‚Die glücklichen Inseln hinter dem Winde’ – Roman von James Krüss

Veröffentlicht: 20. November 2011 in Bücher, Kinderkultur, Kultur, Literatur

Unser rotes Sofa ist wie ein Schiff, das uns ins Reich der Phantasie herumführt, wenn wir drei es uns darauf gemütlich machen und unserer liebgewordenen Gewohnheit, uns Bücher vorzulesen, nachgehen. Und diesmal führte es uns zu den ‚güklichen Inseln hinter dem Winde’.

Eigentlich ist James Krüss ein Kinderbuchautor, der nun wirklich auch bekannt ist. Dennoch – auch wenn meine Eltern mir von ihm erzählten – so recht kennen gelernt habe ich seine Werke zu meiner Kinderzeit nicht mehr. Und auch jetzt ist er eher vergessen, so scheint es, dabei vollkommen zu Unrecht. Denn vielleicht kann man sagen, dass das Erzählen aus der eigenen Phantasie nicht ganz en vogue ist – aber es ist einfach wunderbar!

Wir als alte Helgoland-Freunde sind natürlich vor Jahren schon auf ihn gestoßen, denn das kleine Museum in Helgoland http://www.museum-helgoland.de/html/james-kruess.html hat James Krüss eine eigene kleine Ausstellung in ein paar kleinen Büdchen gewidmet. Da gibt es auch noch mindestens sehr viele, ich weiß nicht, ob alle, Werke zu kaufen. Den Insulanern ist James Krüss natürlich noch sehr geläufig; er ist regelmäßig auf die Insel seiner Kindheit zurückgekommen und hat die Kinder der Insel mit Lesungen beglückt.

Nun aber ‚Die glücklichen Inseln hinter dem Winde’: Krüss ist Insulaner, hat schließlich seine Kindheit und Jugend in Helgoland verbracht und hat auf Gran Canaria seinen Lebensabend verbracht. Und Inseln machen irgendwie von sich aus schon glücklich.
Diese nun aber ganz besonders: allein der Untertitel des Romanes sagt schon einiges aus: „Die wunderbare Reise des Kapitän Daworin Madirankowitsch und seiner Passagiere zur Honiginsel, zur Friedensinsel, zur Spielinsel, zur Insel der Türme, zur Insel, wo die Geigen wachsen, zur Pinselinsel, zur Napfkucheninsel und zur Insel der schönen Wahrheit, erzählt von ihm selbst, aufgeschrieben von James Krüss für alle, die glücklich sind oder es werden wollen.“

Wen wundert es, dass man die glücklichen Inseln nur erreichen kann, wenn man jemanden an Bord hat, der am ‚Glückliche-Inseln-Tag“, dem 24. Juni, Geburtstag hat? Das und eine Portion Zufall führen nun diesen Kapitän samt seiner Besatzung zu der sagenhaften Inselgruppe, in der man nur glücklich sein kann. Bestimmt ist das Jahr des  ersten Besuches kein Zufall: 1945, also Kriegsende.

Und was die Besatzung dort alles erlebt: Streit gibt es nicht, eher eine Gleichberechtigung aller Menschen und Tiere, die problemlos miteinander kommunizieren können, leben alle ihre ganz individuellen Träume. Manche sind hinter dem Honig her; andere lieben es, sich ihre Träume aufzumalen und zum Leben zu erwecken, andere bauen mithilfe von Musik Bauwerke ganz nach ihrem Gusto. Alle können glücklich leben, weil alle genau so leben können, wie sie wollen. Klar, dass einige aus der Mannschaft lieber da bleiben wollen!

Ich denke, es ist ein Buch voller Symbolik und viel tiefgründiger, als wir es auf unserem roten Sofa wirklich erfassen konnten. Es ist eine Utopie, die Krüss vielleicht auch für sich selber schrieb. Es war einfach schwer zu Zeiten seines Wirkens im öffentlichen Fokus zu stehen und gleichzeitig seine damals noch verpönte Homosexualität zu leben. Er soll, das geht aus einem Film hervor, den ich vor einiger Zeit gesehen habe, wohl deswegen erpresst worden sein, schließlich hatte er auch eine eigene Fernsehsendung. Auf Gran Canaria aber konnte er dann wenigstens in aller Zurückgezogenheit friedlich mit seinem Lebensgefährten sein. Ein Glücklicher auf einer Insel? Ich hoffe es sehr.

Ein Glück, dass das mit der Diskriminierung in Deutschland ein Ende hat, dass homosexuelle Prominente (und Nicht-Prominente)  kein Versteckspiel mehr spielen müssen. Vielleicht sind wir ja dadurch den ‚Glücklichen Inseln’ auch ein Stückchen näher gekommen? Schön wär’s…

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