Meine Aktivitäten November III: ‚Alphabet‘ –Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer

Veröffentlicht: 11. November 2013 in Filme, Gedanken, Kino, Kultur

Hier geht es um die Frage, wie wir Erwachsenen die Kreativität und die Freude am Lernen bei unseren Kindern verhindern. Ich schreibe ganz provokativ ‚Wir‘, auch wenn ‚wir‘ vielleicht nicht der Meinung sind, dass unsere Schulen und unsere Gesellschaft beim Beibringen oder aufs Leben vorbereiten unserer Kinder alles richtig machen. Aber – leider – sind ‚wir‘ erstens zum überwiegenden Teil ebenfalls Produkte des Schul- und gesellschaftlichen Systems und geben weiter, was wir ‚gelernt‘ (oder auch verlernt) haben, und zweitens stürzen wir das Schulsystem ja auch nicht. Wir kritteln hier und sind dort unzufrieden, aber im Grunde genommen ist unser Protest doch viel zu schwach, als dass er etwas ausrichtet. Einige Eltern weichen auf Privatschulen aus. Ob das aber wirklich eine Lösung ist, weiß ich nicht. Ich bleibe auch diesen anderen Schulformen gegenüber skeptisch, obwohl ich es natürlich klasse finde, wenn diese sich den kreativen und schöngeistigen Fächern intensiver widmen und weniger darauf schauen, was angeblich für die Wirtschaft nutzbringend wäre.
Hiermit wären wir auch beim nächsten Thema, das bei mir ein echtes Umdenken bewirkt hat. Immer habe ich wohl zu unkritisch die Ergebnisse der PISA-Studien gesehen. Deutschland ist ja nun nicht unbedingt an erster Stelle, sondern vergleichsweise weiter hinten. Ich dachte dann immer, dass unsere Kinder über zu wenig Allgemeinbildung verfügen. Das sehe ich jetzt aber doch anders. Denn was wird bei der PISA-Studie wirklich untersucht? Es geht zum Einen um Bildung, aber zum Anderen auch um Leistung. Und wer eigentlich will das wissen? Ist es nicht vielleicht die Wirtschaft, die wissen will, aus welchem Land vielleicht die potentiell besten (zukünftigen) Arbeitnehmer kommen? Und: wie geht es einem Menschen, wenn er alles mit dem Maß ‚Leistung‘ zu messen hat?

Ganz freies Malen, wie es Arno Stern in seinem Malraum zulässt, wird immer weniger von den Menschen eingeübt… Szene aus dem Dokumentarfilm ‚Alphabet‘. Quelle: Filmstarts.de

Vielleicht ist das alles viel weniger erstrebenswert, als angenommen. Vielleicht sind es vielmehr Querdenker, Kreative, die durch neue Perspektiven mal frischen Wind in die festgefügten alten Strukturen bringen können, und auch das Glücklich sein. Die menschliche Seele soll doch eigentlich frei sein können! Wir aber leben doch derart angepasst, dass wir dies selbst gar nicht richtig merken. Insofern fand ich diesen einen Aspekt des Filmes sehr erfrischend. Auch wenn ich mich nicht in der Lage sähe, aus diesem Teufelskreislauf auszubrechen, habe ich doch die besten Absichten, meinen Sohn nicht nur in seinen schulischen Leistungen zu sehen, sondern auch zu erkennen, wie viel gutes spielerisches und kreatives Potential er in sich trägt. Ich hoffe, das gelingt mir…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s