‚Der große Gatsby’ – Roman von F. Scott Fitzgerald

4. Januar 2012

Was bedeutet eigentlich genau, wenn jemand sagt, etwas wäre ‚schlecht geschrieben’? Kann man so pauschal wahrscheinlich nicht beantworten. Ist es eigentlich pingelig, wenn man sich bei solch einem Klassiker darüber aufregt, wenn manche Übergänge nicht so ganz stimmig daherkommen? Manchmal bin ich ja auch ein wenig doof und verstehe die einfachsten Sachen nicht, weil sich jemand etwas unglücklich ausdrückt (was mir selbst ja auch öfters mal geschieht). Aber leider leider fand ich so einige Haare diesen Kalibers in dem Buch, was mir die Lektüre nicht leichter gemacht hat…

Ich will jetzt nicht ins Detail gehen. Nur ein paar kleine Beispiele: Da wird die ganze Zeit von einer Mrs Soundso gesprochen. Dann plötzlich wird von ihr gesprochen, und benennt sie dabei beim Vornamen (man erfährt, dass sie und der Ich-Erzähler sich mittlerweile das ‚Du’ angeboten haben). Im nächsten Absatz ist wieder von Mrs Soundso die Rede. Mich kann so etwas ja verwirren (wobei mich genau dies bei ‚Annan Karenina’ oder ‚Oblomow’ nicht weiter gekratzt hat – hier haben die Figuren zum Teil 3 Namen, und man muss sich zwar konzentrieren, um zu wissen, wer gerade gemeint ist, aber wenn man es einmal gefressen hat, klappt das auch – hier wenigstens zog es sich konsequent durch die Bücher, während es sich beim ‚Gatsby’ m.E. eher um eine Stilschwäche handelt – oder um eine mangelhafte Übersetzung? Aber das kann ich nicht beurteilen, damit kenne ich mich nicht aus). Oder auch die Sache, dass Mr Gatsby mit dem Taxi nach Hause gekommen sei. Doch im nächsten Kapitel wird behauptet, dass er dafür gesorgt hat, dass sein Wagen (mit dem er aber nicht gekommen ist) in der Garage versteckt werden soll. Mhm. Sowas müsste einem Lektor doch spätestens auffallen… Ebenso die vielen Druckfehler, die diese Ausgabe (Nikol Verlag) aufweisen.

Nun gut. Dessen ungeachtet: Es wird die Welt der Reichen, zudem in den 20er Jahren geschildert, ihr Streben nach Macht und Reichtum, ihre Genusssucht und Oberflächlichkeit. Ihr Mangel an Beziehungsfähigkeit und Tiefe. Darin wird nun der ‚große Gatsby’ beleuchtet, der bekannt für seine tollen Partys ist, um den sich sagenhafte Gerüchte ranken, und dem das Geld wohl nur so zufliegt – vielleicht durch unsaubere Geschäfte? Wer weiß – und wer will das auch wissen? Dann schmeckt der Champagner auf der Party vielleicht ein wenig schal…

Gatsbys Streben nach Reichtum kommt vielleicht daher, dass ihn eine unerfüllte Liebe nicht loslässt; die Frau hat ihn am Ende nur deshalb sausen lassen, weil er keine ‚gute Partie’ war…
Dies wird nun also kompensiert – oder auch aufgebaut, um jene Herzensdame erneut zu erobern.

Der ganze Aufbau des Romans ist absolut klassisch. Der Titelheld erscheint erst spät, nachdem er von einigen Protagonisten beschrieben wurde – ungemein erfolgreicher Spannungsaufbau! Als ihn der Ich-Erzähler dann kennen lernt, weiß er zunächst nicht einmal, dass es sich um Gatsby handelt. Die räumlichen Gegebenheiten – es handelt sich um eine Vorortgegend von New York, die sehr anschaulich erklärt wird, lassen einige interessante Assoziationen zu. Da befindet sich auf dem Weg nach NY zum Beispiel ein Plakat, auf dem ein riesenhafter Mensch mit Brille abgebildet ist, dies ist eine Werbung für – einen Augenarzt… – Big Brother? Oder Gott? Die Allgegenwart von Werbemitteln? Oder die Moral als (überholte) Allegorie, dass alle Vergehen doch entdeckt werden, da sie nicht verschwiegen werden können? Und da wäre sicher noch sehr viel mehr zu entdecken… (aber wir sitzen hier ja nicht in einem literarischen Seminar, drum höre ich mal mit meinen Ausführungen auf).

So gesehen ist dieser Roman sicherlich ein klasse Klassiker. Wenn auch gar nicht so mein Thema. Gelesen habe ich es, weil ich es zu Weihnachten geschenkt bekam und dazu auch noch Theaterkarten. Merkwürdig… schon wieder werde ich also ins Theater gehen, jedoch nicht, um ein Theaterstück anzuschauen, sondern die Bearbeitung eines literarischen Textes.
Aber darüber demnächst.

Wie gesagt, das Buch ist nicht so ganz mein Thema. Bei allen Schwächen aber hat es mir doch die eine oder andere Sturmnacht auf Amrum, wo wir den Jahreswechsel verbracht haben, auf angenehme Weise verkürzt.

One Response to “‚Der große Gatsby’ – Roman von F. Scott Fitzgerald”


  1. [...] habe ja noch ein wenig über meine kürzliche Lektüre des Buches von Fitzgerald nachgedacht. Vermutlich hatte ich eine wirklich schlappe Übersetzung am Wickel, denn je länger ich [...]

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