‚Nebraska‘ – Film von Alexander Payne

Veröffentlicht: 22. Januar 2014 in Filme, Kino, Kultur

Das Altwerden ist eine heikle Sache – und um diese geht es in diesem Film, aber auch um die sehr sensible Annäherung zwischen Vater und Sohn.

Filmszene aus ‚Nebraska‘ mit Bruce Dern und Will Forte; Quelle: Filmstarts.de

Der Vater ist alt und senil, stur, egoistisch, Alkoholiker, und er wird langsam wirklich zu einem Problem für seine Gattin, die ihn weniger liebend aber dafür immer noch umsorgt. Als er sich in den Kopf gesetzt hat, dass er eine Million Dollar gewonnen hat (aber im Grunde genommen ist es nur eine billige Werbekampagne, und ob er tatsächlich der Gewinner ist, ist mehr als fraglich), will er unbedingt nach Nebraska, rund 1000 km von seinem Heimatort entfernt, um den Gewinn auszulösen (‚Ich vertraue der Post doch nicht ein so wichtiges Dokument an!“). Und da ihn zunächst niemand unterstützt, macht er sich zu Fuß auf den Weg.

Natürlich sind seine Ehefrau und seine Söhne entsetzt. Da es ihm aber auch nicht auszureden ist, macht sich schließlich der jüngere Sohn mit ihm auf den Weg auf diese Reise, denn in seinem Leben läuft es auch momentan nicht grad rund. Als der Vater einen kleinen Unfall unterwegs hat, entschließen sich Vater und Sohn, ein Wochenende in dem Herkunftsort des Vaters zu machen, und seinen Bruder zu besuchen. Schließlich wird es ein kleines Familientreffen, auch seine Frau und der ältere Sohn reisen an.

Was erstmal einigermaßen nett klingt, wird zu einem kleinen Fiasko, als der Vater ausplaudert, dass er sich als Millionär wähnt – und plötzlich kommen sie angedackelt, ein Teil der buckligen Verwandtschaft und alte Bekannte, und alle wollen nun endlich ihr angeblich Geliehenes zurück…

Betroffen sind von diesen bedrängenden Forderungen mehr die Kinder und die Gattin als der vermeintliche Millionär selbst, was die Sache nicht gerade entspannter macht.

Es ist zum Einen der Konflikt mit den alten Freunden und einem Teil der Verwandtschaft, der ein entlarvendes Licht auf die Menschen in der tiefsten Provinz Amerikas wirft, aber auch ein großes Plädoyer für die Liebe des Sohnes zu seinem Vater, so senil und uneinsichtig er auch sein mag, was diesen Film zu etwas ganz Besonderen macht. Dann die Stimmung; die Verwandten, die sich ja alle lange nicht gesehen haben, unterhalten sich mit dem Gesicht zum Fernseher gerichtet, eher weniger, und wenn, über Belanglosigkeiten, das hat Komik und Tragik zugleich.
Hinzu kommen diese wunderbaren Schwarzweiß-Bilder, die bei aller möglichen Technik heutzutage einmal mehr beweisen, dass es dieses neumodische Firlefanz nicht braucht, um einen wunderbaren, auch ästhetischen Film zu machen.

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