Worpswede

Veröffentlicht: 2. Mai 2014 in Ausstellungen, Kultur, Kunst, Reisen

Einen Katzensprung von Bremen und auch nicht weit von Hamburg entfernt, liegt das idyllische Worpswede, das wir letztes Jahr schon besuchten. Damals haben wir uns weniger auf diesen ganz besonderen Ort konzentriert, als vielmehr auf die Landschaft drumrum, die eine ganz eigene Stimmung hat. Hier sind die Farben anders: Im Moor herrschen Grün- aber auch Blautöne vor, da ist das Rot des schweren Wassers, und die hellen Birkenstämme dort, wo sich das Moor zurückgezogen hat. Das Erdige, Schwere übernimmt hier die Präsenz. Auch Worpswede ist ein besonderer Ort voller Ausstrahlung. Kunst, aber auch esoterische Schwingungen ziehen sich wie Lebensadern durch den Ort.

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Im Moor

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Alte Eiche

  

Diesmal haben wir uns auch ein wenig mehr mit der Kunst, allem voran den damaligen Gründern der Künstlerkolonie Ende der 1890er Jahre beschäftigt. Würde ich die Namen der Künstler hier aufzählen wollen, die mir dazu einfielen, wäre die Liste nur allzu unvollständig, das ist peinlich, drum lasse ich es lieber…

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Skulptur von Bernhard Hoetger

Paula Modersohn-Becker, von der einige Werke in der Sammlung Kaufmann in ihrem damaligen Wohnhaus zu besichtigen sind, wird hier ‘ein Genie unter Talenten’ bezeichnet. Es mag sein, dass Paula Modersohn-Becker sehr viel mehr Potential und Drang zur Weiterentwickung verspürte, als die anderen Worpsweder Künstler, aber eigentlich mag ich und teile auch nicht diese Art der Herabsetzung der anderen Künstler. Denn auch diese, wie Otto Modersohn, von dem im selben Haus viele Gemälde hängen, ist ein wunderbarer Maler gewesen, ebenso Mackensen, … und Hans am Ende. Thema ist meistens das Leben und Arbeiten in Worpswede und Umgebung, und die Gemälde zeugen vom schweren Arbeitsleben und dem besonderen Licht im Moor. Paula Modersohn-Becker, aber nicht nur sie, hat einen Stil gefunden, die Einfachheit der Menschen in aussagekräftige Bilder zu bringen. Es wird nichts verschönt, doch immer geht es um das Leben und die Schönheit in aller Einfachheit. Auch ihr Mann konnte das gut. Vielleicht ist es schwieriger bei seinen Gemälden seine Entwicklung zu erkennen, so war ich etwas irritiert, dass seine Gemälde innerhalb von 30 Jahren recht ähnlich waren, aber habe ich mich auch nicht darein vertieft der Sache auf den Grund zu gehen (das können die Kunsthistoriker viel besser). Ich habe jedenfalls die Gemälde dort alle sehr genossen.

Besonders gefreut habe ich mich über die kleine Sonderausstellung von kleinen Aquarellen Heinrich Vogelers, der irgendwie in der damaligen Kolonie mit seinen Motiven, aber auch den Farben anders malte. Seine eher verträumten, hellen Gemälde sind von der Aussage her ganz anders. Hier geht es nicht um das Alltagsleben, sondern um romantische Ansichten, will mir scheinen.

Heinrich Vogeler hatte das Künstlerdorf verlassen und ist nach Russland ausgewandert, wo er eine Familie gründete. Seinem Sohn malte er von seinen weiten Reisen durch Russland Aquarelle in Postkartenformat, die von den Motiven und der Malweise sehr spontan waren und die unmittelbaren Impressionen seiner Erlebnisse wiedergeben. Das hat mich sehr beeindruckt. Der Ausstellungskatalog musste unbedingt angeschafft werden…

Ein künstlerischer Spaziergang durch den Ort war ebenfalls ein sehr lohnenswertes Unternehmen. Wir haben uns bei dieser Gelegenheit einige der interessanten Bauten näher angeschaut, z.B. die sogenannte ‚Käseglocke’, die der Schriftsteller Edwin Koenemann nach Plänen von dem Berliner Architekten Bruno Taut baute: Es ist ein kleines rundes Haus mit rundem Dach, das heute als Museum dient und Einblick in sein Leben gibt. Heute sind dort einige wenige Gemälde, aber auch eine Menge kleinerer Skulpturen von Erwin Hoetger zu finden sowie Möbel und Keramik aus der 20er bis 40er Jahren, aber vielleicht auch noch spätere Werke. Die Käseglocke ist ein so gemütlicher und inspirierender Ort, dass ich dort am Liebsten gleich einziehen wollte. Sie liegt zudem inmitten eines dichten urigen Waldes, und durch diesen im Frühling zu spazieren ist wunderschön.

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Die ‚Käseglocke‘

Wir haben gesehen, dass wir Worpswede noch lange nicht komplett entdeckt haben. Ich komme mit einer Menge Anregungen wieder nach Hause, und wann wir wieder herfahren, wird sich zeigen. Mein Tipp ist: Bald.

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