Eine Woche Meck-Pomm III: Das Schloss zu Rheinsberg

Veröffentlicht: 14. August 2014 in Ausstellungen, Gedanken, Kultur, Kunst, Literatur, Reisen

Von Rheinsberg haben wir eigentlich nur das Schloss gesehen, und es reicht absolut nicht aus, den Besuch darauf zu beschränken. Der Schlossgarten, aber auch der Ort selbst bieten noch so einige Entdeckungen, will ich vermuten. Das Schloss hatte König Friedrich für seinen gleichnamigen Sohn, dem Thronfolger, erworben; dieser lebte hier nur 10 Jahre. Danach schenkte dieser es seinem Bruder Heinrich, der das Schloss sehr gern bewohnte, wenn er in Berlin gerade nichts zu tun hatte. Die Räume sind eigentlich leer, denn das Mobiliar sowie die Gemälde – Heinrich war Kunstsammler – wurden überwiegend versteigert. Man ist aber dabei, das Schloss zu restaurieren und versucht auch, das eine oder andere Gemälde zurück zu bekommen.

schloss-rheinsberg

Es fällt mir schwer, mir das Leben auf dem Schloss vorzustellen, denn ich weiß nur wenig über Heinrich und Friedrich, wobei der Audioguide doch so einige Eckpunkte lieferte. Beide Brüder waren wohl eher friedliebende Intellektuelle (auch wenn sie durchaus auch in Kriegsdingen unterwegs waren), die sich mit den geistigen Strömungen ihrer Zeit auseinandersetzten. Heinrich brachte die Kunst und Kultur nach Rheinsberg, und die Feste, musikalischen und Theaterveranstaltungen waren in den entsprechenden adligen Kreisen sehr beliebt und angesehen. Heinrich hatte eine Bibliothek nicht nur mit den Klassikern in lateinischer Sprache samt ihrer Übersetzung ins Französische, sondern auch zeitgenössische philosophische Werke. Friedrich beispielsweise schrieb auch Abhandlungen schrieb, wie beispielsweise eine Entgegnung zu Macchiavellis Auffassungen. Das Schloss schien mir in gewisser Weise vielleicht sogar in seiner Ausstattung seiner Zeit einen kleinen Schritt voraus zu sein. So ist der Muschelsaal in seiner Ausgestaltung ein Raum, der mit nichts vergleichbar ist – oder wo hat man sonst in der Wand und Decke eingearbeitete echte Muscheln gesehen? Mit Prunk hat das vielleicht weniger zu tun, als vielleicht vielmehr mit dem Fassen neuer Möglichkeiten und Gedanken.

Heinrich war zwar verheiratet, hat aber seine Ehe letztendlich nur dazu benutzt, um sich seine persönliche Freiheit zu sichern, denn er war homosexuell. Seiner ungeliebten Gattin Wilhelmine konnte er sich erst ‚entledigen‘, als sie sich einen Seitensprung erlaubte. Wie fies ist das denn! Aber sie konnten sich wohl trennen, und Wilhelmine blieb in Berlin, auch nachdem ihr nach Heinrichs Tod das Schloss als Erbe zufiel. Eine andere Schwester von Heinrich heiratete nie und ging stattdessen als Äbtissin in ein Kloster, wie das damals die ledigen Adligen Frauen ja oft taten (oder wurde sie dazu genötigt?) Was steckt da wohl dahinter? Ist es eine freidenkende Frau, die sich nicht ins Joch der Ehe begeben wollte, oder warum gab es keine Eheschließung? Ihre Schwester Ulrike heiratete den schwedischen König. Warum hat sie nicht eine ähnliche Karriere (wenn man davon sprechen kann) gemacht? Und: Wie bekomme ich nur Antwort auf diese Fragen… Ein Sach- oder Geschichtsbuch würde mich vermutlich zu sehr langweilen. Na, mal sehen, ich werde mal ein wenig recherchieren.

Im Schloss gibt es noch ein kleines Museum über Kurt Tucholsky, der durch Rheinsberg und seiner damaligen Liebe inspiriert wurde zu einer kleinen Erzählung ‚Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte‘. Ich kenne dieses Buch nicht. Tucholsky hat mich nie interessiert. War trotzdem schön, dieses kleine feine Museum zu entdecken.

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