‚Berlin Alexanderplatz‘ – Roman von Alfred Döblin

Veröffentlicht: 6. Juli 2014 in Bücher, Kultur, Literatur

berlin-alexanderplatzAls ich Ende Mai nach Berlin gefahren bin, suchte ich nach einer adäquaten Lektüre. Da fiel mir wieder ein, dass ich am Anfang meines Germanistikstudiums mit großer Begeisterung dieses Buch gelesen hatte. Ich war damals so angetan, dass ich es mir bald darauf gekauft habe – es gibt ja einige Bücher, da reicht es nicht aus, sie aus Büchereien auszuleihen, und dieses gehörte für mich unbedingt dazu. Seitdem steht das arme DTV-Taschenbuch mit Covergestaltung von Celestino Piatti im Regal und ist mittlerweile nicht nur öfters mit mir umgezogen, sondern auch noch vergilbt. Aber jetzt kam es an die Reihe.

Es ist ein ganz tolles Buch, das empfand ich auch beim zweiten Lesen nochmal. Der Einstieg war etwas schwer, die Sprache gewaltig aber auch nicht gleich zugänglich, zudem adäquat zu dem Erleben des Franz Biberkopf, der zu Beginn der Handlung aus dem Knast entlassen wird und nach vier Jahren in das Berlin der 20er Jahre zurückkehrt. Die vielen Eindrücke, die Franz Biberkopf zu verarbeiten hat, stürzen chaotisch auf ihn ein – und mit ihm auf den Leser. Doch bald schon lichtet sich alles, und es war danach einfacher, dem Geschehen zu folgen, zu sehen, wie Franz Biberkopf versucht, anständig zu bleiben, aber wie es ihn dann doch auf die schiefe Bahn zurückwirft, wie er Dummheiten macht, auch wenn ihn das Leben eigentlich schon eines besseren gelehrt hat.

Die Sprache ist wie gesagt das Tollste an dem Buch: Sie hat einen unglaublichen Rhythmus, besteht teilweise aus Versatzstücken, auch anderer Schicksale, die eigentlich nur gestreift werden, wie als würde man mal ohne Brille alles unscharf sehen, dann mit Brille genauer oder sogar mit Lupe ein einzelnes Schicksal schlaglichtartig beleuchtet betrachten. Dann wieder das Pulsieren der Stadt, die Lieder, dazu die unverbesserliche Berliner Schnauze, die das Ganze mit unverwechselbarem Lokalkolorit versieht. Toll, einfach toll! Diese Art Sprache gefällt mir sehr.

Mich erinnert dieses Buch auch an die expressionistischen Künstler der 20er Jahre, wie z.B. an Ludwig Meidners verschobene Stadtansichten, und wenn ich demnächst die Kirchner-Ausstellung im Bucerius Kunstforum hier in Hamburg besuche, wird es vielleicht auch dort Bezüge geben. Auch futuristische Strömungen hat Döblin in seinen Roman eingearbeitet, wenn er die Gleichzeitigkeiten von Handlungen und Schicksalen, aber auch Stimmungen beschreibt.

Gleich habe ich noch einen Lesetipp bekommen, dem ich bei Gelegenheit nachgehen will: ‚Manhattan Transfer‘ von John Dos Passos , auch hier wird mit Sprache herumexperimentiert. Aber erstmal muss bzw. will ich meinen Geburtstagstisch abarbeiten mit vielen Büchern, deren Titel mir derzeit noch nichts sagen. Noch nicht… J

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