‚Her‘ – Film von Spike Jonze

Veröffentlicht: 6. April 2014 in Filme, Kino, Kultur

Seit dem Film ‘Being John Malkovitch’ bin ich ein Fan von Spike Jonze. Das Drehbuch hatte mich damals restlos überzeugt, aber auch die Darsteller waren klasse. Dann ‘Wo die wilden Kerle wohnen’: auch eine absolut gelungene Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuches.

Auch hier ging es um Gefühle, von vorn bis hinten, und ebenso in diesem neuen Film von Spike Jonze, in dem sich ein Mann, Single seines Zeichens, in sein OS (Operating System, eine Form künstlicher Intelligenz, die vom Organisieren der Ordnerstruktur des eigenen Rechners bis hin zur Freizeitgestaltung immer und überall wenn auch virtuell, zur Verfügung steht) verliebt. Samantha, wie sich die Stimme nennt, entpuppt sich als eine Stimme, hinter der ein super Kumpel mit verrückten Ideen stecken könnte, der auch noch bei allen Gefühlsangelegenheiten einfühlsam und partnerschaftlich auf die Bedürfnisse des Besitzers eingeht. Und auch Samantha, programmiert von einer Horde Programmierer und dazu noch lernfähig, verliebt sich in ihn. Gibt’s nicht? Naja, falls das heute noch nicht möglich sein sollte, so wird es doch nur eine Frage der Zeit sein, bis auch das möglich wird…

Joaquin Phoenix alias Theodore nicht allein, sondern mit Samantha am Strand… Quelle: Filmstarts.de

Joaquin Phoenix spielt den Mann, der vor einer Scheidung steht, und der bei der Partnersuche die üblichen Schwierigkeiten hat, sehr überzeugend. Und auch Samantha, die ich nur in Form von Luise Helm, der Synchronstimme von Scarlett Johannson, gehört habe, nimmt man die Gefühle wirklich sehr überzeugend ab. Es scheint skurril zu sein, und doch ist es denkbar, dass die virtuellen Freunde einen besser verstehen als die eigenen, wobei das bei allem ziemlich gruselige Zukunftsmusik ist… Aber dennoch: es ist ein Gedankenspiel, das theoretisch bald Realität werden könnte, wobei die Eigenschaften wie Kreativität (Samantha komponiert) oder eigenständiges Handeln (Samantha mischt sich in die Karriere ihres ‘Herrn’ ein und erkennt vorher die Qualität seiner Arbeit) wohl nur schwer so hergestellt werden können, wie in diesem Film (und ich hoffe das bleibt auch so).

Auch das mehrfache Aufgreifen der Thematik, beispielsweise ist er als Liebesbriefeschreiber tätig und verfasst also für seine Kunden Liebes- und andere persönliche Briefe, hat mir gut gefallen: denn es ist die Frage: Wo fängt die unpersönliche Erzeugung von behaupteten Gefühlen an, wo hört sie auf? Und: Wie wichtig ist das für die dann wiederum echten Empfindungen des Empfängers?

Spannend. Und dann geht die Geschichte noch in eine weitere Dimension. Es ist schließlich auch die Frage offen, wie ein OS damit klar kommt, in gewisser Hinsicht seinem einen Besitzer überlegen zu sein, da es selbst durch die Erweiterung des Gefühlswelthorizonts von vielen (zunächst durch die Programmierer, dann aber auch durch die der Kunden) in einem einzigen sehr schnellen Entwicklungsprozess steckt…

Das hat mir alles wahnsinnig gut gefallen; Ich finde, es ist ein sehr sehenswerter Film mit schönen Bildern, beachtlicher schauspielerischer Leistung und einem brandheißen Thema.

 

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