Der Film hatte mich schon neugierig gemacht auf diesen Text, der unter genauso tragischen wie schwierigen Umständen entstand. Und es ist ein starker Text.

Bauby wurde mit Mitte vierzig (oder noch nicht mal) aus seinem Alltag gerissen, als er nach einem Gehirnschlag aus dem Koma erwacht und außer seinem linken Augenlid nichts mehr bewegen kann: Er erleidet das sogenammte Locked-In-Syndrom. Der Körper ist im Grunde genommen nur dank der Technik noch am Leben, aber der Geist ins ganz da und wach und arbeitet weiter wie bisher.

Ich mag mir nicht ausmalen, wie ich mich in so einer Situation verhalten würde, aber ich hätte wahrscheinlich nichts Besseres zu tun als vor Selbstmitleid zu zerfließen. Bauby aber findet zusammen mit seinen Therapeutinnen einen Weg der Kommunikation: Durch Vorsagen des Alphabets in der Reihenfolge der Häufigkeit des Vorkommens in der französischen Sprache und ‚Abnicken’ mit dem linken Augenlid entsteht ein unwahrscheinlich starkes Stück Prosa, vielleicht eines der schönsten, die ich überhaupt in letzter Zeit gelesen habe.

Bauby lässt sich und seinen Geist nicht unterkriegen; er schildert seinen Alltag, die tristen Sonntage, vom Verzicht; aber vor allem erzählt er von der unendlichen Freiheit des Geistes, der sich nicht einsperren lässt, sondern durch den Antrieb seiner Phantasie fliegt wie ein leuchtend bunter Schmetterling, der sich niemals einfangen lässt. Mit seiner Vorstellungsgabe erreicht er vielleicht mehr, als er sonst als Chefredakteur der ‚Elle’, jemals hätte erreichen können. Dort ist er ‚nur’ die Karriereleiter hochgeklettert. Doch jetzt fliegt er über aller Köpfe hinweg und lässt seine Gedanken tanzen. Freilich in minimalistischer Form, das Buch ist auch nicht sehr dick, dafür aber komprimiert und intensiv.
Er erzählt von anderen Menschen, einem Bekannten, der einmal als Geisel festgehalten wurde, was auch eine Art ‚Locked In’ war. Oder er erzählt von seiner Wallfahrt mit einer Ex-Freundin, und wie sie an den Rollstuhlfahrern und sonstigen Versehrten gedankenlos vorbeigezogen sind… Er erzählt seine Geschichte aus einem ganz besonderen Blickwinkel, den man als tragisch bezeichnen muss, aber mit so viel Humor, dass es mich sehr gerührt hat.
Noch immer spucken mir einige seiner Schmetterlinge im Kopf herum; es ist ein ästhetisches Buch, und kein Aufschrei, sondern ein Appell zum Leben. Besser gleich, noch besser: sofort.

Man weiß ja nie, was kommt.
Aber selbst wenn: Wenn der Geist noch fliegen kann, was ist dann verloren?

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