‚Abbitte’ – Film von Joe Wright

Veröffentlicht: 23. November 2007 in Filme, Kino, Kultur

Ist die Vorstellung einer Wiedergutmachung nicht vielleicht ähnlich zu bewerten wie die Gutmachung selbst, wenn eigentlich gar keine mehr stattfinden kann? Die Vorstellung ist es doch immer wieder, die die Realität erträglich macht, zum Durchhalten auffordert, das Weitermachen möglich macht. In ganz vielen Facetten geht es hierum in diesem wunderbaren Film, es ist einer der besten Filme, die ich dieses Jahr sehen konnte.

Es ist eine interessante Erzählweise (ein meisterhaftes Drehbuch von Christopher Hampton, dessen ‚Gefährliche Liebschaften’ – auch dafür schrieb er – unvergesslich sind): Immer wieder gibt es Passagen, in der zu verschiedenen Zeiten und mit einer ungeheuren Intensität aus verschiedenen Perspektiven die Geschichte neu angesetzt wird, aber so klar, dass man sich im Zeitstrang dennoch zurechtfinden kann. Wunderbare, eindrucksvolle Bilder entstehen auf der Leinwand, die bis ins kleinste Detail nicht nur ein Augenschmaus bedeuten, sondern auch noch die Gefühlswelt der Protagonisten verdeutlichen – einfach perfekt.

Dazu eine Musik, die diese Emotionalität genial unterstreicht. Die Schauspieler haben mich alle völlig überzeugt. Ganz toll James McAvoy, der mir in ‚Geliebte Jane’ schon so gut gefiel, konsequent Keira Knightley und beeindruckend Saoirse Ronan, die 13-jährige Schwester. Na, und Vanessa Redgrave setzt mit ihrer ungeheuren Intensität ganz am Ende dem Ganzen einen phantastischen Schlussakkord .
Die Bilder von den Kriegswirren und dem Elend, die Szenerie in Dünkirchen spiegelt eindrucksvoll und grauenhaft, was Krieg bedeutet. Und gleichzeitig glänzt die Kameraführung durch große Eleganz, ein Augenschmaus trotz zum Teil heftiger Bilder.

Der Film war ein Erlebnis, unbedingt, und die 130 Minuten vergingen wie im Fluge. Und wie es auch unter filmstarts.de zu lesen ist, finde auch ich, dass er gern noch hätte länger sein können, um einige Passagen noch auszuweiten. Aber das ist eigentlich doch Krittelkram, vielleicht macht den Film genau das so perfekt und eindrucksvoll, dass man sich die Odyssee der Protagonisten über 3 ½ Jahre aus den Fakten selbst erdenken muss.

Ein dolles Team, dieser Joe Wright, Christopher Hampton, Jean-Yves Thibaudet (Musik) und Seamus MvGarvey (Kamera), von den Schauspielern ganz zu schweigen. Mehr davon!

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Kommentare
  1. Ronan Saoirse war fuer mich der beste Part im Film. Ein noch unverbrauchtes Gesicht, dass das vertraeumte Kind sehr gut wiedergab.

    Was hast von der Lola gehalten?
    Nur kurze Auftritte, aber einmal als verfuehrerisches Maedchen und das andere Mal als gebieterische, arrogante Schwester.
    Hat mir noch gut gefallen.

  2. kutabu sagt:

    Ich fand sie auch großartig! Das Laszive einerseits und die Unschuld andererseits… Eine wunderbare Szene mit dem Schokoladenfabrikanten und den Zwillingen im Zimmer – das war klasse gespielt! Ich bin sicher, dass man sie mal wiedersieht.

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