‘Leben im Fisch’ – Hörbuch von Kristín Steinsdóttir
18. Dezember 2011
Dieses Hörbuch hat uns eine Freundin, die uns eben gut kennt, geschenkt… und damit hat sie uns wirklich eine große Freude gemacht!
Kristin Steinsdottir spricht den Text, aber das Besondere daran ist, dass sie ihn nicht aus einem Manuskript vorliest, sondern ihn frei erzählt. Ihr charmanter isländischer Akzent rundet das Bild von einer freundlichen alten Dame ab, die aus ihrer Jugend in Seydisfjördur erzählt. Wie es so war, wenn im Februar endlich wieder die ersten Sonnenstrahlen das Haus berührten; wie es war, wenn der Vater mit einer riesigen Kiste Äpfeln nach Hause kam, von der sie dann doch nur allzu kurz zehren konnten. Und sie erzählt vom Fisch. Denn der Hering wurde in den fünfziger und sechziger Jahren in Island gefangen – bis zur absoluten Überfischung. Man wusste das damals allerdings noch nicht. Und da es sich nicht um einen kritischen Bericht darüber handelt, sondern um einen Bericht über die Jugenderinnerungen einer alten Dame – die übrigens eine (in Island sehr bekannte) Schriftstellerin ist – handelt, kann man den Schilderungen, wie sie den Fisch mit allen Menschen aus dem Dorf und darüber hinaus mit angereistem Personal verarbeiten, einfach mal lauschen. Das hat riesigen Spaß gemacht.
So eine frei gesprochene Erzählung ist wirklich etwas ganz Besonderes. Man kennt es in dieser Form kaum, aber es passt zum Isländischen, zu den Sagas, die ja auch mündlich überliefert wurden…
Besonders schön, zumal ich dies Buch ja in der Vorweihnachtszeit gehört habe, war der Abschnitt, wo Steinsdóttir von den 13 Weihnachstmännern erzählt, die ja in Island zwischen dem 13. Dezember und dem 6. Januar umgehen und ihren Schabernack mit der Bevölkerung treiben. Und hinzu kommt ihre Schwester, das ist die Weihnachtskatze, die immer hungrig ist und auf der Suche nach Menschen, denen niemand auch nur eine Klitzekleinigkeit zu Weihnachten geschenkt hat. Denn zu denen kommt die Katze, um diesen Menschen – zu fressen… Doch wo die Menschen beschenkt werden, kann sie nichts finden, „… und so sucht sie immer weiter, immer weiter, immer weiter…“
Ja, das hat Spaß gemacht, dies Buch. Ich müsst mal nach Ostisland reisen… In Seydisfjördur war ich noch nicht. Aber wenn, wäre ich es doch lieber im Sommer, wenn die Sonne den Boden berührt!