Wir mögen die Skulpturen von Niki de Saint Phalle sehr, weswegen wir auch vor zwei Jahren den Tarot-Garten in der Toscana besucht hatten. Und nun gibt es diese feine, übersichtliche Ausstellung in der Reithalle vom Schloss Gottorf *.

Groß ist sie wirklich nicht, die Ausstellung, aber sie war deshalb so interessant, weil sie einen guten Querschnitt durch ihr künstlerisches Werk zeigt. Angefangen von Gemälden, die aus einer absoluten Frühzeit stammen über die Schießbilder, mit denen sie für Aufruhr sorgte, und ihre Skulpturen, aus vielen kleinen Plastikteilen zusammengesetzt, bis hin zu ihren Nanas und einigen Vorentwürfen zum Tarotgarten war jede Phase so interessant wie intensiv. Die Schießbilder beeindrucken durch eine gewisse Rohheit. Ich kann mir vorstellen, dass das Machen, welches ja mit der Flinte in der Hand eine gewisse Brutalität beinhaltet, ein ganz guter Akt der Befreiung war. Ihre Biographie war wohl auch nicht ganz glatt, und sie musste sich wohl erst einmal einige psychische Belastungen ablegen, um so frei arbeiten zu können, wie sie es dann tat. Viel Aufarbeitung politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse hat sie geleistet, und war mit Sicherheit auch eine Ikone der Frauenbewegung, bis ihre Nanas schließlich auch zu deren Maskottchen wurden (wenn nicht explizit, dann aber doch implizit). Es ist ein langer Weg, ein weiblicher Weg, den sie zurückgelegt hat, um so frei ihre mehr oder weniger fröhlichen Figuren zu erschaffen, wie die Nanas. Aber Leben und Tod gehören untrennbar zusammen, und bei aller Lebensfreude spielt die Auseinandersetzung mit dem Tod eine große Rolle in ihrem Werk.

Leben. Das bedeuten diese Werke für mich. Und wenn ich das Gefühl habe, dass mich Kunst wirklich in meinem tiefsten Inneren berühren könnte und mich zu einem Umdenken bewegen könnte, dann ganz sicherlich durch solche bunte, lebensfrohe, ästhetische Botschaft, die ihre Kunst transportiert.

Hannover ist das nächste Stichwort. Ich muss einmal nach Hannover! Erst hier habe ich erfahren, dass im Sprengel Museum viele Exponate von Niki de Saint Phalle zu finden sind (in Hamburg dagegen: kein Einziges?? Oder?? Selbst der Entwurf zur Gestaltung des Spielbudenplatzes ist ja nicht realisiert worden, das wäre nicht passiert, wenn ich damals Bürgermeisterin gewesen wäre, das schwöre ich!!!), dazu eine Grotte und einige Nanas an der Straße.

Das Schloss Gottorf hat mir übrigens auch gut gefallen. Da gab es noch mehr interessante Ausstellungen. Den Barock-Garten allerdings fand ich schaurig, dafür gibt es im nahen Volkskundemuseum eines der niedlichsten Kaffees, die ich kenne…

Wir werden wiederkommen.

* Die Ausstellung endet am 28.6.09

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