‚Die Erfindung des Lebens‘ – Roman von Hanns-Joseph Ortheil

Veröffentlicht: 21. April 2013 in Bücher, Kultur, Literatur

'Die Erfindung des Lebens' von Hanns-Joseph Ortheil. Quelle: Luchterhand VerlagEs gibt Bücher, die liest man, andere verschlingt man und wieder andere goutiert man, und natürlich gibt es noch unwahrscheinlich viele andere Möglichkeiten, einen Roman zu konsumieren. Dieses Buch aber war mir ein einziges Fest.

Es ist die Lebensgeschichte des Autors höchstselbst, und die hat wahrlich so einige dramatische Wendungen in sich. Allein seine frühe Kindheit bis zu seinem siebten Lebensjahr: In dieser Zeit spricht er nicht, ebenso wenig wie seine traumatisierte Mutter, und er erfährt erst dann, dass er der Fünftgeborene ist; seine vier Brüder sind entweder schon gleich nach der Geburt oder im Kleinkindalter, zum Teil durch Kriegseinwirkungen, gestorben. Allein schon diese schweigsame Zeit, in der er aufs Innigste mit seiner Mutter verbunden war, ist so plastisch erzählt, wie ich es selten gelesen habe. Aber auch der weitere Verlauf seiner Lebensgeschichte ist in einer wunderbaren Prosa geschildert – das waren echte Sternstunden, diesen Roman zu lesen!
Auch die Ausschweifungen zu seinem Jetzt-Sein, als er seine Biographie im geliebten Rom aufschreibt, sind packend beschrieben, und alles mündet in einem Höhepunkt, mit dem er im wahrsten Sinne einen Schlussakkord setzt.
Das ist höchste Erzählkunst, selten hat mich ein Buch so berührt wie dieses…- das ganz Besondere an dem Buch ist, dass es so authentisch ist: Alles ist so genau und gefühlvoll beschrieben, so authentisch; da gab es keine falschen Töne, aber viele originelle Ideen, und der Handlungsstrang war allein aus dramaturgischer Sicht trotz deutlicher Konstruktion komplett organisch und schlüssig. Toll!

Ich wundere mich. Es ist das zweite Buch von Herrn Ortheil, das ich lese. Das erste ‚Die große Liebe’, hatte mir irgendwo zwar gefallen, aber es hat doch deutlich nicht einen derart starken Eindruck auf mich gemacht wie dieses hier. Kurz hatte ich überlegt, mir weitere Bücher von Hanns-Joseph Ortheil vorzunehmen, las dann aber in einer kleinen ebenso hausgemachten Kritik wie dieser hier, über ‚Im Licht der Lagune’ (es hätte so gut zu meinem Venedig-Urlaub letzten Herbst gepasst), das wohl auch bei dem Leser nicht nur Anklang gefunden hat. Nein, ich lasse es erst einmal.

Dieses Buch hier werde ich aber ganz sicher irgendwann noch einmal lesen, denn ein derart intensiver und elegant geschriebener Roman bleibt eine wertvolle Rarität.

Hier war ich traurig um jede Seite, die ich gelesen habe, denn es bedeutete, dass ich dem Ende näher kam. Und nun ist es gelesen. Danke für so einen großartigen Roman!

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