Es kann nicht sein, was nicht sein darf – dieser Spruch trifft ziemlich genau, worum es in diesem Film geht. Eine Reihe von Verbrechen passieren in einem kleinen Dorf  im Jahre 1913. Wer der oder die Täter war/waren, klärt sich nicht auf.

Die Menschen in diesem Dorf buckeln in Abhängigkeit vom Grafen und geben ihre ganz alltäglichen Qualen weiter an ihre Kinder. Was gut ist und was böse, wird höchstens hinter vorgehaltener Hand diskutiert. Als ein Junge mitten im Wald auf dem dünnen Geländer einer Brücke über einen Bach balanciert, hält er es für ein gutes Zeichen, dass er nicht gefallen ist. „Gott will also nicht, dass ich sterbe“, ist sein Fazit gegenüber dem Dorflehrer und Ich-Erzähler, der diesen wagemutigen Balanceakt zufällig beobachtet hat.
Ansonsten macht jeder sein Ding, will sagen, jeder erklärt sich die Welt so, wie er sie haben will. Wenn eine Arbeiterin durch einen Sturz im maroden Sägewerk stirbt, kann es nach Mutmaßung des (erwachsenen) Sohnes nur der Graf sein, der ihren Tod zu verantworten hat. Der Vater, der auch nicht weiß, ob sich jemand bzw. wer sich mit dem Tod seiner Frau schuldig gemacht hat, kann sich solch Ansicht nicht leisten, denn er ist abhängig von des Grafen Gunst. Die Qualen macht er mit sich selbst aus, bis zum bitteren Ende.

Der Arzt lässt seine Geliebte laufen, nachdem er sie aufs Übelste beschimpft hat – und es könnte sein, dass seine 14jährige Tochter deren Platz einnimmt. Wer weiß das schon?
Der Pfarrer scheint ein ehrbarer Mann zu sein, aber kann seine Gefühle niemandem zeigen, auch seinen Kindern nicht. Sie lernen, einen Widerspruch zwischen der Wahrheit – den eigenen Gefühlen – und der Lüge – das, was man zu sein vorgibt – zu leben.
Misteriöse Dinge gehen vor in dem Dorf, und keiner weiß, wer dafür verantwortlich zeichnet. Nur eines ist klar: Die Täter sind unter den Dorfbewohnern zu finden!

Dieser Film ist in klaren, schönen Bildern gedreht, in schwarzweiß, was sich gut macht, auch angesichts der Zeit, in der der Film spielt, aber bedrückend, sehr bedrückend! (Mussten die damit im Oktober/November rauskommen?? Musste das sein?) Wer hat die Misshandlungen an dem Sohn des Grafen und an dem behinderten Kind – dem stärksten und dem schwächsten Glied in der Kinderschar des Dorfes – zu verantworten? Die Antwort bleibt offen, was schwer wiegt (erst recht im November…!) Vielleicht ist die Wahrheit in dem verborgen zu finden, in dem, was nicht sein darf, im Tabu.

Der Film erzeugt eine Spannung, von der ersten bis zur letzten Minute. Die Taten sind grauenhaft, und da kein Täter in Sicht ist, kommt so eine ganz unwirkliche, ungute Stimmung auf.
Gefallen hat mir der Film. Aber leicht zu ertragen war er nicht.

Michael Jackson ist nicht tot. Er lebt weiter in seiner Musik und in seinem Tanz. Er lebt weiter durch diesen Film, und ich bin dankbar, dass ich ihn sehen konnte – im Kino.

Ich war nie MJ-Fan. Ich bin ja im Grunde genommen ein humorloser Medienmuffel, und wahrscheinlich nur so ist zu erklären, dass dieser Popstar mehr oder weniger von mir unbemerkt in einem Paralleluniversum neben meinem gelebt hat. Seine Musik hat mich schlicht und ergreifend nicht interessiert. Klar kenne ich seine Songs, aber ich hatte ihn nie dazu tanzen sehen. Und wenn ich sie nur im Radio gehört habe, hatten sie für mich nichts Außerordentliches. Aber diese Sichtweise hat sich jetzt geändert.

Warum bin ich eigentlich hineingegangen? Wäre MJ nicht gestorben, hätte ich ihn wahrscheinlich weiterhin nicht beachtet. Sein Tod hat mich gerührt. Vielleicht wollte ich wissen, was dran war an diesem Menschen, der hinter der Pop-Ikone steckt. Kann sein, dass so niedere Beweggründe wie Voyeurismus dahinter stecken. Egal. Denn dieser Film steigt darauf sowieso nicht ein. Sondern er zeigt, was gezeigt werden muss und was gezeigt werden will: Michael Jacksons Kunst.
Der Film bleibt beim Wesentlichen, nämlich dem Dokumentieren der Proben seiner letzten Bühnenshow. Und das ist sehenswert und beeindruckend!

Dieser Mann ist Musik, er tanzt sie, er ist perfekt in allem, was er auf der Bühne macht. Er ist ein totaler Profi mit einer riesigen Beherrschung seiner Selbst, sowohl, was seinen Körper angeht als auch seine Seele. Er ist beherrscht und kultiviert, wenn er während einer Probe Kritik äußert, er ist immer freundlich und gar zurückhaltend. Er ist immer geschminkt, trägt meist eine Sonnenbrille und versteckt sein Gesicht wie immer hinter seinen Haaren. Und doch: Ist er auf der Bühne, hat er eine Präsenz, die alle anderen Tänzer und Musiker aus seinem perfekten Team in den Schatten stellt. Und das, obwohl die anderen auch brillant tanzen, Instrumente spielen und singen. Und doch: An ihn kommt keiner heran. Er ist stark und klar in seinen Bewegungen, seinem Ausdruck, bei jeder Probe die in diesem Film ausgestrahlt wird (und, klar, das ist die Auswahl der stärksten Szenen, die gedreht wurden!). Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass die Tänzer, Musiker, Sänger aus seiner Crew ihn schon von Kindesbeinen auf an anhimmeln…?
Ich kann es verstehen, jetzt: Er ist einfach toll. In dem Film wird einmal gesagt, dass MJ Zugang zu den tiefsten Gefühlen hat. Und was er damit macht, ist, sie derart zu vervielfachen, dass eine ganze volle Konzerthalle davon entbrennt – das war auch im Kino spürbar.

Seine Gefühle in dieser Intensität auszudrücken muss ihn eine irrsinnige Energie kosten, und er bringt sie auf!
Es ist bewundernswert, was er seinem Körper abverlangen kann, spielend hält er mit seinen Tänzern mit, und er ist einfach der Beste, auch wenn er vielleicht 30 Jahre älter ist als sie…

Seine spirituelle Botschaft war ein großer Auftrag an die Menschheit. So wird die Tragik seines Todes doppelt deutlich durch diesen Film, der ihn als Menschen ja nicht einmal beleuchtet. MJ wollte diese letzte Konzertreihe wirklich, mit Haut und Haaren. Vielleicht war das zuviel.
Dennoch: Michael Jackson hat uns mit seiner Kunst ein großes Geschenk gemacht, und durch diesen Film lässt sich das einmal mehr erspüren. Seine Kunst ist das, an das ich denken will. Sein Privatleben, seine Versuche, sein Äußeres zu manipulieren, das ist tragisch, ich bin dagegen, dass jemand sich selbst oder anderen derartiges antut, um keinen Preis. So ist es jetzt gekommen. Und wenigstens lebt er durch seine Kunst weiter.
Vielleicht bin ich auch zu unkritisch. Michael Jackson war dem großen Druck nicht mehr gewachsen, der 50 Konzerte mit dieser Megashow bedeutet. Vielleicht wäre es ja auch richtiger, sich der kommerziellen Ausschlachtung seiner Person zu verweigern und den Film zu boykottieren, zu der die Kampagne ‘This is not it‘ aufruft. Ich finde seinen Tod ja auch mehr als tragisch und finde es immer furchtbar, wenn andere auf anderer Leute Kosten ihren Profit rausschlagen.
Andererseits hat Michael Jackson in seinen letzten Wochen etwas Tolles geleistet, wenn der Vorwurf, er wäre gedoubelt worden, nicht zutrifft. Dann nämlich ist er über sich hinausgewachsen, und das hat er getan, weiß Gott für einen zu hohen Preis, dennoch ist es ja seine Entscheidung gewesen.
Drogenabhängige Künstler und solche, die an ihren eigenen Ansprüchen zerbrechen, hat es auch schon vor Michael Jackson gegeben, was die Sache nicht besser macht. Nun ist von ihm nur noch seine Kunst da. Und die ist doch aber für uns, das Publikum!

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es gut kommt, den Film in einen kleinen Fernseher zu packen. Besser ins Kino gehen dafür, es lohnt sich.

Das war übrigens nicht ganz voll. Vielleicht auch gut, wenn sich das Publikum verweigert, innerhalb von zwei Wochen diesen Film sehen zu sollen, von den anderen Gründen, den Film zu ignorieren, ganz zu schweigen.

Der Film war ein Erlebnis, das ich nicht missen will.

Große Bilder zu einer mehr oder weniger skurrilen Handlung – und das made in Germany (/Großbritannien)…
Tja, diese Machart ist mir irgendwie für einen deutschen Film nicht so vertraut… was eigentlich genau? Vielleicht kommt er mir so vor, weil der Ton so perfekt war, als wäre der Film im Nachhinein übersynchronisiert? Keine Ahnung, ob das ein Fakt ist. Aber der Ton ist so perfekt wie bei einem amerikanischen Film.

Die Handlung folgt recht genau (so weit ich mich erinnere, die Lektüre liegt schon ein wenig zurück) dem gleichnamigen Buch von Donna Woolfolk Cross und hat zum Thema, dass es um 900 eine deutsche Päpstin gegeben haben soll, die als Mann getarnt dieses Amt übernahm.

Ich würde sagen, der Film ist eine adäquate Antwort auf diesen Schmöker, den ich gerne weggelesen habe. Es war eines dieser Bücher, die vielleicht nicht ganz blöde sind und einen derart packen, dass man immer weiterlesen muss. Manchmal mag ich das, in diesem Falle auch.

Der Film hat sich der Monumentalität des Stoffes mit großen Bildern angenommen. Die Dialoge waren deutlich besser als die in dem kürzlich gesehenen Historienfilm ‚Hildegard von Bingen’, und die Handlung war vielleicht nicht superspannend, aber mithilfe der Bilder durchaus genießbar. Also, mir hat der Film Spaß gebracht, es war gute Unterhaltung, für den Abend war das ganz in Ordnung.

Nur schwer zu ertragen waren einige kitschige Szenen, wie z.B. die, als ihr geliebter Gerolf sie nach einer halben Ewigkeit in Rom wieder sieht. Binnen 5 Minuten waren alle Missverständnisse beseitigt, und Gerolf konnte ihr durch ein Büchlein, in dem er getrocknete Blumen, die er einst von Johanna geschenkt bekam, beweisen, wie sehr sie ihm am Herzen liegt. Ich meine, der Typ ist Soldat und kam gerade vom Schlachtfeld! So was ist natürlich Dünnsinn.
Auch der Überfall am Schluss war merkwürdig aufgesetzt, ich erinnere mich aber nicht mehr, wie das im Buch war.
Und: Überleben Frauen eigentlich eine Fehlgeburt nicht? Also, ich meine, kann man daran wirklich innerhalb von siebeneinhalb Minuten krepieren? Sehr merkwürdig, mag aber sein, dass dies im Buch schon zweifelhaft war.

Egal. Der Abend war trotzdem gelungen. Gute Unterhaltung. Nix Tiefschürfendes.

Was weiß ich schon von dieser Geistlichen aus dem tiefsten Mittelalter? Dass sie ein Universalgenie war, dass sie sich mit den Kräutern und deren heilenden Wirkungen bestens auskannte und ihr Wissen weitergegeben hat und dass sie Komponistin war. Aber da hört es auch schon auf.

Also war es natürlich wieder einmal Neugier, die mich ins Kino trieb. Und: weiß ich jetzt mehr? Ein wenig schon, aber viel ist es nicht. Dass sie Visionen hatte, göttliche Eingebungen und dass sie ein Kloster bauen ließ sowie dass sie die offizielle Genehmigung erhielt, ihre Erkenntnisse schriftlich darzulegen und somit bis heute bekannt geblieben ist. Der Rest ist Biografisches, und der Film legt seinen Schwerpunkt auch genau darauf. Das fand ich persönlich zwar nicht soo interessant, aber egal. Es war dennoch ein Film mit schönen Bildern und einer mehr oder minder packenden Handlung (eine Freundin fand ihn langweilig, während mein Schatz, eine andere Freundin und ich ihn ganz in Ordnung fanden).  Die Besetzung mit Barbara Sukowa, die mir in ‚Die Entdeckung der Currywurst’ wahnsinnig gut gefiel, fand ich gewöhnungsbedürftig. Irgendwie konnte ich mich damit nicht anfreunden, obwohl Barbara Sukowa eigentlich ganz gut gespielt hat. Sie hat die Hildegard als sehr intelligent dargestellt, was sie zweifelsohne auch war. Vielleicht störte mich, dass manche Dialoge eher schwach waren, oder sie Zitate sprechen musste, die sich heute eher blöd anhören (man muss das natürlich historisch bewerten, und für die Ohren um das Jahr 1150 war es sicher revolutionär, wie sie den Sexualakt schilderte oder sich darüber freute, wenn eine junge Nonne weiß, welche heilende Wirkung die Schafgarbe besitzt). Aber an dieser Stelle hätte ich mir mehr Brillanz gewünscht, oder Aktualität, ach, ich weiß nicht. Ich denke, das Drehbuch hatte vielleicht einige Mängel, die Handlung trieb ein wenig an der Oberfläche, fand ich. Dass es nicht meinen Wunsch erfüllte, mehr Inhaltliches über Hildegard von Bingen zu erfahren, ist natürlich ok. 

Es war trotzdem ein gelungener Kinoabend.

Diesen schönen Film gab es in der Nordseehalle auf der schönen Insel Helgoland zu sehen. Und ICH war dabei! Wie schön!
Schön erst einmal, weil Helgoland so eine schöne Insel ist. Hier kann man Urlaub machen, der so erholsam ist, dass man schon nach einer Woche komplett entspannt ist, was von dem herrlichen Klima kommt, dem Wind und dem Meer. Und machen kann man hier auch genug, so dass eine Woche – erst recht im Sommer – eher zu kurz ist als zu lang…

Aber ich schweife ab. Es soll hier schließlich um diesen Film gehen! Dieser spielt auf einer kleinen bretonischen Insel, was sehr sinnig ist und interessant für die Helgoländer. Und da es an diesem Abend um die Einweihung eines kleinen Museumleuchtturms ging, machte es erst recht Sinn, diesen Film zu zeigen.

Die Franzosen sind einfach Meister, wenn es um sensible Themen geht. In diesem Film geht es um eine Dreiecksbeziehung – und wenn nicht um eine –beziehung, dann doch wenigstens um eine – begegnung: Ein Fremder dringt in die Welt einer kleiner festgefahrenen bretonischen Gemeinde ein, die sich ihm gegenüber ablehnend und unfreundlich verhält. Hier soll der  neue Leuchtturmwärter gar nicht erst aufgenommen werden, denn er stört nicht nur die Rangordung in der Gemeinde (eigentlich steht einem anderen Einheimischen der freigewordene Platz des Leuchtturmwärteres zu), sondern er wird überhaupt als eine Bedrohung wahrgenommen, durch die die Menschen aus ihren eingefahrenen Gewohnheiten herausgerissen werden. Allein schon, weil man nicht versteht, warum dieser Mann das Ende der Welt aufsucht, um dort zu leben. Es macht die Sache nicht einfacher, als man erkennt, dass er seine begangenen Greueltaten im Algerienkrieg auf diese Weise zu sühnen versucht. Mit seiner freundlich-unverbindlichen Art, die auf seiner Gefühlstaubheit beruht, rührt er die Menschen auf die ein oder andere Weise, wenn er sich einfach nicht von ihnen provozieren lässt.
Während ihn ganz langsam eine sensible Freundschaft mit dem einheimischen Leuchtturmwärter verbindet, ist es unterdrückte Leidenschaft, die er für dessen Frau empfindet. Alle anderen Männern lehnen den Fremden ab.
Die feine Bindung zwischen der Frau und dem Fremden, von beiden nur zögernd eingestanden, ist so fein und sensibel gezeichnet, wie es nur die Franzosen können. Dazu die langsam entstehende Freundschaft, die sich der einheimische Leuchtturmwärter beinahe widerwillig eingesteht, alles das ist so filigran, sehr zum Gegensatz des rauen Wetters und der Landschaft. Fremdheit in der Heimat, Fremdheit in der Ehe, Ausgeschlossensein (oder das Gefühl davon) werden thematisiert und in feine Zeichen übersetzt.
Dies ist ein in sich geschlossener Film – ein Meisterwerk! – ergreifend, einfach und schön, wie es – ja, ich kann mich nur wiederholen! – wie es nur die Franzosen können. Einfach super!

Also, der Titel war es nicht, der mich verleiten ließ, in den Film zu gehen – vom gleichnamigen Buch von Jan Weiler habe ich natürlich nichts mitgekriegt, so hinterwäldlerisch, wie ich bin. Aber mindestens der Trailer, den ich im Kino sah und eine Handvoll Arbeitskolleginnen (die den Film zwar empfahlen, aber noch nicht gesehen hatten) brachten mich zu dieser Auswahl. Denn Komödien sind für mich bierernste Person ja so meist nix.

Aber: Gelacht haben wir! Die Versprecher oder falsch ausgesprochenen italienischen Worte machten einen Mordsspaß, und auch sonst kamen die Figuren liebenswert daher. Allen voran Leo Banfi als zukünftiger Schwiegervater Antonio, aber auch Christian Ulmen mit seiner überraschten Art, das hat wirklich Spaß gemacht. Und das Auseinandernehmen der ‘Toscana-Fraktion’, die hier auf die Ureinwohner eines italienischen Bergdörfchens prallten und die Welt nicht mehr verstanden (was andersherum genaus passierte), war schon urkomisch.

Ganz platt war die Geschichte dann aber doch auch nicht, denn schlaglichtartig und humorvoll wie bitter wurde auch gezeigt, wie es Antonio als Gastarbeiter in Deutschland erging. Dort hatte er sich mit dem Rassismus auseinanderzusetzen, innerhalb seiner Familie mit der Kritik, diese im Stich gelassen zu haben. Und schon ist es ein Grenzgänger, der nirgendwo mehr ganz zuhause ist…

Schlecht war leider die Akustik. Ganz viel konnte ich nicht verstehen, weil der Ton irgendwie nicht richtig ausgesteuert war, was sehr störend und ärgerlich war. Andere Dinge habe ich vermisst, beispielsweise die Nähe zwischen dem angehenden Brautpaar, das sich über das ganze italienische Chaos ein Stück weit als Paar verliert, sich dann aber doch nicht trennt.

Aber egal. Gelacht jedenfalls haben wir nicht zu knapp.

Ich wusste soo wenig über Coco Chanel! Dass sie im Grunde genommen die komplette weibliche Garderobe ‘entrüscht’ hat und statt dessen auf das weniger, das das ‘mehr’ bedeutet, gesetzt hat, wusste ich nicht. Dafür an dieser Stelle einen herzlichen Dank an diese Modeschöpferin!

Der Film war mit Audrey Tautou fabelhaft besetzt. In dieses schöne wie interessante Gesicht mochte ich mich gern vertiefen. Einige Dinge aus Cocos Biografie wurden mir zu sehr herausgestellt, während andere beinahe ausgeblendet wurden. So fand ich es schade, dass ich nicht so richtig nachvollziehen konnte, zu welchem Zeitpunkt Coco Chanel ihre Modeschöpfungen selbst wirklich ernst nahm. Ich habe auch nicht ganz nachvollziehen können, wie es dazu kam, dass sie sich von dem Mätressenleben lossagte, um etwas Eigenes aufzubauen. Das schien mir doch etwas verkürzt dargestellt worden zu sein zugunsten ihrer Liebes- bzw. Leibesbeziehungen…
Trotzdem schön, wie sie inmitten der Freunde ihres Liebhabers steht, diese eigentlich unterhalten soll, aber sich komplett fehl am Platze fühlt. Oder wie sie sich immer wieder in die schlichten Männerjacketts steckt und damit doppelt so weiblich wirkt – da wird dann doch wieder vieles klar, was die Entwicklung der Coco Chanel angeht…

Also, Leser, Du merkst schon, ich bin mir nicht ganz einig. Dennoch hat mir der Film gut gefallen, und ich habe die schönen Bilder und Menschen auf jeden Fall genossen, und auch eine Menge kapiert, obwohl ich einiges etwas oberflächlich dargestellt fand.

Ein intensiver Film, ein langsamer Film (mit gefühlter Überlänge), aber kein langweiliger Film! Interessante Gesichter und Gerard Depardieus imposante Erscheinung sowie eine gut erzählte Geschichte runden den Film ab.

Eigentlich bin ich kein Krimifan, aber hier machte ich eine Ausnahme und bin auch nicht enttäuscht worden. Denn hinter dem Mordfall stehen ganz andere Fragen, tiefgründige Fragen nach der Verantwortung, die man für seine Mitmenschen trägt, beispielsweise. Wann macht man sich schuldig? Ist man nur schuldig, wenn man sich aktiv an einem Verbrechen beteiligt, oder schon, wenn man den Selbstmordversuch eines anderen Menschen nicht versucht zu vereiteln? Aber wie soll das denn gehen?

Der Film lässt sich Zeit, genüsslich Zeit, diese Fragen zu entwickeln und gleichzeitig die Charakteren zu entfalten. Dazu die bereits erwähnten interessanten Gesichter, wie die des Obdachlosen bzw. vermeintlichen Mörders in einer Doppelrolle (gespielt von Jacques Gamblin); oder das des unglücklichen Bruders von Kommissar Bellamy (Clovis Cornillac). Auch eine witzige Einlage war die gesungene Verteidigung des Rechtsanwalts, auf ein Chanson von Georges Brassens getextet.

Er hat mir gut gefallen der Film – noch ein wunderbarer Film von Chabrol!

Kulturbeflissen, wie ich ja nu mal bin, dachte ich, mit diesem Film gleichzeitig mein stark durchlöchertes Geschichtswissen ein wenig zu stopfen, aber: Fehlanzeige! Das geht nicht bei diesem Film! Und alles andere ging auch nicht! Gänzlich fehlte Hintergrundinformation, Auseinandersetzung mit dem politischen Gedanken und Unterhaltungswert.
Ich fand den Film einfach nur schrecklich, wenn ich ehrlich bin.

Er besteht – für mich jedenfalls – nur aus einer Aneinanderreihung von Szenen, die unwichtiger nicht sein konnten, und deren Relevanz zu der Geschichte mir gänzlich abging. Ganz selten ließen sich Bezüge herstellen zu dem politischen Hintergrund. Aber Soderbergh war sparsam im Liefern von Informationen, z.B., was der Ausgangspunkt der Revolution war. Er hat nur gezeigt, was es bedeutet, eine Revolution zu planen und durchzuziehen, aber das wurde dann akribisch gezeigt. Mit anderen Worten wimmelte es in dem Film von aneinandergereihten Kriegsszenen, dazwischen wurde gezeigt, wie rekrutiert wurde, aber auch welche Auflagen an Disziplin die Revolutionäre zu erfüllen hatten, und wie hart bei schwerwiegenden Vergehen durchgegriffen wurde. Aber die Szenen waren so merkwürdig zusammenhang- und bezuglos aneinandergereiht, so dass ich meistens nicht verstand, worauf der Fokus denn nun gerade gelegt wurde. Nee. Ich konnte mit diesem Film nicht warm werden.
Und über Che habe ich auch nicht viel erfahren. Vielleicht das Eine doch: Dass er ein prinzipientreuer und konsequenter Mensch gewesen sein muss. Ansonsten bekomme ich als schrecklich Geschichtsunwissende nicht gebacken, warum Che so ein Idol in der Studentenbewegung von 1968 geworden ist. Dieser Film half mir jedenfalls bei Beantwortung dieser Frage nicht im Geringsten weiter.
Ach so, ja. Und Humor fehlte auch gänzlich. So what? Die Chips waren gut. Aber sonst?

Für den zweiten Teil, wenn er ihn denn sehen will, muss sich mein Schatz eine andere Begleitung suchen. Mir hat dieser Film so etwas von gar nichts gegeben, dass ich auf den zweiten Teil nicht im Geringsten neugierig bin.

Auch dieser Film – wie mindestens die letzten beiden – ist eine echte Entdeckung: spannend und intensiv.

In einer szenisch ineinander verschachtelten Handlung rätselt man, was hier (vermeintliche) Realität, was Fiktion ist. Beides greift sehr künstlerisch ineinander, es werden Bezüge hergestellt aus der ‘echten’ Geschichte zu der erfundenen. Das sorgt für ein filmlanges Rätselraten, das aber nicht ermüdet, denn dafür sind die Szenen einfach zu spannend und intensiv.

Mit Fiktion und Realität wird hier auf allen Ebenen gespielt: Wie real ist noch ein Internet-Chat? Was gehen einen die Leute wirklich an, die im Internet über Konferenzschaltung bei laufender Web-Kamera ihre Meinung zum Besten geben? Simon beispielsweise wandert in einer Szene, der Diskussion folgend, in die Küche, um sich etwas zu essen zu holen. Das hat beinahe etwas von einem passiven Fernseh-Verhalten, jedenfalls hat es eine komplett andere Qualität als eine Diskussionsrunde mit den Teilnehmern zusammen in einem Raum. Die Farge nach Wahrheit stellt sich auch, als eine Frau ihre Großmutter vor die Kamera holt, um ihre in den Arm eingravierte KZ-Nummer zu zeigen, und wird prompt genauso halbvirtuell von einem Mann beantwortet, dessen Gravur heißt ’six million lies’. Wirklicheit und politische Auslegung liegen nahe beieinander…

Und das ist natürlich das Thema, um das es in dem Film geht: was bedeutet es, wenn ein Moslem seine nicht-muslimische, schwangere Verlobte mit einer Bombe ins Flugzeug setzt und sie für den Anschlag opfern will? Wie würde man sich fühlen, wenn man genau dieses Kind wäre, das dann doch geboren wird, weil der Anschlag rechtzeitig vereitelt wurde? Was macht es mit jemandem, wenn nur schlechte Meinungen auf jemanden niederprasseln? Das sind wirklich schwierige Themen, und ich habe wirklich selten einen Film gesehen, bei dem die Grenzen von Wirklichkeit, Emotion und Auslegung/Fiktion so dicht beieinander liegen.

Nicht nur um politsiche Dimensionen geht es auch in dem Vater-Sohn-Konflikt. Der Sohn hat kein Selbstbewusstsein, weil sein Vater ihn verachtet, und sein Weg als Versager ist dadurch schon vorgrammiert – self-fulfilling prophecy nennt man das. Und es gehört wohl eine Menge Rückrat – und vielleicht ein Ritual, wie Simon es durchführt – dazu, sich von den vorgefassten Meinungen bzw. Auslegungen, die schließlich die eigene Ansicht bestätigen (geschickt von der eigenen Erinnerung manipuliert), zu befreien. Simon schafft es, sich von der schlechten Meinung des Großvaters über seinen Vater zu distanzieren. Sein Onkel hat da schon größere Probleme, wirklich unabhängig zu werden.

Dieser Film war eine echte Entdeckung. Atom Egoyan, den muss ich mir merken.