‚Beltracchi – Die Kunst der Fälschung’ – Film von Arne Birkenstock

Veröffentlicht: 15. Mai 2014 in Filme, Gedanken, Kino, Kultur

Fast hätten wir diesen Film verpasst, aber im Lichtmess-Kino in Hamburg-Ottensen haben wir ihn dann noch zu fassen bekommen – zum Glück!

Was bedeutet es, Kunst zu fälschen? In diesem Falle hat Wolfgang Beltracchi nicht stumpf bereits vorhandene Gemälde kopiert; nein: Er hat das Oevre des jeweiligen Künstlers, beispielsweise Campendonk oder Max Ernst, aber noch vieler anderer, sozusagen durch neue Werke ergänzt. Vielleicht waren es auch Werke gewesen, die irgendwo mal erwähnt wurden, die aber verschollen sind; vielleicht waren es auch ‚nur‘ Motive gewesen, die von den Malern hätten gemalt werden können, weil z.B. belegt war, dass sie sich in der Region aufgehalten haben, die dort abgebildet wurden.

Seine Bilder waren so perfekt, dass Sachverständige nach angeblich eingehender Prüfung das Bild in das Werkverzeichnis aufnehmen ließen. Und das lässt sich dadurch erklären, dass es einfach niemanden gibt, der daran ein Interesse haben könnte dass das Bild gefälscht wäre. Der Sachverständige wird nach dem geschätzten Wert des Gemäldes bezahlt. Ist es echt, ist somit seine Gage höher! Der Auktionator oder Galerist bekommt für ein vermeintlich aufgetauchtes Original von Max Ernst natürlich deutlich mehr Geld als für eine Fälschung, und der Sammler freut sich über ein weiteres ‚echtes‘ Stück. Und der Fälscher? Lebt in Saus und Braus.

Beltracchi war mir dennoch recht sympathisch. Denn auch, wenn er in tollen Villen gelebt hat und weite Reisen gemacht hat, ist er dennoch nicht so geschniegelt und gebügelt wie vielleicht ein Neureicher. Ich hätte ihm vielleicht auch den Palazzo in Venedig noch gegönnt, den er sich als Letztes hätte anschaffen wollen, bevor er mit der Fälscherei Schluss gemacht hätte, einfach nur, weil er von seinem Lebensstil vielleicht sich selbst nicht verraten hat.

Wolfgang Beltracchi bei der Arbeit; Quelle: Filmstarts.de

Dennoch ist seine Tat natürlich verwerflich. Denn sein Verrat ist vielleicht einer der schlimmeren: Er hat die Originalität, das Genie, für seine Zwecke benutzt, und damit hat er schweren Verrat verübt an den Künstlern, die ja zumeist in schwierigen Verhältnissen gelebt haben und ihre Visionen gegenüber der Gesellschaft verteidigt haben. Damals waren sie nicht anerkannt, und es heißt schon etwas, wenn jemand sein schweres Künstlerleben bis aufs Blut verteidigt und Erniedrigungen und Armut dafür in Kauf nimmt. Da kann es nicht sein – und darf auch nicht – dass jemand ungeschoren davonkommt, der zwar die Gabe besitzt, sich perfekt in das Werk des anderen hineinzudenken, aber keinerlei Herzblut in die Sache steckt. Was ist denn diese Kunst dann? Wahrscheinlich nicht mehr als gut ausgeführte Dekoration.

Der Film war super, und ich bin trotz alledem von Beltracchi und seiner Frau angetan. Er malt weiter, ist im offenen Vollzug und sitzt seine Strafe ab. Nur dass er jetzt keine fremden Namen mehr unter die Bilder setzt… Interessanterweise war das eine Bild, das er in seinem eigenen Stil (wenn man davon sprechen kann) gemalt hat, nicht ansatzweise so interessant, wie der gefälschte Campendonk oder das Bild im Stile von Max Ernst… Herzblut eben, das geht diesem Mann dann vielleicht doch einfach ab.

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