Eine Woche Meck-Pomm II: KZ Ravensbrück

Veröffentlicht: 13. August 2014 in Gedanken, Kultur, Reisen

Der Besuch in der Gedenkstätte Ravensbrück war für uns unumgänglich… Das ehemalige Frauen-KZ liegt wie ja alles hier idyllisch nahe eines kleinen Sees. Es sind längst nicht alle Gebäude erhalten; die hölzernen Wohnbaracken sind nicht mehr vorhanden, es blieben noch einige Wirtschaftsräume sowie die Schneiderei, in der wir uns denn auch überwiegend aufhielten. Die Räumlichkeiten sind jedoch leer, und es fällt schwer, sich vorzustellen, was in diesen hohen, nunmehr hellen Räumen einmal los war. Eine irgendwie bedrückende Stille herrscht hier, das schon.

Doch es gibt Schau- und Infotafeln zu dem Leben in dieser Hölle der Textilverarbeitung, die von dem großen Druck erzählt, der auf die Arbeiterinnen ausgeübt wurde. Das erwartete Pensum war enorm, und wer es nicht erfüllte, fiel schnell in Ungnade und musste mit körperlicher Strafe und anderen Quälereien rechnen. Wer nicht spurte, wurde bis aufs Blut gedemütigt, wer nicht das Pensum erfüllte, wurde aussortiert und umgebracht. Oder wurde zum medizinischen Versuchsobjekt. Es ist schwer zu ertragen, was wir dort erfahren haben – und das, als ob wir es nicht schon gewusst hätten. Doch es sich noch einmal vor Augen zu führen ist immer wieder gleich riesig schmerzhaft.

Schön war zu erfahren, dass die Frauen versuchten, die Arbeit zu boykottieren, wo sie nur konnten. So wurden beispielsweise die angelieferten Pelze – selbstverständlich aus vormaligem jüdischen Besitz – umgearbeitet zu wertvollen Winterjacken. Himmler selbst hatte für sich eine Jacke im KZ Ravensbrück bestellt. Die Arbeiterinnen versuchten, die Pelze so zu bearbeiten, dass sie gerade noch bei der Kontrolle durchrutschten, nur um sich kurze Zeit später als wertlos weil fehlerhaft herauszustellen. So war Himmler selbst wohl anwesend, als seine Jacke fertiggestellt wurde, doch beim letzten Ausklopfen zerfiel sie in ihre Einzelteile… Was haben diese Frauen nur für einen Mut bewiesen, die Anweisungen und Befehle der Aufseher derart zu unterlaufen… denn klar ist, dass jedes auf eine Person zurückgeführtes Vergehen sehr hart geahndet wurde – wobei mir der Tod beinahe als eine der leichteren Strafen erscheint.

Ein weiterer Raum gedenkt den Menschen, die in ein Jugend-KZ gebracht wurden. Es war den jungen Menschen, auch Kindern, vorbehalten, die sich nicht in die NS-Ideologie einfügen wollten, sei es, weil sie sich der ‚Erziehung‘ wiedersetzten, sie kriminell geworden sind oder auch, weil sie sich Jugendgruppen angeschlossen hatten, wie beispielsweise dem ‚Swing‘ oder auch anderen Gruppen, die sich in ihrer lockeren Lebensweise deutlich von dem NS-Drill absetzten. Ganz zu schweigen von jüdischen Kindern oder Kindern von Sinti und Roma. Einige der Kinder, die das KZ überlebten, wurden beschrieben: Und für mich wurde klar, dass es sich um echte Persönlichkeiten handelte, die später in teilweise sehr einflussreichen Berufen wirken konnten. Es waren eben Menschen, die ihren eigenen Kopf hatten, die aus der Reihe tanzten, indem sie sich mit ihrer persönlichen Haltung gegen Hitler und Nazideutschland abgrenzten.

Auch gab es ein paar Einblicke in nazideutsche Schulbücher, die dazu missbraucht wurden, um den Kindern rassistische bzw. ausgrenzende Werte zu vermitteln: Beispielsweise die Rechenaufgabe, wieviel Geld das Pflegen von Behinderten kostet. Oder die Reichweite von verschiedenen Bomben. Oder wieviel Lebensmittel jüdische Mitbürger verbrauchen. Es war nur schlimm.

Und doch: Immer wieder und wieder ist es notwendig, sich vor Augen zu führen, was für ein Wahnsinn im Hitlerdeutschland vorherrschte. Das dürfen wir alle niemals vergessen! Und ich rätsele dennoch weiter, wie es sein kann, dass sich Menschen unterschiedlicher Rassen und/oder Religionen derart bekriegen können, und es nimmt und nimmt kein Ende. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und doch: es ist.

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