Kreutzersonate – Novelle von Lew Tolstoi und ‚Eine Frage der Schuld’ – Novelle von Sofja Tolstoja

Veröffentlicht: 11. Dezember 2012 in Bücher, Gedanken, Kultur, Literatur

Der Manesse Verlag hat eine wunderbare Doppelausgabe dieser beiden literarischen Schätze herausgebracht – da machte es gleich noch mehr Lust, einmal wieder nach meinem  geliebten Tolstoi zu greifen…
Die ‚Kreutzersonate’ liest sich heute merkwürdig kämpferisch, seltsam parteiisch, hektisch, und man könnte meinen vielleicht ein wenig überholt. Doch zu Tolstois Zeiten war es ein wichtiges Statement zum Thema Männer- und Frauenbild und wurde heiß diskutiert. Auch Tolstoi stand im Fokus seiner Zeitgenossen, er war ja schon zu Lebzeiten ein anerkannter Autor, und was er sagte, dachte und schieb, erlangte unglaubliche Aufmerksamkeit.
Tolstois Novelle könnte man vielleicht verstehen als eine Verteidung der Schlechtigkeit des Mannes, die von dem Verhalten der Frauen herrührt, denn die ist ja auch nicht besser.
Statt dem Manne treu zur Seite zu stehen, irritiert diesen das Weiblich-Erotische, und nicht nur das der eigenen Frau… Und deswegen kann es schließlich ja nicht sein, dass die eigene Frau nicht mindestens mit dem Gedanken spielt, fremd zu gehen. Eine Gedankenfalle, au weia!!!!
So jedenfalls habe ich den Roman gelesen, wiewohl mir nicht entgangen ist, welch ein Wrack von Mann dies von sich gibt, ein Mann dazu, der einsehen musste, dass er seine Frau zu Unrecht des Ehebruch bezichtigte.

Sofja Tolstoija, Lews Gattin, die ihm in einer Tour Babys geboren hat, und dazu einen klaren Kopf besaß, konnte diese Novelle nicht ohne Entgegnung stehen lassen, und greift das selbe Thema in ‚Eine Frage der Schuld’ auf, jedoch aus einer ganz anderen Perspektive, nämlich der der Frau. Diese Frau, die in ihrer Ehe durchaus zu leiden hat, weil sie in ihr nicht die Aufmerksamkeit und Liebe erfährt, die sie sich wünscht, und die zu geben sie bereit wäre, wenn ihre Gabe nur überhaupt gesehen werden würde, wird in der Tat versucht durch eine Begegnung, jedoch hält sie an der Ehe und den Kindern fest.
Genützt hat es ihr allerdings nichts.

Beide Novellen waren klasse zu lesen, und die literarische Antwort der eigenen Gattin mag Lew Tolstoi wie eine Ohrfeige getroffen haben. Es war wohl auch so, habe ich gehört, dass bei denen in der Ehe wohl auch ganz schön die Fetzen flogen.

Danke, Manesse (aber den Verlag gibt es leider gar nicht mehr)! Ich finde es ganz großartig, dass es solche klugen Ausgaben, kommentiert und mit Vor- und Nachwörtern versehen, gibt! So etwas ist nicht zu ersetzen mit einem Download eines Stücks Literatur von einem Unbekannten, um es auf dem E-Reader zu verzehren. Nein. Wir brauchen Verlage, denn Veröffentlichungen sind wahre Literaturempfehlungen, und erst recht solche, die die Literatur so klug zusammenstellen und begleiten.

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