‚Yves Saint Laurent‘ – Film von Jalil Lespert

Veröffentlicht: 22. Juni 2014 in Filme, Kino, Kultur

Es war so ziemlich die letzte Chance, diesen Film im Kino zu sehen. Aber gebracht hat’s nicht unbedingt einen gelungenen Kinoabend…

Ich finde Modeschöpfung und –schöpfer im Grunde genommen ziemlich interessant, wiewohl mir Mode eher abgeht. Aber als eigenständige Kunstform begriffen, hat sie schon was… Über Yves Saint Laurent wusste ich vor dem Film eigentlich nichts, vielleicht einzig seine homosexuelle Gesinnung, aber was sagt das schon über einen Menschen aus? Insofern war ich neugierig.

Pierre Niney als Yves Saint Laurent u.a.; Quelle: Filmstarts.de

Und bin es im Grunde genommen auch geblieben. Dieser Film hat eigentlich keine klare Position bezogen. Er wurde immer wieder aus der ‚Ich und Du-Perspektive‘ des langjährigen Lebensgefährten und Geschäftspartners gezeigt, ohne den sich Saint Laurent vermutlich nicht hätte entfalten können. Denn der Modeschöpfer an sich, gezeichnet mit manisch-depressiven Zügen, liebte den Exzess, wenn man diesem Film Glauben schenken darf. In Bildern voller Partys, in denen Drogen und Sex eine zentrale Rolle spielten, hat sich dieser Film denn auch ein Stück weit verloren. Sein Freund, mit dem die Liebesbeziehung 1976 (?) endete, nicht aber die Geschäftsbeziehung, hat ihn vor dem kompletten Versumpfen bewahrt. Aber der Schwerpunkt war etwas sehr auf Saint Laurents ausschweifendes Leben gelegt. Dass er trotz alledem 4x im Jahr neue Kreationen präsentierte, wurde zwar auch gezeigt, auch Zeichen des körperlichen und schöpferischen Ausgebranntseins, aber ein richtiges Gefühl, wie es wohl sein muss, ständig neue Kreationen unter großem Druck herzustellen, vermittelte sich nicht. Auch seine besondere Kollektion, inspiriert von den späteren Gemälden Mondrians, wurde in seiner Kreativität im Grunde genommen nicht gerecht. Guckt sich Saint Laurent ein paar Bilder in einem Bildband über Mondrian an, und schon hat er die geniale Idee (zwar entstehen die besten Ideen gerade in einem Augenblick; da Saint Laurent aber in diesem Film nicht dargestellt wird als jemand, den die Muse ständig abküssen will, fällt es mir schwer, dies als exemplarisches Phänomen zu sehen).

Dennoch wurden auch einige seiner Modenschauen gezeigt, und die Entwürfe waren herrlich – ganz toll die russisch inspirierte Modereihe, auch die von Mondrain inspirierte hatte etwas, ebenso wie die Anzüge für Frauen, deren feminine Formen hinter der Mode verborgen blieben – ganz sicher wurde hier der Zeitgeist genial aufgefangen.

Aber dennoch – über Saint Laurent haben wir nicht wirklich viel erfahren, oder das, was wir erfahren haben, war überwiegend oberflächlich, die Erzählperspektive unklar, und einschneidende Momente in Saint Laurents Leben wurden eher oberflächlich gestreift.

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