Ausstellung Helene Schjerfbeck in der Hamburger Kunsthalle

Veröffentlicht: 5. Mai 2007 in Kultur, Kunst

Radikal, forschend, faszinierend sind die Gemälde von Helene Schjerfbeck. Sicherlich nicht unbeeinflusst durch die Kunstströmungen ihrer Zeit schaffte sie es dennoch, ihren eigenen Stil zu finden und suchte ihr Leben lang weiter und weiter. Was sie an Kunstwerken hinterlassen hat, ist persönlich und radikal zugleich.
Helene Schjerfbeck hat es wohl nicht besonders interessiert, dass ihre gewählten Sujets umstritten waren. Sie entwickelte ihre ganz eigenen Formen dabei, vielleicht war ihr dies sogar noch wichtiger als die Bildwahl? Trotz Kritik an jener arbeitete sie konsequent weiter an den Bildthemen, die sich ihr boten – und das waren vielleicht nicht immer viele.
So zog sie sich mit 40 Jahren krank mit ihrer Mutter in die Provinz zurück und lebte 15 Jahre mit ihr in einem Zimmer. Und das, obwohl sie in Paris schon ein eigenes Atelier besessen hatte. Ihre Mutter aber, so habe ich in der Ausstellung erfahren, war von der künstlerischen Tätigkeit ihrer Tochte ohnehin nicht angetan – dabei war ihre Tochter vor ihrem Rückzug bereits erfolgreich. Etwa 50-jährig startet Helene Schjerfbeck noch einmal voll durch – wenn man das so sagen darf. Sie war zu Lebzeiten berühmt und geehrt, und dennoch blieb sie ganz bei sich und ihrer Kunst.
Was ich besonders interessant fand, waren die Gemälde, die sie zweimal malte – im Abstand von ca. 30 Jahren! Die ersten Gemälde wie z.B. das in der Bäckerei, ‚die Schattenwand’ oder das wunderbare Bild ‚Die Genesende’ waren detailreich ausgearbeitet und meisterhaft durchkomponiert, an Klarheit nicht zu überbieten. Die Gemälde, die später das selbe Motiv zeigten, waren dagegen in den Farben zurückgenommen, verschwommener und spröder anzuschauen. Die Bildkomposition blieb die Gleiche. Worum ging es Helene Schjerfbeck? Sie war eine große Forscherin, denke ich und hat ihren Stil immer und immer wieder überdacht und ausprobiert. Und übte sich immer weiter an Reduktion. Was ist wichtig? Immer weniger Schnörkel und Details wurden ausgeführt bis hin fast zu einer abstrakten Auflösung des Sujets (wie z.B. in dem spät entstandenen Stilleben ‚drei Birnen’).
Doch was für mich der absolute Höhepunkt war (und bestimmt nicht nur für mich): Ihre Selbstbildnisse, die sich wie ein roter Faden durch ihr Schaffenswerk ziehen. Unbarmherzig und radikal verfolgte sie bis zu ihrem Tod ihren eigenen körperlichen Verfall und reduzierte gleichzeitig die Darstellung ihres Gesichtes immer noch mehr auf das Wesentliche. Wie hart gegen sich selbst muss man sein, um das auszuhalten? Diese Konsequenz und auch der Mut, sich dem Tod gegenüber zu stellen, ihn in seinem eigenen Gesicht aufgehen zu sehen und ihn zugleich darzustellen, macht mich sprachlos. Gleichsam sprechen die Blicke aus ihren Selbstbildnissen mit dem Betrachter, ziehen diesen in das Bild hinein bis hin zu einer bestürzenden Verschmelzung.
Dieses uneitle, forschende, konsequente Schaffenswerk, das sich immer mehr auf das Wesentliche konzentrierte gehört mit zu dem faszinierendsten, was ich, glaube ich je gesehen habe.

Link zur Hamburger Kunsthalle

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Kommentare
  1. Kirsten sagt:

    Wie lange läuft die Ausstellung eigentlich noch? Die wollte ich auch noch gerne sehen, und nach dem Bericht erst recht! 😉

    Ich kenn bislang etwas genauer nur „Die Genesende“ und bin davon ganz verzaubert…

  2. kutabu sagt:

    Au, @Kirsten, sorry. Die läuft nicht mehr. Ich war am vorletzten Tag da. Am 6.5. war Schicht im Schacht.
    Das ist leider wirklich ziemlich doof, denn wer weiß, wann man die Bilder wieder sehen kann in dieser komplexen Zusammenstellung. 1983 gab es in Hamburg die letzte Ausstellung, in der Helene Schjerfbeck als eine von sieben Künstlerinnen vertreten war – vielleicht wäre ich selbst gar nicht in diese Ausstellung gegangen, wenn ich damals nicht ihre Werke entdeckt hätte.
    So können wir nur hoffen, dass Helene Schjerfbeck bekannter geworden ist und es mal wieder eine Ausstellung gibt.
    Aber ich habe zwei Tipps für Dich von sehr interessanten Ausstellungen, beide laufen derzeit:
    ‚Die Erfindung der amerikanischen Malerei‘ im Bucerius Kunstforum bis 28.5. (http://www.bucerius-kunstforum.de) und ‚erwin wurm: das lächerliche leben eines ernsten mannes. das ernste leben eines lächerlichen mannes.‘ (http://www.deichtorhallen.de/539.html). Die amerikanische Ausstellung habe ich heute gesehen (s. Bericht) und lohnt sich unbedingt. Und Erwin Wurm kenne ich auch noch nicht, kann aber witzig werden und zu einem Familienausflug taugen.

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