Der Tarotgarten von Niki de Saint Phalle

Veröffentlicht: 27. Juni 2007 in Kultur, Kunst, Reisen

– Besuch am 30.5.07 –
Liebe und Tod, Schmerz und Freude, Lust, Gerechtigkeit, die Planeten, Göttlichkeit, Unendlichkeit – welche Themen werden von den Tarotkarten nicht berührt? Ich glaube, es gibt keine! Aus den Schätzen uralter Kulturen verschiedener Länder haben sich in den Tarotkarten universale Motive und Symbole angesammelt. Und in diesen riesigen Schatz hat Niki de St. Phalle ihre ganz eigene Phantasie und Lebensauffassung einfließen lassen und den traumhaften, den phantastischen Tarotgarten – Giardino dei Tarocchi –  in der Toscana auferstehen lassen.

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Grundlage waren die 22 Karten des großen Arkana, die sie auf relativ engem Terrain zu teilweise riesigen Skulpturen verarbeitete. Und nun stehen und wirken diese Figuren, die zum Teil von innen begehbar und mit spiegelnden Mosaiken ausgestattet sind, verzücken und verrücken die Besucher in eine phantastische Sagenwelt, fordern auf zu träumen und zu sinnen.

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Mit dem Tarotgarten hat sich Niki de St. Phalle einen eigenen Traum verwirklicht. In der Figur der Kaiserin, eine mächtige blaue Figur mit einem Balkon, der Ausblick in die toscanische Landschaft gewährt, baute sie sich eine Wohnung ein, in der sie während der Entstehungsphase lebte und arbeitete. Es ist eine mit tausenden von Spiegelstücken ausgeschlagene eigene Welt mit Küche, Klo und Bett, der Inbegriff eines Traumes, einer Traumwelt, die zur Wirklichkeit wurde.

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Auch nach Stunden des Herumlaufens zwischen den Skulpturen lassen sich immer noch neue Motive, Aspekte, Gedanken und Träume in den bzw. durch die Figuren finden, ein riesiges, umfassendes Werk ist das.
Das alles ist in die Natur auf diesen Hügel eingebettet, so dass einem beim Hindurchwandeln immer wieder Düfte von den Sträuchern in die Nase steigen.
Der Kaiser bzw. der Hof desselben ist neben der bereits erwähnten Kaiserin-Skulptur die größte Anlage. In ihm befinden sich die sinnlichen Gespielinnen, aber auch Totenköpfe, Herzen und Symbole, als wolle er die Themen der Welt umspannen.

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Gleich daneben steht der ‚Turm zu Babel’, durch einen Blitz ist der obere Teil abgebrochen (so wird die Karte auch z.B. von Waite dargestellt). Der Blitz wird symbolisiert durch eine sich ständig bewegende an ein Fahrrad erinnernde Skulptur (von Jean Tinguely, der sich ebenfalls sehr intensiv in den Garten einbrachte). Die Karte bedeutet nicht nur Zerstörung, sondern auch das, was dadurch möglich wird: Das Aufbrechen eines Gedankenkonstruktes beinhaltet die Möglichkeit der Erneuerung, Offenheit für neue Gedanken, Impulse und Aspekte, die die selben Dinge von einer ganz anderen Sicht beleuchten.

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Auch „Die Welt“ dreht sich auf einem komplizierten Gerüst um ihre eigene Achse. Wie sicher steht sie? Wird die Maschinerie unter ihr irgendwann versagen, oder wird sie von ihrem eigenen Sockel gestoßen?

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Niki de St. Phalles Mann, der Schweizer Künstler Jean Tinguely arbeitete fleißig an dem Skulpturengarten mit und brachte mit seinen Maschinenkonstrukten sinnhafte Bewegung in den Garten.

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Der Tarotgarten hat uns viel Spaß gemacht und ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Er liegt nahe der toscanischen Küste bei Capalbio.

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Kommentare
  1. Prem Kasina sagt:

    danke für den Tipp… werde ich mir ansehen, wenn ich mal wieder meine Toscana-Schwester besuchen gehe…

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