dem Text hatte…
Anders erging es mir mit dem zweiten Teil des Buches, ‚In Swanns Welt’: Hier gibt es eine konkrete Handlung, einen Protagonisten, der einer Kokotte verfällt. Wie er das macht, und wie sich das anfühlt, wird hier in aller Ausführlichkeit beschrieben (und dennoch, bildet dieses Kapitel sozusagen einen Mikrokosmos von den anderen Teilen, die von dem Ich-Erzähler noch ausufernder geschildert werden). Und das war toll, nachvollziehbar irgendwie, wie Monsieur Swann in den Sog von Odette gerät und nicht mehr hinausfindet, aufgeht in einem Gefühl, das ab irgendeinem Zeitpunkt eigentlich nicht erwidert wird. Ganz nahe und greifbar wird die Eifersucht beschrieben und das ewige Sich-Selbst-Etwas-Vormachen, und das ist wirklich faszinierend.

Eine Passage – natürlich und zu Recht – eine berühmte Passage muss ich hier noch erwähnen: Wie schön beschreibt er in Teil 1 sein Erlebnis, als er sich durch den Verzehr einer Madeleine zusammen mit einer Tasse Holunderblütentee an seine Kindheit erinnert! Das gehört zu einer der Sternstunden der Literatur schlechthin, es ist so feinsinnig und ästhetisch beschrieben wie selten etwas. Eine filigrane Erinnerung steigt hoch aus einer Tasse Tee. Wie schön!

Was ich ebenfalls sehr mochte, war die Beschreibung der Gesellschaft, in der sich Monsieur Swann zusammen mit seiner Geliebten Odette aufhält. Das ist eine derartig gelungene Karikatur der damaligen Gesellschaft, der Neureichen, die nichts anderes tun, als in ihrem gesellschaftlichen Leben aufzugehen und dabei absolut hohl sind wie ein Glas, das besser schnellstens wieder mit Champagner gefüllt werden sollte, da anders diese innere Leere nicht zu ertragen ist. Madame Verdurin mit ihrer ganzen Borniertheit, und der Arzt, der zu jeder Zeit immer die unpassendsten Bemerkungen macht, das ist einfach köstlich beschrieben!

Mag sein, dass ich nicht mehr so ausdauernd bin. Fakt ist, dass mich das Buch oft trotz der sehr schönen Passagen oft sehr ermüdet hat. Vielleicht lese ich den zweiten Band, demnächst, irgendwann, irgendwann demnächst vielleicht. Jetzt nehme ich mir erstmal eine Pause. Vielleicht für länger, noch mal 25 Jahre, vielleicht auch nicht. Man wird sehen. Lesen kommt schließlich von Lust. Finde ich.

Wir mögen die Skulpturen von Niki de Saint Phalle sehr, weswegen wir auch vor zwei Jahren den Tarot-Garten in der Toscana besucht hatten. Und nun gibt es diese feine, übersichtliche Ausstellung in der Reithalle vom Schloss Gottorf *.

Groß ist sie wirklich nicht, die Ausstellung, aber sie war deshalb so interessant, weil sie einen guten Querschnitt durch ihr künstlerisches Werk zeigt. Angefangen von Gemälden, die aus einer absoluten Frühzeit stammen über die Schießbilder, mit denen sie für Aufruhr sorgte, und ihre Skulpturen, aus vielen kleinen Plastikteilen zusammengesetzt, bis hin zu ihren Nanas und einigen Vorentwürfen zum Tarotgarten war jede Phase so interessant wie intensiv. Die Schießbilder beeindrucken durch eine gewisse Rohheit. Ich kann mir vorstellen, dass das Machen, welches ja mit der Flinte in der Hand eine gewisse Brutalität beinhaltet, ein ganz guter Akt der Befreiung war. Ihre Biographie war wohl auch nicht ganz glatt, und sie musste sich wohl erst einmal einige psychische Belastungen ablegen, um so frei arbeiten zu können, wie sie es dann tat. Viel Aufarbeitung politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse hat sie geleistet, und war mit Sicherheit auch eine Ikone der Frauenbewegung, bis ihre Nanas schließlich auch zu deren Maskottchen wurden (wenn nicht explizit, dann aber doch implizit). Es ist ein langer Weg, ein weiblicher Weg, den sie zurückgelegt hat, um so frei ihre mehr oder weniger fröhlichen Figuren zu erschaffen, wie die Nanas. Aber Leben und Tod gehören untrennbar zusammen, und bei aller Lebensfreude spielt die Auseinandersetzung mit dem Tod eine große Rolle in ihrem Werk.

Leben. Das bedeuten diese Werke für mich. Und wenn ich das Gefühl habe, dass mich Kunst wirklich in meinem tiefsten Inneren berühren könnte und mich zu einem Umdenken bewegen könnte, dann ganz sicherlich durch solche bunte, lebensfrohe, ästhetische Botschaft, die ihre Kunst transportiert.

Hannover ist das nächste Stichwort. Ich muss einmal nach Hannover! Erst hier habe ich erfahren, dass im Sprengel Museum viele Exponate von Niki de Saint Phalle zu finden sind (in Hamburg dagegen: kein Einziges?? Oder?? Selbst der Entwurf zur Gestaltung des Spielbudenplatzes ist ja nicht realisiert worden, das wäre nicht passiert, wenn ich damals Bürgermeisterin gewesen wäre, das schwöre ich!!!), dazu eine Grotte und einige Nanas an der Straße.

Das Schloss Gottorf hat mir übrigens auch gut gefallen. Da gab es noch mehr interessante Ausstellungen. Den Barock-Garten allerdings fand ich schaurig, dafür gibt es im nahen Volkskundemuseum eines der niedlichsten Kaffees, die ich kenne…

Wir werden wiederkommen.

* Die Ausstellung endet am 28.6.09