‚Wie beim ersten Mal‘ – Film von David Frankel

Veröffentlicht: 7. November 2012 in Filme, Kino, Kultur

Der Trailer war witzig, der Film eigentlich nicht – was ja nichts macht. Die Thematik war auf jeden Fall berührend, denn es geht um eine langjährige Ehe, in der der Lack so was von ab ist. Doch die Gattin begnügt sich nicht mehr länger mit der Rolle der Hausfrau (klasse gespielt von Meryl Streep), die mit ihren persönlichen Bedürfnissen, ihrer Sehnsucht nach Liebe und ihrem Wunsch nach einem lebendigen, erfüllten Leben einfach gar nicht wahrgenommen wird.
Der Ehemann ist überzogen muffelig, es dürfte allen klar sein, was für eine Zumutung so ein Mensch im Eheleben wäre. Ihm ist auch gar nicht nach Veränderung, doch wenn dies bedeuten würde, dass er am Ende allein dasteht, wenn er nicht mit seiner Frau mitzieht, macht er gute Miene zum ‚bösen‘ Spiel, und lässt sich auf diese Paartherapie ein, die es in sich hat.

Ganz schnell schon kommt der Therapeut auf die springenden Punkte zu sprechen. Man solle sich über seine sexuellen Bedürfnisse austauschen, und es gibt Aufgaben zu bewältigen, die im 31. Ehejahr dieses Paares (aber anderer Paare am Ende auch) keine Selbstverständlichkeit mehr ist, wie zum Beispiel sich einfach mal in den Arm zu nehmen.
Hochgradiges Experimentieren mit den seelisch sehr schmerzhaften Misserfolgen ist Teil der Therapie, und beide gehen an ihre ganz persönlichen Grenzen und über sie hinaus. Der Leidensdruck verstärkt sich.

Das hier ist keine Komödie, es ist eher ein Drama, aber eines, das recht realistisch zeigt, wie hoch Mauern sogar in einer vermeintlich intakten Ehe sein können. Und es macht auch deutlich, wie schwer es ist, eine wahre Gemeinschaft zu bilden. Ehen zerbrechen oft schnell, noch während die Kinder klein sind. Doch wenn sie aus dem Haus sind und das ehemalige Liebespaar im Alltag keine größeren Verpflichtungen mehr hat, ist es doch eine Kunst, wieder zur Liebe zurückzufinden.

Da es ein amerikanischer Spielfilm ist, muss ich wohl nicht großartig erwähnen, wie er am Ende ausgeht.
Der Film hat uns berührt und nachdenklich gemacht. Wir kennen uns ja auch schon länger als mein halbes Leben, der Alltag zwingt uns, zu funktionieren, und es bleibt das eine oder andere auch auf der Strecke. Es war ganz gut, uns das nochmal bewusst zu machen.

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