Max Liebermann. Wegbereiter der Moderne – Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle

25. Januar 2012

Es war eigentlich superärgerlich, dass ich die letzte Ausstellung verpasst habe. Dort nämlich wurde die Sammlung des ehemaligen Hausmeisters der Hamburger Kunsthalle ausgestellt. Dieser hatte sich, als er bei den Vorbereitungen von Ausstellungen mit den Künstlern in Kontakt kam, mit vielen von ihnen befreundet und am Ende selbst angefangen, Werke von ihnen aufzukaufen. Doch nicht nur das: Mutig hat er in der Nazizeit einige als entartet erklärte Bilder aus der Kunsthalle ‘verschwinden’ lassen und sie damit vor der Zerstörung bewahrt. Es war ein echter Held (über Helden bekomme ich ja gerade eine Lektion erteilt in James Krüss’ ‘Mein Urgroßvater, die Helden und ich’ – demnächst darüber mehr hier in diesem Blog). Diese Geschichte allein finde ich schon derart beeindruckend, dass ich ihr und des Hausmeisters zu Ehren seine Sammlung gern besucht hätte. Und dann: Verpasst…

Nun denn. Das gehört ja eigentlich gar nicht hierher, denn hier geht es ja jetzt um die Liebermann-Ausstellung, zu der ich dann noch rechtzeitig eingetroffen bin. Liebermann ist ja immer mal wieder ein Thema hier in Hamburg – denn schließlich gehört er zu den wichtigsten Hamburger Künstlern – zuletzt war er ausführlich in der phantasischen Ausstellung seiner unglaublichen Gartenbilder im Hubertus-Wald-Forum zu sehen. Das Thema ‘Wegbereiter der Moderne’ ließ sich für mich auch ohne Audioguide oder Führung (eines von beiden hätte ich allerdings trotzdem wahnsinnig gern gemacht, nur fehlte mir die Zeit dafür. Immer die Zeit!) erschließen: denn wenn man sich seine Malerei an manchen Stellen genauer betrachtet, fällt die Form von der Farbe komplett ab, sie löst sich auf, und zurück bleibt – wie bei den Impressionisten und frühen Expressionisten in Paris – eine Ansammlung von Farbklecksen und -übergängen, die mit der Darstellung eines bestimmten Gegenstandes erst dann etwas zu tun bekommt, wenn man das Gemälde aus einigem Abstand betrachtet.

Max Liebermann (1847 - 1935), Der Papageienmann, 1902, Öl auf Leinwand, 102,3 x 72,3 cm, © Museum Folkwang, Essen

Max Liebermann (1847 - 1935), Der Papageienmann, 1902, Öl auf Leinwand, 102,3 x 72,3 cm, © Museum Folkwang, Essen (Foto: www.hamburger-kunsthalle.de)

Technisch ist das schon absolut meisterhaft, aber die philosphische Komponente darf hier nicht vergessen werden: nichts sei, wie es scheine; ein Idyll ist vielleicht nur im kurzen Moment, des Glaubens, ein Idyll zu sehen, ein Idyll, nicht weil es tatsächlich eines wäre oder gar tatsächlich gäbe…

Die Gartenbilder haben mich auch diesmal wieder ganz besonders fasziniert, klar, als alte Romantikern und gartenbegeisterte Kleinbürgerliche falle ich allem Ästhetischen natürlich sofort anheim. Aber das weitere Ziel dieser Ausstellung, Liebermann als Wegbereiter der Moderne zu erforschen, ging denn auch an mir nicht spurlos vorüber. Ich bin froh, dass ich den Weg in die Ausstellung noch geschafft habe und habe einen Vorsatz gefasst: Die nächste Ausstellung wird schlicht und ergreifend früher geplant!

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