‚Quellen des Lebens‘ – Film von Oskar Roehler

Veröffentlicht: 19. Februar 2013 in Filme, Kino, Kultur

Was ist das Thema dieses Films: Die Geschichte des Nachkriegsdeutschlands bis in die 1980er Jahre oder die Lebensgeschichte des Filmemachers? Wohl beides. Und beides ist spannend.

Die Episoden werden manchmal nur angerissen, und das ist vielleicht auch einfach so, wenn man als Enkelkind nur einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit der Großeltern mitbekommt. Wie z.B. die Frage, wie es ist, wenn ein Mann nach x Kriegsjahren spät aus der Gefangenschaft, komplett abgeranzt und krank nach Hause kommt und seinen jüngsten Sohn nicht einmal kennt. Oder wie die Oma in der mannlosen Zeit eine lesbische Beziehung pflegt, die später, da sie sich wohl ganz offensichtlich für die Ehe entschieden hat, keine Rolle mehr spielt… So weit kann ich folgen.

Szene aus 'Quellen des Lebens'; Quelle: Filmstarts.de

Szene aus ‚Quellen des Lebens‘; Quelle: Filmstarts.de

Ja, es ist ein höchst subjektiver Film, der wunderbar die verschiedenen Epochen der 1940er, 50er, 60er und 70er Jahre wiederspiegelt, und wahrscheinlich genau deshalb auch so authentisch. Dass dramaturgisch die Fäden immer wieder abreißen, ist vielleicht einfach der Tatsache zu verdanken, dass das Leben eben so ist.
Es ist deshalb sicherlich auch verzeihlich, mindestens aber erklärbar, wenn manche Personen (von Figuren will ich hier nicht sprechen) vielleicht mehr Raum einnehmen, als für einen Film zuträglich oder nötig ist, wie z.B. der ersten Liebe des Enkels, um den es nach langer Vorgeschichte dann eigentlich geht, und der wohl den Filmemacher höchstselbst als Vorlage hat.

Was muss dieses Kind gelitten haben unter den intellektuellen Eltern, die sich jeweils in ihre Arbeiten gestürzt haben – seine Mutter, Gisela Elsner, hatte sich von ihm abgewendet, als er noch im Kleinkindalter war, sein Vater als Lektor ging ganz in der Arbeit auf. Doch was ihm Halt im Leben gibt – die Großeltern sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits (und die unterschiedlicher im Lebensstil kaum sein könnten), das Nachbarsmädchen und Freunde, bei denen wieder ein ganz anderer Film abläuft, die ‚Quellen des Lebens‘ nämlich, wird deutlich. Der Film ist insofern sicherlich auch eine Hommage an all die Menschen, die den Filmemacher liebend begleiteten.

Das ist vielleicht das ganz besondere an dem Film: Eine solche subjektive Biografie kennt man vielleicht aus Büchern. Als Filme dann nur als Verfilmungen. Hier gibt es also ein Drehbuch.
Der Film war sehr eigen, sehr besonders, und auf eine Art sehr sehenswert.

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