‚Das weiße Band’- Film von Michael Haneke
7. November 2009
Es kann nicht sein, was nicht sein darf – dieser Spruch trifft ziemlich genau, worum es in diesem Film geht. Eine Reihe von Verbrechen passieren in einem kleinen Dorf im Jahre 1913. Wer der oder die Täter war/waren, klärt sich nicht auf.
Die Menschen in diesem Dorf buckeln in Abhängigkeit vom Grafen und geben ihre ganz alltäglichen Qualen weiter an ihre Kinder. Was gut ist und was böse, wird höchstens hinter vorgehaltener Hand diskutiert. Als ein Junge mitten im Wald auf dem dünnen Geländer einer Brücke über einen Bach balanciert, hält er es für ein gutes Zeichen, dass er nicht gefallen ist. „Gott will also nicht, dass ich sterbe“, ist sein Fazit gegenüber dem Dorflehrer und Ich-Erzähler, der diesen wagemutigen Balanceakt zufällig beobachtet hat.
Ansonsten macht jeder sein Ding, will sagen, jeder erklärt sich die Welt so, wie er sie haben will. Wenn eine Arbeiterin durch einen Sturz im maroden Sägewerk stirbt, kann es nach Mutmaßung des (erwachsenen) Sohnes nur der Graf sein, der ihren Tod zu verantworten hat. Der Vater, der auch nicht weiß, ob sich jemand bzw. wer sich mit dem Tod seiner Frau schuldig gemacht hat, kann sich solch Ansicht nicht leisten, denn er ist abhängig von des Grafen Gunst. Die Qualen macht er mit sich selbst aus, bis zum bitteren Ende.
Der Arzt lässt seine Geliebte laufen, nachdem er sie aufs Übelste beschimpft hat – und es könnte sein, dass seine 14jährige Tochter deren Platz einnimmt. Wer weiß das schon?
Der Pfarrer scheint ein ehrbarer Mann zu sein, aber kann seine Gefühle niemandem zeigen, auch seinen Kindern nicht. Sie lernen, einen Widerspruch zwischen der Wahrheit – den eigenen Gefühlen – und der Lüge – das, was man zu sein vorgibt – zu leben.
Misteriöse Dinge gehen vor in dem Dorf, und keiner weiß, wer dafür verantwortlich zeichnet. Nur eines ist klar: Die Täter sind unter den Dorfbewohnern zu finden!
Dieser Film ist in klaren, schönen Bildern gedreht, in schwarzweiß, was sich gut macht, auch angesichts der Zeit, in der der Film spielt, aber bedrückend, sehr bedrückend! (Mussten die damit im Oktober/November rauskommen?? Musste das sein?) Wer hat die Misshandlungen an dem Sohn des Grafen und an dem behinderten Kind – dem stärksten und dem schwächsten Glied in der Kinderschar des Dorfes – zu verantworten? Die Antwort bleibt offen, was schwer wiegt (erst recht im November…!) Vielleicht ist die Wahrheit in dem verborgen zu finden, in dem, was nicht sein darf, im Tabu.
Der Film erzeugt eine Spannung, von der ersten bis zur letzten Minute. Die Taten sind grauenhaft, und da kein Täter in Sicht ist, kommt so eine ganz unwirkliche, ungute Stimmung auf.
Gefallen hat mir der Film. Aber leicht zu ertragen war er nicht.