‚Die Moselreise – Roman eines Kindes‘ – geschrieben von Hanns-Joseph Ortheil

Veröffentlicht: 3. Mai 2014 in Bücher, Kultur, Literatur

Auf dieses Buch wurde ich über den Blog http://orteundmenschen.wordpress.com/  aufmerksam – es lohnt sich, dort vorbeizuschauen – die Fotos und Texte der Blogbetreiberin sind toll!. Wie sie habe ich ‚Die Erfindung des Lebens‘ – nach wie vor eines der intensivsten Leseerlebnisse der letzten Jahre – gelesen. Und an dieses Buch knüpft ‚Die Moselreise‘ an. Es ist nämlich das Reisetagebuch des 11-jährigen Hanns-Joseph, der mit seinem Vater eine Wanderung entlang der Mosel unternimmt. Diese ist vielleicht die erste von vielen Reisen, die er mit seinem Vater macht, und der Vater hatte auch so seine Hintergedanken dabei. Denn der Junge hat durch seine Sprachlosigkeit, die er erst im sechsten Jahr aufgegeben hat, in seinem kurzen Leben schon so einiges durchgemacht, und diese Reise sollte dazu dienen, dem Kind die Welt zu zeigen und ihn auch weiter aus seiner Isolation herauszuholen.

Das alles ist wunderbar gelungen. Der Junge ist ein gut entwickelter Knabe und findet sich wunderbar zurecht, auch die kleinen Aufgaben, die ihm der Vater stellt (z.B. einmal allein mit einem Ausflugsschiff auf die andere Moselseite zu wechseln, sich dort umzutun und dann auch allein zurückzukehren), meistert er mit Bravour.

Dass Hanns-Joseph dennoch ein außergewöhnlicher Junge ist und dazu sehr begabt, beweist dieses wunderbare Reisetagebuch, dass anrührend und manchmal entzückend (weil aus Sicht eines aufgeweckten und nachdenklichen Kindes) geschrieben wurde. Seine sehr genauen Beobachtungen, beispielsweise das Verhalten seines Vaters oder auch die Kappeleien zwischen Vater und der Mutter, die zum Ende hin in Trier anreist und dort ihre Familie trifft, sind sehr plastisch beschrieben, auch sogar sein Konflikt, Position in manchen Fragen zu beziehen, ohne seine Eltern zu enttäuschen, wird sichtbar. Insofern ist es ein wunderbares Dokument aus seiner Kindheit, aber auch ein einfach schönes Buch, das sich zu lesen lohnt.

Hanns-Joseph Ortheil erzählt in einem weiteren Teil, dass diese Reise für seine Entwicklung und für sein Verhältnis zu seinem Vater überaus wichtig war; nach dessen Tod hat er die Reise wiederholt und hat auch die Stationen noch einmal aufgesucht, die er damals mit seinem Vater zusammen besucht hatte.

Ich finde es immer wieder interessant: Ortheil hat über seine eigene Biographie solche wichtigen und authentischen Bücher geschrieben, die anrühren und bewegen. Doch ich kann seinem Werk nicht in jedem Falle mit Begeisterung folgen. ‚Im Licht der Lagune‘ fand ich ja eher zweifelhaft; ‚Die große Liebe‘ habe ich vielleicht nicht mit der Konzentration gelesen, die es bedurft hätte, ich will es mir irgendwann nochmal vornehmen. ‚Die Moselreise‘ war auf jeden Fall eines der Bücher von ihm, das ich sehr gern gelesen habe.

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Kommentare
  1. Maren Wulf sagt:

    Wie schön, dass ich dich mit meiner Begeisterung für die „Moselreise“ anstecken konnte! Sie ist wirklich eine tolle Ergänzung zu Ortheils autobiografischem Roman „Die Erfindung des Lebens“. – Ein herzliches Dankeschön auch für die netten Worte über mein Blog! Freut mich sehr, dass es dir gefällt. 🙂

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