Eine beeindruckende Umsetzung des Theaterstücks in ein Ballettstück ist John Neumeier da gelungen. Und die Auswahl der Musik dazu war grandios!

Es gab im ersten Teil, der in einem Rückblick Blanche Dubois’ Leben und Leiden beleuchtete, Musik von Sergej Prokofjew. Im zweiten Teil, der in New Orleans spielte, wurde Musik von Alfred Schnittke ausgewählt. Beide Stücke passten unheimlich gut zu der Stimmung in diesem Theaterstück. Was den ersten Teil angeht, habe ich dafür keine konkrete Erinnerung mehr, leider. Beim zweiten Teil mischten sich verschiedene Strömungen in der Musik; da gab es jazzige Sequenzen, sehr freier Jazz, der gut zu den Südstaaten passt, weil das Lebensgefühl so genau getroffen wurde, aber auch wirre, beinahe verklärte Passagen, die Blanches angegriffenen Gemütszustand treffend beschrieben. Dazu der Tanz, der sich oft von der Musik lösen musste, was zu einer großen Spannung führte zwischen Musik und Darstellung, und eben auch so gut zum Stück passte! Es muss sehr schwer sein, nach solcher Musik zu tanzen, quasi ‚gegen den Strich’ die Bewegungen auszuführen, und es gehört eine große Vorstellungsgabe dazu, so ein Stück überhaupt zu entwerfen! Meine Hochachtung!
Das war eine Glanzleistung auf der gut ausgeleuchteten und bespielten Bühne, und hat Spaß gemacht. Einziger Wermutstropfen war, dass die Musik vom Band kam.

So weit zu dem, was ich gesehen habe. Aber was habe ich gefühlt? Ich bin immer noch erstaunt, dass es nicht viel ist, was mir momentan Bühnengeschehen gibt. Im Theater war ich schon lang nicht mehr (außer im Kindertheater), und es zieht mich nach wie vor nicht hin. Ich verstehe es selbst nicht, denn Theater war mal eine ganz große Leidenschaft von mir! Und nun rührt es mich nicht mehr an. Ich sehe ja, wie gut das war. Aber: es spricht nicht zu mir. Vielleicht – und ich hoffe das – werde ich eines Tages verstehen, warum das so ist bei mir. Und vielleicht kommt die Leidenschaft ja doch einmal zurück.

Michael Jackson ist nicht tot. Er lebt weiter in seiner Musik und in seinem Tanz. Er lebt weiter durch diesen Film, und ich bin dankbar, dass ich ihn sehen konnte – im Kino.

Ich war nie MJ-Fan. Ich bin ja im Grunde genommen ein humorloser Medienmuffel, und wahrscheinlich nur so ist zu erklären, dass dieser Popstar mehr oder weniger von mir unbemerkt in einem Paralleluniversum neben meinem gelebt hat. Seine Musik hat mich schlicht und ergreifend nicht interessiert. Klar kenne ich seine Songs, aber ich hatte ihn nie dazu tanzen sehen. Und wenn ich sie nur im Radio gehört habe, hatten sie für mich nichts Außerordentliches. Aber diese Sichtweise hat sich jetzt geändert.

Warum bin ich eigentlich hineingegangen? Wäre MJ nicht gestorben, hätte ich ihn wahrscheinlich weiterhin nicht beachtet. Sein Tod hat mich gerührt. Vielleicht wollte ich wissen, was dran war an diesem Menschen, der hinter der Pop-Ikone steckt. Kann sein, dass so niedere Beweggründe wie Voyeurismus dahinter stecken. Egal. Denn dieser Film steigt darauf sowieso nicht ein. Sondern er zeigt, was gezeigt werden muss und was gezeigt werden will: Michael Jacksons Kunst.
Der Film bleibt beim Wesentlichen, nämlich dem Dokumentieren der Proben seiner letzten Bühnenshow. Und das ist sehenswert und beeindruckend!

Dieser Mann ist Musik, er tanzt sie, er ist perfekt in allem, was er auf der Bühne macht. Er ist ein totaler Profi mit einer riesigen Beherrschung seiner Selbst, sowohl, was seinen Körper angeht als auch seine Seele. Er ist beherrscht und kultiviert, wenn er während einer Probe Kritik äußert, er ist immer freundlich und gar zurückhaltend. Er ist immer geschminkt, trägt meist eine Sonnenbrille und versteckt sein Gesicht wie immer hinter seinen Haaren. Und doch: Ist er auf der Bühne, hat er eine Präsenz, die alle anderen Tänzer und Musiker aus seinem perfekten Team in den Schatten stellt. Und das, obwohl die anderen auch brillant tanzen, Instrumente spielen und singen. Und doch: An ihn kommt keiner heran. Er ist stark und klar in seinen Bewegungen, seinem Ausdruck, bei jeder Probe die in diesem Film ausgestrahlt wird (und, klar, das ist die Auswahl der stärksten Szenen, die gedreht wurden!). Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass die Tänzer, Musiker, Sänger aus seiner Crew ihn schon von Kindesbeinen auf an anhimmeln…?
Ich kann es verstehen, jetzt: Er ist einfach toll. In dem Film wird einmal gesagt, dass MJ Zugang zu den tiefsten Gefühlen hat. Und was er damit macht, ist, sie derart zu vervielfachen, dass eine ganze volle Konzerthalle davon entbrennt – das war auch im Kino spürbar.

Seine Gefühle in dieser Intensität auszudrücken muss ihn eine irrsinnige Energie kosten, und er bringt sie auf!
Es ist bewundernswert, was er seinem Körper abverlangen kann, spielend hält er mit seinen Tänzern mit, und er ist einfach der Beste, auch wenn er vielleicht 30 Jahre älter ist als sie…

Seine spirituelle Botschaft war ein großer Auftrag an die Menschheit. So wird die Tragik seines Todes doppelt deutlich durch diesen Film, der ihn als Menschen ja nicht einmal beleuchtet. MJ wollte diese letzte Konzertreihe wirklich, mit Haut und Haaren. Vielleicht war das zuviel.
Dennoch: Michael Jackson hat uns mit seiner Kunst ein großes Geschenk gemacht, und durch diesen Film lässt sich das einmal mehr erspüren. Seine Kunst ist das, an das ich denken will. Sein Privatleben, seine Versuche, sein Äußeres zu manipulieren, das ist tragisch, ich bin dagegen, dass jemand sich selbst oder anderen derartiges antut, um keinen Preis. So ist es jetzt gekommen. Und wenigstens lebt er durch seine Kunst weiter.
Vielleicht bin ich auch zu unkritisch. Michael Jackson war dem großen Druck nicht mehr gewachsen, der 50 Konzerte mit dieser Megashow bedeutet. Vielleicht wäre es ja auch richtiger, sich der kommerziellen Ausschlachtung seiner Person zu verweigern und den Film zu boykottieren, zu der die Kampagne ‘This is not it‘ aufruft. Ich finde seinen Tod ja auch mehr als tragisch und finde es immer furchtbar, wenn andere auf anderer Leute Kosten ihren Profit rausschlagen.
Andererseits hat Michael Jackson in seinen letzten Wochen etwas Tolles geleistet, wenn der Vorwurf, er wäre gedoubelt worden, nicht zutrifft. Dann nämlich ist er über sich hinausgewachsen, und das hat er getan, weiß Gott für einen zu hohen Preis, dennoch ist es ja seine Entscheidung gewesen.
Drogenabhängige Künstler und solche, die an ihren eigenen Ansprüchen zerbrechen, hat es auch schon vor Michael Jackson gegeben, was die Sache nicht besser macht. Nun ist von ihm nur noch seine Kunst da. Und die ist doch aber für uns, das Publikum!

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es gut kommt, den Film in einen kleinen Fernseher zu packen. Besser ins Kino gehen dafür, es lohnt sich.

Das war übrigens nicht ganz voll. Vielleicht auch gut, wenn sich das Publikum verweigert, innerhalb von zwei Wochen diesen Film sehen zu sollen, von den anderen Gründen, den Film zu ignorieren, ganz zu schweigen.

Der Film war ein Erlebnis, das ich nicht missen will.

Vaslaw Nijinsky war mir vor dieser Ausstellung eigentlich kein Begriff. Er war, wie ich dann erfuhr, ein bedeutender Choreograph und Tänzer, der ganz neue Strömungen in die Ballettwelt einbrachte; darüber hinaus malte er auch, und natürlich war zentrales Thema seines bildnerischen Werkes – die Musik und der Tanz.
Ein Teil der Ausstellung befasste sich mit dem Tänzer Nijinsky – und hier musste ich besonders lange verweilen, weil es so interessant war. Nijinsky ist einer der Mitbegründer des modernen Tanzes – so habe ich das eben verstanden – und was er mit seinen Bewegungen vollbrachte, war beinahe übermenschlich; eine Versuch der Trennung von Körper und dem natürlichen Bewegungsablauf, das ist wirklich modern! Wenn der Geist über das Körperliche hinauszuwachsen sucht in kraftvollen aber künstlichen, un- oder übermenschlichen Bewegungen, dann steckt da eine neue Sicht auf den Menschen und seine Welt hinter.
Zwei sehr spannende Filme – eine Dokumentation der Entwicklung des Tanzes, von der Klassik zur Moderne, und ein Film, in dem ein Tänzer versucht, durch seinen Tanz den an Schizophrenie erkrankten Nijinsky aus seinem Seelenkäfig zu locken, hielten mich auch noch auf, bevor ich dann endlich zu Nijinskys Bildern und denen seiner Zeitgenossen kam.
Nijinskys Bilder strotzen vor Bewegung und spielen mit dem Auge des Betrachters, das wiederum zu tanzen beginnt, wenn es den Linien folgt. Interessant. Mich haben vor allem die Gemälder von Sonia Delaunay-Klerk fasziniert, die mit viel Farbe die neuen Tänze mit seinen Bewegungen einzufangen vermochte.
Ich glaube, ich muss unbedingt einmal wieder ins Ballett gehen. Interessiert mich.
Die Ausstellung hat mir aber auch gut gefallen.

Zwei Stücke von Webern und zwei von Mozart standen auf dem Programm und wurden in zwei Sequenzen nebeneinandergestellt: Vor der Pause spielte das Ensemble Resonanz einen Satz für Streihorchester in D-Moll von Webern, ein Fragment, und im Anschluss Mozarts Konzert für Klavier und Orchester, K467. Nach der Pause dann Weberns opus 5, Fassung für ein Streichorchester, und dann Mozarts ‘Krönungskonzert’, K537.
Diese Zusammenstellung war schon mal sehr spannend. Ob mein Gehör ausreicht, um die Parallelen in der Musik Weberns und Mozarts zu erkennen, ist mehr als fraglich. Aber, vielleicht auch durch die Einführung, von der wir leider nur die Hälfte mitbekamen (dank an den HVV), ist mir aufgegangen, wie Mozart Dissonanzen in seiner Musik schon angelegt hat (freilich, um sie in wunderschöne Melodik aufzulösen), also vielleicht auch zu einem Wegbereiter der modernen Musik gehörte. Sorry, ich bin ja keine Musikwissenschaftlerin und will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen…

Wie dem auch sei: Das Ensemble Resonanz spielte Webern einfach wunderbar. Besonders das Fragment hat mich sehr beeindruckt mit all der Schmerzlichkeit, die sich in der Musik wiederspiegelte. Ich mochte aber beide, kann aber nicht so recht in Worte fassen, was diese Musik für mich bedeutet. Irgend etwas öffnet sich in meinem Kopf, wenn ich diese Musik höre, macht mich schwer und frei, als würde die Musik in Räume meines Kopfes – oder Herzens – oder in beide -vordringen, die sich sonst nicht öffnen können. Es ist ein ganz intensives Lebensgefühl. Es tut mir gut, diese komplizierte Musik zu hören, ich sollte es öfters tun. Aber das sage ich mir immer.

Na, und dann die beiden Klavierkonzerte mit Fazil Say am Flügel! Dieser Mensch ist beeindruckend, wie er mit der Musik schwingt, wie er in ihr aufgeht, mit ihr mitgeht. Das allein schon war ein Erlebnis. Selten habe ich Mozart so intensiv gehört wie an diesem Abend! So klar kamen die Melodien, so besonders waren die Klavierpassagen! Und Says Interpretation war auch beeindruckend subjektiv und modern. Ich habe noch nie gehört, wie die Töne manchmal tröpfchenweise aufs Klavier fallen, wie es fast etwas von einem Kinder-Abzählreim hat (fühlte mich erinnert an den Film ‘Amadeus’ von Milos Forman, wo es auch eine Passage gibt, wo Mozart jung, naiv aber unglaublich gekonnt sein noch naiveres Publikum mit einer leichten Klimperei beeindruckte ) – irgendwie wie eine Vollverarschung, aber dann kommen wieder die tiefen, vollkommenen Melodien, eine Harmonie, die in unfassbare Welten führt…

Der ganze Abend war ein wunderbares Erlebnis. Ein gelungenes Konzert, das vom Publikum begeistert aufgenommen wurde, nachdem man sich an den leisen Stellen von Weberns Stücken erstmal freigehustet hatte.

Es war bestimmt sehr freundlich gedacht, am Sonntag vor Rosenmontag ein Kinderkonzert aufzuführen, und passenderweise natürlich ‘Karneval der Tiere’ von Sains-Saëns. Warum man sich allerdings für eine Orgelfassung entschloss, als für ein großes Orchester? Mögen es die schnöden finanziellen Gründe gewesen sein, eine Schmalspur-Version zu Gehör zu bringen, oder sollte das besonders kindgerecht sein? Ich jedenfalls hatte mir darüber erstmal keine Gedanken gemacht, was sich als schwerer Fehler herausstellte.

Erstmal wurde natürlich auf die Kostüme der Kinder eingegangen, die zahlreich und mehr oder minder aufgeregt in ihren Kostümen auf der Bühne versammelt waren, dann wurde die Orgel als Instrument aufgeführt und erklärt, wie sie funktioniert, was meinen Sohn auch aufrichtig interessierte. Schließlich wurden noch ein paar Themen angespielt, in denen einige Tiere, die Saint-Saëns in seinem Stück vorstellte, besonders deutlich erkennbar waren. Und dann hätte es eigentlich schon zuende sein können.

Das klingt jetzt etwas fies, aber nach dieser halben Stunde oder so zog sich ein Leistungstief durch den Saal. Die Kinder waren eigentlich schon müde und überhaupt sehr ange- und aufgeregt wegen ihrer eigenen Kostüme.
Und warum fand ich die Orgel eigentlich so gedämpft und quakig?

Nun sollte es aber erst richtig losgehen mit dem Stück. Loriots Text wurde vorgetragen, und er fiel weit hinter das zurück, was Michael Quast auf der Musik-CD, die wir uns vorher angehört haben, brachte. Oder vielleicht kann es Herr von Bülow einfach auch besser rezitieren? Keine Ahnung. Ist auch nicht wichtig. Das Wichtigste sollte ja eigentlich die Musik sein, oder? Ich meine, deshalb bin ich ja mit meinem Sohn angereist.

Und dann das. Es war vielleicht nicht nur die Orgelfassung, die ja nun mal niemals ein ganzes Orchester ersetzen könnte. Aber wie sie gespielt wurde, war schlimm. Das ganze Stück war sozusagen klinisch befreit von jedem Witz und Verve.
Ich hatte also genug Muße, mich im Saal umzusehen. Viele Kinder liefen herum, waren mit sich und ihren Kostümen beschäftigt, hörten aber auf gar keinen Fall zu.

Und ich habe es probiert. Habe auch meinen Sohn immer wieder aufgefordert, sich für das Konzert zu interessieren, konnte ihm aber nicht verdenken, dass er vor Langerweile einging. Als echter Fischkopp hatte er fürs Verkleiden nichts übrig, aber das musste er ja auch nicht. Ab irgendeinem Zeitpunkt habe ich dann auch nicht mehr versucht, dem Konzert irgend etwas abzugewinnen, es war nämlich schlicht und ergreifend grottenschlecht. Langweilig und ohne Esprit.

Das Schlimmste ist, dass ich meinen Sohn sicherlich auf Jahre nicht mehr in ein Konzert bekomme. Und dafür bedanke ich mich. Diese Kinderkonzerte werde ich nicht weiter verfolgen. Schade, und hoffentlich hat es wenigstens keinen angerichtet, ich fürchte aber, doch.

Demnächst steht der Besuch einer Veranstaltung in der Musikhalle an, und da dachte ich, ist es nicht schlecht, wenn man sich schon mal ein wenig in die Musik hineinhört… Also habe ich aus der gutsortierten Stadtbibliothek die CD ausgeliehen, was eine ziemlich gute Idee war.

Michael Quast erzählt die Geschichte von den Tieren, die sich in andere Tiere verkleiden – erzählt von Fröschen, die zu Eseln werden, einer Kuh, die einmal gerne Elefant sein möchte, von Enten in Löwenkostümen, einem Kartoffelkäfer, der vom Leben und Leiden des Kuckucks erzählen will und von vielen anderen Tieren, die viele andere Tiere spielen, und das in unterhaltsamer Weise. Da macht die Musik gleich nochmal mehr Spaß…!

Und die ist toll! Ich kannte sie vorher nicht… Die Musik ist ja voll von Anspielungen und Zitaten aus der Musikgeschichte, für die sich Saint Saens ja ein wenig schämte, da er eigentlich nicht die Werke anderer Musiker verunglimpfen wollte. Aber zum Karneval ist doch so ein Spaß erlaubt… Köstlich ist der CanCan der Schildkröten, verzaubernd die Musik im Aquarium und einfach nur herrlich das ungleiche Spiel von Fingerübungen, um nur einige zu nennen.

Mir hat Michael Quasts Interpretation geholfen, mich dieser Programmmusik zu nähern. Die Bilder, die er findet, sind lustig und und stimmig. Die Vorfreude auf den anstehenden Besuch in der Musikhalle wächst…!!!!

Heute war ich mit meinem sechsjährigen Sohn im klingenden Museum zu einer Veranstaltung für 5-7-Jährige. Und der Besuch fand bei uns großen Anklang!

Und ums Anklingen ging es natürlich: In drei Räumen wurden uns verschiedene Musikinstrumente gezeigt, und benutzen durften wir sie denn auch. Doch vorher wurde eine kleine Geschichte zum Einstimmen erzählt. Es ging um einen König, seiner schönen Tochter, einem Riesen, der Hexe und einem kleinen Zwerg mit gelber Zipfelmütze und grüner Kreide in der Hand. Die Handlung spielte in einem Gebiet mit vielen Hügeln und Tälern. Und so wurden wir auch an die Musikinstrumente herangeführt: Der Zwerg hatte ein ganz ganz helles Lachen – wie man es auf einer Geige fabrizieren könnte; der Riese dagegen hatte ein dunkles, das ein Horn nachempfinden könnte. Wie die Hexe auf dem Besen fliegt, ließe sich anhand von Gitarrenklängen darstellen, und so weiter. So wurden die Klänge für die 5 bis 7-Jährigen erfahrber – erst recht, weil die Instrumente selbst auch getestet werden durften! Mein Sohn war mutig und hat sich gern die Geige zeigen lassen; andere Kinder waren eher skeptisch, versteckten sich auch mal hinter Mamas Rücken und schauten sich alles aus sicherer Distanz an. Aber auch die hatten, denke ich, was davon. Und spätestens an der Pauke sind sie dann auch aufgetaut.

Die Kinder wurden in zwei Gruppen zu jeweils 6 oder 7 Kindern geteilt, und damit konnte der Museumsführer den Kindern ganz gut gerecht werden. Geduldig hielt er die Posaune, reichte den Bogen für das Cello oder den Kontrabass oder ließ ins Alphorn blasen. Auch die Eltern durften mitmachen, natürlich ‚nur’ nebenbei. Aber da ich noch nie in ein Alphorn geblasen habe oder an einer Harfe saß, habe ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Und auch für mich ist es schließlich schön, die Vibration eines Kontrabasses zu spüren. Mit anderen Worten: Wir hatten alle Beide etwas von dieser Veranstaltung.
Mehr darüber auf der Website vom klingenden Museum in Hamburg.

Also, ich kriege ja fast eine Schreibblockade, wenn ich dieses wunderbare Konzert beschreiben will. Aber wohlan: frei nach meinem Motto (s.o.) werde ich mich nicht blamieren können. Fakt ist, dass ich leider nur selten ins Konzert gehe und von Musik nicht viel verstehe. Und dennoch zieht es mich in diese Konzerte.
Es wurde gespielt:
György Kurtág: Streichquartett op. 1 (1959)
György Ligeti: Streichquartett Nr. 2 (1968)
György Kurtág: Six moments musicaux op. 44 (2005) EA
Béla Bartók: Streichquartett Nr. 4 SZ 91
Ich fange mal an mit dem Stück von Ligeti, das mir am zweitbesten gefallen hat. Die Töne der vier Instrumente verschmolzen zu etwas ganz neuem, wunderbaren, als wären sie ein Zeichen, das auf ein ganz Neues, Unvergleichliches hinweist und sich allem Bekannten vollkommen entzieht. Das Flirren der Töne schien nichts mehr mit dem gemeinsam zu haben, wer oder was sie erzeugte. Ganz malerische Passagen entstanden dabei, aber nichts, was sich in Worte kleiden ließe. Jedenfalls nicht von mir.
Die zwei Stücke von Kurtág zeichneten sich durch wechselnde Dynamik aus: Laute, heftige Passagen die mich an die Hektik und Lautstärke der Alltagswelt erinnerte, wurden abgelöst von leisen Stellen, in denen mal ein Anklang an das Laute, aber auch mal eine ganz eigene, individuelle Stimme, die es eben auch noch gibt, zum Klingen gebracht wurde. So, als würde es trotz (oder vielleicht auch wegen) des geschäftigen Treibens doch immer auch das sehr persönliche, individuelle geben.
Am Ende des Konzertes stand das Streichquartett Nr. 4 von Béla Bartók, dem – ja wie soll ich sagen – ‚geistigem Vater’ der beiden anderen Komponisten (so in etwa haben Ligeti und Kurtág es selbst ausgedrückt). Obwohl dieses Stück schon von 1928 stammt, hatte es für mich die größte Klarheit und Entschiedenheit. So war dem Takt deutlich zu folgen (jedenfalls für mich Laien), was half, mich in dem Stück zurechtzufinden.
Alle vier Werke, so fand ich, mögen ja nach ihren eigenen wahrscheinlich sehr stringenten Regeln funktioniert zu haben, doch allen gemeinsam war, dass ich sie als sehr emotional empfand. Es klang für mich wie ein reiner Ausdruck der Gefühle, es sprach für mich die Frage nach der Möglichkeit, sich zurechtzufinden in dieser Welt oder vielleicht auch sonstwo. Flucht aus dem Jetzt – ist das möglich? Diesen Stücken nach zu urteilen, ganz sicher nicht. Wozu auch? Da es sie ja hier gibt?
Ein tolles Konzert.
Weiter werde ich mich mit der Frage herumplagen müssen, warum es mich in diese Konzerte – speziell des Arditti-Quartetts, das ich vielleicht insgesamt 4 mal live spielen hörte – zieht. Sie sind mir viel wert, diese Momente des Hörens von abstrakter Musik, selbst wenn ich weder wirklich was davon verstehe noch viel dazu beitrage, dies zu ändern. Es ist gut, einfach gut, dass es etwas ganz anderes gibt, was keinerlei Berührungspunkte mit meinem sonstigen Denken, Fühlen oder Handeln gibt. Ja, vielleicht ist es das, weswegen ich diese Musik so schätze.

Sie hat ihre schweren Momente, diese Oper, in jeder Hinsicht: Die Handlung ist düster, die Musik atmet die seelischen Abgründen der Figuren.

Als ich vorbereitend das Libretto las, habe ich über die krude Handlung, die besser hier nachzulesen ist, eher den Kopf geschüttelt. Eine komische Handlung. Allein schon das Zeichen: Eine Frau ohne Schatten als Symbol für Unfruchtbarkeit, schien mir zunächst, naja, ich sag mal: exotisch. Doch durch die Inszenierung verschob sich dieses Bild, das Ganze ist denn doch schlüssiger als zunächst verstanden, das Bild setzt sich auf der Bühne durch Musik, Gesang und Bühnenbild eben erst ganz zusammen.

Das Bühnenbild, erdacht von Kaspar Glarner, hat durch seine zum Teil starken Kontraste von Schwarz-Weiß eine sehr gute Entsprechung zum Bühnengeschehen gefunden. Insgesamt hatte es auch eine Leichtigkeit durch die benutzte Gaze und den teilweise angewendeten eher abstrakten Draufblendungen etwas extrem Wandlungsfähiges und wunderbar Ästhetisches, oft auch etwas Traumhaftes.

In dem Stück geht es um die Selbstüberwindung – und die Liebe. Und um Leben, das hier den Gegensatz zum Geist-Sein, dem durchsichtigen, unsterblichen aber auch unmenschlichem Sein.
Die Amme, Teil der Geisterwelt, verkörpert das Harte, Rücksichtslose und das verächtlich-unmenschliche. Die Kaiserin, deren Schatten fehlt, weil sie zwar die Menschen liebt, aber selbst keiner ist, sehnt sich nach dem Leben, will keine Schuld auf sich laden durch die drohende Versteinerung ihres Gatten. Denn die Geisterwelt ist ungerecht: Weil der Kaiser eine Gazelle erjagte, aus der die wunderschöne Frau sich herausverwandelte, soll er nun den kürzeren ziehen, da er sie nach einem Jahr nicht schwängern konnte (sprich die Frau keinen Schatten werfen kann, aber wie auch, dies ist ihr als Geistertochter nicht gegeben).

Die frustrierte Färbersfrau dagegen ist mit sich und dem Leben unzufrieden, weil sie nach über drei Jahren auch noch nicht schwanger ist, was sich ihr Mann, ein rechtschaffener Arbeiter, herzlich wünscht. Sie verwechselt ihre Gelüste auf Zerstreuung und andere Männer mit dem eigentlichen Kinderwunsch.

Die Amme will im Namen der Kaiserin dieser einfachen Frau den Schatten abkaufen und verspricht ihr ein Leben voller Lust und ohne Kinder. Doch geht sie zu forsch vor, die Färberin macht nicht mit. Im Moment der Offenbarung gegenüber ihrem Mann, dass sie mit dem Gedanken, fremdzugehen, spielte, erkennt sie die Liebe, die er für sie hegt. Und endlich ist sie in der Lage, sich auf ihn ganz und gar einzulassen. Dummerweise hat sie den Schatten eigentlich schon verkauft. Der Handel wäre aber erst perfekt, wenn die Kaiserin den Schatten auch nehmen würde. Doch diese hat die große Güte und Liebe des Färbers erkannt und verweigert die Annahme. Sie will nicht die Schuld tragen an dem Unglück anderer zu ihrem eigenen Vorteil.

Dazwischen die Amme, die nach den Geister-Gesetzen keine Menschlichkeit kennt: Sie (es sang wunderbar verächtlich: Gabriele Schnaut) ekelt sich vor dem Lebendigen, Verwesendem, das den Menschen anhaftet.

Dramatisch war diese Szene: Die Kaiserin soll von diesem Lebensquell trinken, der den Handel besiegeln würde, steht wie eine Verdurstende, man nimmt ihren Kopf, stößt ihn schon beinahe in die Schale mit dem Lebensquell, der ja auch Erlösung ihres bereits zu 99 % versteinerten Mannes bedeuten würde. Und doch widersteht sie der Versuchung, befreit sich.
Und beweist damit ein menschliches Handeln, das über sich selbst hinaus weist. Sie hat sich überwunden, hat niederträchtigen Handlungen widerstanden, die die Amme ihr (und auch der Färbersfrau) einzureden versuchte.

Und weil sie damit ihre soziale Kompetenz  bewiesen hat, wird sie belohnt, mit einem Schatten, und der Wiedererweckung ihres Gatten. Endlich erkennt auch die Färbersfrau ihren Gatten (ich mag diese Redewendung, die so viel Wahrheit birgt) und diese Beiden finden nun ebenfalls zu ihrer Liebe zueinander und die Ungeborenen das Tor zu dieser Welt.

Das Schlussbild: wieder ungemein ästhetisch wenn auch kitschig: Zwei Inseln mit kleiner Brücke und blühender Zierkirsche – das Idyll des Kleinbürgertums - , ein wunderbares Bühnenbild, wenn auch übertrieben; denn auch ein Kinderwagen steht da plötzlich… Das ist vielleicht nun mal der Traum des ‘kleinen Mannes’…
Puh, vier Stunden voller gefühlsmäßig aufgeladener Musik, das hat aufgewühlt. Schön war es.

Mein Sohn ist fünf Jahre und hat noch wenig Theatererfahrung, zumal es ihm schnell zu spannend wird und er dann Angst bekommt. Letzte Woche waren wir aber im Kindertheater, es gab ‘Die Zauberflöte’ für Kinder ab 4-104 Jahre von 2 wackeren Schauspielern (ein Mann, eine Frau) aufgeführt, die sich alle Rollen in ihrem selbstverständlich stark gekürzten Stück geteilt haben. Mein Sohn wäre ja beinahe schon am Anfang, als die Schlange kam, herausgelaufen, ich konnte ihn aber noch halten, und später war er auch froh, denn es hat ihm dann auch sehr gut gefallen.

Die beiden Schauspieler vom ‘Wunderland-Theater’ waren sehr behutsam und liebevoll mit den Kindern und gaben sich große Mühe, keine Zauberei zu zeigen, die den Kindern Angst einjagen könnte, wofür ich ihnen sehr dankbar bin – und mein Sohn auch.
Sie brachten das Stück den Kindern nahe, ohne sie wirklich zu überfordern (für meinen Sohn war es dennoch auf jeden Fall eine Herausforderung). Der ganze Theatersaal ging super mit, es war eine gelungene Aufführung, und da machte es nichts, dass die Schauspieler nicht besonders singen konnten (meistens wurde aber sowieso gesprochen, die haben keine Oper gespielt, es war Theater mit einigen musikalischen Einlagen).

Heute nun war mein Sohn etwas krank, und ich als wahrscheinlich überkulturbeflissene Mama habe ihm die Zauberflöte für die Erwachsenen auf Kassette angestellt, eine vielleicht zweifelhafte Tat. Ich habe ihn allerdings auch dauernd gefragt, ob er es noch hören will oder ob ich es ausstellen soll, er wollte es aber hören, und ich hörte mit und erklärte ab und zu, wer da gerade mit wem sang. Ob er ernsthaft folgen konnte, werde ich wahrscheinlich erst morgen aus seinen Kommentaren heraushören.

Ich liebe diese Musik. Sie erinnert mich an die Anfangszeit meines Theaterwissenschaftlichen Studiums in Berlin, an einen meiner ersten belegten Kurse bei Knut Sommer, der Dramaturg an der Deutschen Oper war (oder noch ist??? Nach 20 Jahren? Naja, wer weiß). Es war so toll: wir Theaterwissenschaftler haben mit den dazugeladenen Sängerstudenten  über das Stück und die Interpretation geredet, die Sänger probten dazu einige Ausschnitte. Damals hatte ich das Gefühl, genau dort angekommen zu sein, wo ich hinwollte. Und nun, heute, 20 Jahre später, bin ich irgendwie wahnsinnig weit weg davon, was mich etwas traurig stimmt. Dennoch genieße ich die Musik und auch die Erinnerungen sehr daran.

Vielleicht ist das Schwierigste im Leben, ganz man selbst zu werden. Seine eigenen Phantasien umzusetzen, bei dem zu bleiben, was einen wirklich berührt. Wichtig zu sein, für die Kunst, wenn es das ist, was einen umtreibt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich schon näher dran war.

Aber diese Erkenntnis bringt mich vielleicht auch wieder ein Stück in die richtige Richtung – diese Hoffnung will ich nicht aufgeben. Oder vielmehr will ich dies erneut – und wie oft wohl noch? - als meine Richtung erklären. Bis ich sie tatsächlich einschlage.