‚Sieben Jahre‘ – Roman von Peter Stamm

Veröffentlicht: 1. Juli 2013 in Bücher, Kultur, Literatur
'Sieben Jahre' von Peter Stamm; Bildquelle: Fischer Verlag

‚Sieben Jahre‘ von Peter Stamm; Bildquelle: Fischer Verlag

Dieser Roman ist sicher eine Entdeckung; und es ist auch eine merkwürdige Zeichnung von Wünschen und Sehnsüchten nach einer Leichtigkeit der Welt, die andererseits auf eine Art von zweifelhafter Opferung beruht.
Eine sehr beunruhigende Annahme: angenommen, Du wirst von jemandem so geliebt, egal, was du machst und tust, und sei es noch so daneben oder gar erniedrigend. Angenommen, jemand liebt dich immer weiter, auch wenn du ihm alles nimmst, was ihm wichtig ist oder sein könnte. Was würde das mit dir machen? Wenn du keinerlei Spiegelung deiner Handlungsweisen erfährst, wenn devot hingenommen wird, was auch immer du tust.
Vielleicht ist das ja auch ein verführerischer Gedanke und erinnert irgendwie ja auch an die grenzenlose Mutterliebe, wobei die Aufgabe der Mutter sicherlich auch darin besteht, dem Kind den Weg zu weisen.

Dem Protagonisten dieses Romans widerfährt genau dies: Eine Fra, unattraktiv wie nur was, heftet sich an seine Hacken, fordert nichts, ist aber einfach da und im Laufe der Jahre auch sexuell für ihn verfügbar. Er kommt nicht gegen diese Frau, an und für sich spröde und mit einem religiösen Spleen versehen wie sie ist, an. Letztendlich ist es vielleicht gemau dies, was seine Ehe mit einer anderen Frau einschränkt, mehr als ein ’normaler‘ Seitensprung, den man sich auch verziehen kann – wie es auch beide in anderen Fällen konnten.

Seine Ehefrau ist denn allerdings in jeder Hinsicht ein Gegenstück: Sie ist attraktiv, intelligent, erfolgreich, unabhängig, allerdings emotional eher kühl und kopfgesteuert.

Das ist ein merkwürdiger Roman, und ich war mir lange nicht sicher, ob die Ehe von dieser über Jahre gehende Liaison (die allerdings zwischendurch auch sehr lange Pausen hat, z.B. einmal sieben Jahre) überhaupt berührt wird. Aber, doch, sie wird es, finde ich jetzt. Wenn diese absolute Hingabe, die immer da ist, auch wenn sie nicht in Anspuch genommen wird, wenn also diese Hingabe gegeben ist, dann muss die Ehe vielleicht dieses Bedürfnis nicht mehr abdecken, und das beeinflusst ganz sicher die Beziehung.

Ein interessanter, ungewöhnlicher Roman, und ich fand ihn sehr lesenswert.

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