Mein Juni

Veröffentlicht: 30. Juni 2013 in Bücher, Filme, Kinderkultur, Kultur, Kunst, Literatur, Musik, Theater/Oper

Es ist mal wieder Zeit für einen Rundumschlag. Der Juni lag vor dem Urlaub und ist insofern also aus zwei Gründen schon lange her. Die Berichte meiner kulturellen Aktivitäten stauen sich einmal mehr, es heißt sich wieder einmal, sich vom Blog-Druck, dem selbst auferlegten, zu befreien. Ich schreibe ja eigentlich gerne.

Es will mir nicht mehr einfallen, ob ich im Juni überhaupt im Kino war, ich glaube nicht; aber das Heimkino habe ich durchaus frequentiert.

Gesehen habe ich zum Einen ‚Corpse Bride‘ von Tim Burton, ein Film, den ich im Kino komplett versäumt hatte. Ich weiß auch nicht, ob das hätte sein müssen, wenngleich wir viel Spaß mit dem Film hatten. Die Technik, Puppen in Slow-Motion zu inszenieren, ist sicher faszinierend und auch effektvoll gewesen. Die Lieblingsstelle in dem Film ist die Ballade der Braut: ‚Tod ist jeder einmal‘.
Ansonsten: Mal wieder ein perfekter Film des experimentierfreudigen Burton! Ganz nette Unterhaltung.

Szene aus 'Corpse Bride'; Quelle: Filmstarts.de

Szene aus ‚Corpse Bride‘; Quelle: Filmstarts.de

 Den nächsten Film, den ich gesehen habe, war ein Wieder-Sehen: ‚Billie Elliot – I will dance‘ von Stephen Daldry. Die Geschichte des Jungen, der sich entgegen des Willens seines Vaters für das Tanzen entscheidet, ist nach wie vor berührend und schön. Vor allem die Wandlung des Vaters, aber überhaupt der Zusammenhalt der Familie, die bestimmt ist vom Beibehalten von Grundsätzen und Idealen, jedoch am Ende der Liebe die größte Wichtigkeit zuerkennt, waren auch beim zweiten Mal absolut gut zu goutieren. Ein wunderbarer Film!

Beschäftigt habe ich mich dann noch mit dem 100jährigen Jubiläum der Ballett- und Musik-Uraufführung ‚Le Sacre du Printemps‘ von Strawinsky – es ist ein ganz eigenes wildes Stück Musik. Zu diesem Anlass gab es auf ARTE die Ausstrahlung des Festaktes, und das hieß zwei Ballettaufführungen an einem Abend zu sehen, einmal die Original-Choreographie (incl. Ausstattung) von 1913 von Vaslav Nijinsky, und dann eine moderne Ballettfassung von Sasha Waltz. Der Musik, die ursprünglich scheint, unterliegt eine Handlung heidnischen Ursprungs: Es ist die des Auswählens und Opferns eines Mädchens, wie es alljährlich im Frühling den Göttern dargeboten wird.
Expressiv (natürlich, es ist ja die Zeit), ungemein heftig und beeindruckend war die historische Inszenierung von 1913; verstört und für das Publikum verstörend die Auswahl und dann die Reaktion des Mädchenopfers. Es gab allerdings schon mal eine andere historisch nachempfundene Inszenierung von 1989, die in der Expressivität noch stärker war. Das weiß ich aber alles auch nur durch Youtube!
Die moderene Inszenierung von Sasha Waltz dagegen war entsprechend abstrakter. Die Gruppe an sich schien mir hier viel mehr im Mittelpunkt zu stehen, der expressiven Musik wurde Innerlichkeit entgegengesetzt, die ich nicht recht aufschlüsseln konnte. Modernes Tanztheater ist schwer zugänglich, jedenfalls für mich…

Buchtechnisch bin ich zum Teil den Empfehlungen meines Sohnes nachgegangen und habe mir drei Jugendbücher von R.L. Stine aus der Reihe ‚Fear Street‘ durchgelesen: Diese haben verschiedene Genre, spielen aber alle in derselben Kleinstadt, und es kann auch zu Überschneiungen bei den Charakteren kommen. Ich habe einen Gruselroman, einen Krimi und einen Psychothriller gelesen. Ja, diese Bücher sind vielleicht eigentlich nichts zum Lesen, aber zum Verschlingen geeignet. Sie sind nicht besonders tiefsinnig aber packend geschrieben, und allein deshalb finde ich die Bücher als Jugendliteratur super. Das Gruselstück war auch wirklich phasenweise recht gruselig, aber phasenweise war es dann doch ein zu großer Klamauk. Der Krimi war einigermaßen stimmig, aber Krimis fallen bei mir ja immer durch, wisst Ihr ja! Und der Psychothriller war nicht schlecht, eigentlich, wurde doch aus Sicht des Psychopathen erzählt, jedenfalls zum einen Teil. Ich denke, es ist gut, dass Kinder und Jugendliche lesen. Und um Leseerfahrung zu sammeln, sind diese Bücher bestens geeignt!

Gaito Gasdanow: Das Phantom des Alexander Wolf Bildquelle: Hanser Verlag

Mein nächstes Buchprojekt war ‚Das Phantom des Alexander Wolf‘ von Gaito Gasdanow In diesem Roman geht es um eine schicksalhafte Begegnung, deren metaphorische Bedeutung kaum zu übersehen ist: Es ist die Begegnung mit dem Tod, der unausweichlich an das Schicksal jedes einzelnen geknüpft ist. Alexander ‚Sascha‘ Wolf hat seit seiner ersten, beinahe tödlich endenden Begegnung mit dem Protagonisten, tatsächlich ein Stück des Todes immer bei sich, was die Personen, mit denen er verkehrt, ebenfalls in ihrer Beziehung zu ihm beeinflusst. Diese dicht erzählte Geschichte spielt mit dem Deja vu auf kunstvolle, faszinierende Weise. Und so wiederholt sich eine Begebenheit auf andere Art erneut – sehr reizvoll, sehr merkwürdig und sehr tiefsinnig. Ich werde diese Geschichte irgendwann noch einmal lesen müssen, um noch mehr von dem tieferen Sinn, der sich an vielen Stellen erahnen lässt, zu erfassen.

Gemeinsam gelesen haben wir ‚20.000 Meilen unter dem Meer‘ von Jules Verne, und das haben wir sehr gern gemacht. Es ist mal wieder witzig, wie sich Jules Verne einerseits auf den damaligen Stand der Wissenschaft stützt, andererseits seiner Phantasie freien Lauf lässt und uns damit in freischwebende Sphären mitnimmt, die mit der Welt hier und heute so gar nichts zu tun haben. Das hat Spaß gemacht!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s