‘Tutanchamun – sein Grab und seine Schätze’ – Ausstellung in Hamburg
25. Oktober 2009
Das war eine richtige Erlebnisausstellung mit hohem Informationsgehalt – allerdings neben der Vorteile auch mit Nachteilen verbunden.
Es sind eben nicht die Originale, die zu sehen sind, und das ist ein Mangel, den man nicht vergessen darf, wenn man die echten Ausstellungsstücke noch nie gesehen hat, und nicht vergessen kann, wenn man die Originale kennt. Ich war dabei, 1981, als die Originale hier in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe ausgestellt wurden, und war damals unglaublich beeindruckt von der Pracht dieser äußerst sorgfältig gearbeiteten Kunstwerke. Überwältigend, wirklich!
Und nun hier: diese Repliken. Es gibt große Qualitätsunterschiede zu diesen Ausstellungsstücken. Aber: Ich finde es gut, dass die Originale nicht mehr durch die Welt tingeln – zu viel könnte mit ihnen passieren! Sie sind besser aufgehoben in Kairo, wo sie auch hingehören.
Und gerade weil sie so berühmt sind und so wunderschön, gerade weil die Geschichte der Entdeckung von Howard Carter 1922 so rasend spannend ist, finde ich es sehr schön, dass ich hier in Hamburg die Werke unter einem bestimmten Aspekt noch mal sehen und dies mit meinem siebenjährigen Sohn teilen konnte. Denn diese Ausstellung setzt ihren Schwerpunkt auf die Entdeckung der Schätze und zeigt sie in ihrem originalen Kontext. So ist es überaus praktisch, wenn man eine nachgebildete Mumie sehen kann, auf der diese wunderbare Totenmaske liegt, und diese Totenmaske dann noch einmal in ihrer Pracht als Kunstwerk aufgebahrt wurde. Es wird so viel deutlicher, was dieser Schatz bedeutet! Oder auch, wie Howard Carter zusammen mit seinem Gönner Lord Carnarvon die Grabkammern vorgefunden hatten! So wurden diese Räume noch einmal nachgebildet, und man kann die Impression nacherleben, was für ein überwältigender Eindruck diese Entdeckung gemacht haben muss.
Auf diese Inszenierung wird man zuerst durch zwei Filme eingestimmt. Der erste erzählt von der Geschichte der Könige, der zweite von der Entdeckung des beinahe unangetasteten Grabes. Erst wenn der zweite Film zuende ist, geht man mit dem ganzen Menschenpulk weiter in die nächste Halle, in der sich in drei Ecken die nachgebildeten Kammern befinden. Hier wird man dank seines Audioführers, der durch die Ausstellung begleitet, zu den einzelnen Kammernachbildungen geführt. Langsam geht das Licht an, es wird etwas Wissenswertes erzählt, dann erlischt das Licht wieder, und es geht zur nächsten Kammer. Selten kam ich mir derart animiert und ‚gefesselt geführt’ vor! Ich glaube, ich reagiere etwas sehr empfindlich darauf, wenn ich irgend etwas Bestimmtes fühlen oder denken oder über etwas Bestimmtes staunen soll, und zwar jetzt! Ich mag das nicht. Zudem war es in dieser Halle sehr voll, und ich hatte nicht die Möglichkeit, die Impression noch mal in Ruhe auf mich wirken zu lassen, was ich bedauerte. Auch wenn die einzelnen Stücke ja später noch mal in allen Einzelheiten ausgestellt waren…
Diese waren toll angeordnet, zum Teil eben in ihrem ursprünglichen Kontext gestellt, und das empfand ich als eine echte Bereicherung. So ist eine meiner absoluten Lieblingsstatuen, Selket, so aufgebaut worden, wie Carter sie vorfand: nämlich mit dem Gesicht zu einem wunderbaren vergoldeten Schrein. Das habe ich nicht gewusst und vermittelt mir doch so viel mehr von dem Totenkult (damals, in Hamburg, wurden die Fundstücke vielleicht noch mehr aus ihrem Zusammenhang gerupft, als das jetzt in Kairo der Fall ist, das habe ich eben herausgefunden). Auch wurden die einzelnen Sargkammern sehr genau gezeigt. Und natürlich ein Haufen weiterer Fundstücke.
Der Audioführer, den jeder bekommt, war informativ, und ich fand es ganz toll, dass es auch einen Audioführer für Kinder gab.
Insofern hatte diese Art der Ausstellung mit Repliken wirklich auch viele Vorteile. Klar sollte man nicht vergessen, dass es in gewisser Weise eine virtuelle Ausstellung ist, denn über die Originale geht nichts (sogar mein Sohn, der die echten Ausstellungsstücke aus dem damaligen Ausstellungskatalog von 1981 von Fotos her kennt, sind die Qualitätsunterschiede aufgefallen! Obwohl die Repliken trotzdem nicht so schlecht gearbeitet waren, jedenfalls zum Teil). Aber wir konnten uns in die Werke und die ägyptische Welt hineindenken, und das besser, als in der Präsentation der einzelnen Stücke als Kunstwerke.
Insofern hat diese Erlebnis-Repliken-Ausstellung durchaus ihre Berechtigung. Nach Kairo muss man aber trotzdem fahren.