‚Lore’ – Film von Cate Shortland

Veröffentlicht: 21. November 2012 in Filme, Kino, Kultur

Dies war ein wahrlich besonderer Film – denn er ist auf einen Aspekt des zweiten Weltkriegs bzw. seinen Folgen gerichtet, über den ich mir bislang noch gar keine Gedanken gemacht habe. Es ist ein Film über fünf Kinder, deren Vater Hitler in einer Führungsposition bedingungslos folgte – und den dessen Selbstmord in die Flucht trieb bzw. der nun für seine Taten zur Verantwortung gezogen wurde. Seine Frau verlor komplett an Ansehen und konnte sich dem Hass der Mitbürger nur entziehen, indem sie verschwand, oder sich der Polizei stellte. Genau wird dies im Film nicht gezeigt, denn darum ging es letztendlich auch gar nicht.

Denn es geht um die Kinder, jetzt allein gelassen, die nun plötzlich vor der Aufgabe stehen, sich aus dem Süddeutschen zur Großmutter, die auf einer Hallig in der Nordsee ein Gut besitzt, durchzuschlagen. Lore, die älteste, ist 15 Jahre alt, ihre Schwester vielleicht 12, die Zwillinge 7, und das Baby wohl kein ganzes Jahr.

Was sie auf dieser Reise erleben, ist unermesslich in dem Elend, dem Leid, das ihnen begegnet, und das auch sie selbst erfahren müssen. Denn nicht nur Deutschland ging in diesen Tagen unter, Lores eigenes Weltbild, ihre Werte, stehen Kopf und schlagen Kopeister. Wie ist das zu ertragen?
Ein junger Mann schließt sich ihnen an, ein Jude vermutlich. Vielleicht stammt er ebenso wie sie aus einem wohlbehüteten Elternhaus, bestimmt sind seine Weltbilder schon vorher, im KZ, mehr als durcheinander geraten. Vielleicht schlägt er sich auch nur mit einem falschen Pass durch das zerrüttete Deutschland, um – wohin zu gelangen? Wo er herkommt, warum er den Kindern hilft, und wo er hinwill, liegen völlig im Dunkeln. Einzig bleibt eine Menschlichkeit, die aber nicht vor einem Mord halt macht, um die Kinder zu ihrem Ziel zu geleiten.

Lore fühlt sich angezogen von ihm, ist ihm dankbar – und gleichzeitig auch komplett abgestoßen von ihm, der ein Jude ist, ihrem Feindbild schlechthin – oder das ihrer Eltern?

Auf dem Weg treffen sie auf zerrüttete Menschen, auf Tote, auf Verzweifelte, auf unglaubliches Elend. Wie kann es anders sein, als dass Lore auf dieser Reise zu einer anderen wird?
Am Ende der Reise ist für sie nichts mehr, wie es einmal war, oder wie es einmal gewesen zu sein scheint.

Es ist ein ergreifender Film, der noch einmal aus dieser ganz vernachlässigten Perspektive den Zusammenbruch Hitlers filtert, es ist ein Film, der unglaublich unter die Haut ging. Dazu noch wahnsinnig gut gespielt: von Saskia Rosendahl, die Darstellung der Lore, wird man sicher noch hören.

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