‚Die große Liebe’ – Roman von Hanns-Joseph Ortheil

Veröffentlicht: 15. Juni 2008 in Bücher, Kultur, Literatur

Ich muss zugeben, dass ich das Buch recht lustlos zu lesen begann, beruhte es doch überhaupt auf einem Missverständnis, dass es in meine Hände geriet. Immerhin passte das Buch zu unerer Italienreise, insofern habe ich es überhaupt angefangen.
Und weitergelesen.

Es ist die Geschichte einer – der – großen Liebe, ganz stringent erzählt, aber ausgeschmückt mit den Impressionen, die ein kleiner Ort am Meer an Italiens Adriaküste zu bieten hat. Das Meer, der Strand, die Meeresbewohner und die, die an der Küste leben, werden beleuchtet in einem manchmal ironischen Ton, jedoch immer wohl gesetzt. Dabei spielt das Kulinarische eine große Rolle, der Wein, Frutti di Mare…

Nun, und ER lernt SIE kennen, beide holt die große Liebe ein, spät, ganz frisch sind sie beide nicht, aber sicher noch keine 40 Jahre. So ist es von beiden eine ganz selbstbestimmte Entscheidung, sich aufeinander einzulassen, für beide ein ganz klarer Weg, wenn auch diese Liebe angefeindet wird.

Das war schön zu lesen, so leicht wie eine Sommerbrise am Meer… Anderes fand ich konstruiert und gestelzt, fast jede andere Begegnung, die die männliche Hauptperson (ein Deutscher, der beruflich in dem Ort zu tun hat) hatte, gefiel mir nicht. Warum freundet er sich so fett mit dem Hotelangestellten an? Außer, dass diese Freundschaft als dramaturgischer Kniff dient, um wichtige Informationen einzubringen, habe ich keinen anderen Hintergrund, keine andere Motivation für diese Freundschaft erkennen können. Austern essen mit dem Hotelangestellten im traumhaften Ambiente? (Ich dachte schon, der Witz wäre daran, dass der Hotelfritze schwul ist, anders konnte ich mir dieses Stelldichein nicht erklären. Aber es war dann nicht so). Das war mir zu  dünn und zu unmotiviert; auch andere Begegnungen waren mir zu aufgesetzt und konstruiert, wirkten nicht echt.

Und dennoch gefiel mir der konsequente Stil in dem Buch, die Gradlinigkeit, mit der die Geschichte erzählt wurde. Es gab einige Dialoge (wie z.B. der zwischen dem Ich-Erzähler und dem Vater seiner Angebeteten), die wirklich sehr gut geschrieben waren und mir Freude machten.
Alles in allem habe ich das Buch ganz gern gelesen und wäre auch gespannt gewesen, wie es mit der großen Liebe weitergeht, wie sie sich mit der räumlichen Distanz (München-Adriaküste) und vielleicht auch dem kulturellen Unterschied gegen den Alltag behaupten kann. Aber das wäre dann wohl Stoff für eine Fortsetzung.
Ansonsten bleibt nicht viel für mich übrig. Dazu hatte mir der Roman dann doch zu wenig Tiefgang.

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