‚Die Karte meiner Träume ‚ – Film von Jean-Pierre Jeunet

Veröffentlicht: 17. August 2014 in Filme, Kino, Kultur

Das Buch hatte ich sehr gerne gelesen, und so war ich ziemlich neugierig auf die Verfilmung. Zum Glück haben wir ihn grad noch zu sehen bekommen, er lief an diesem Sonntag zum letzten Mal In Hamburg.

Der Junge, der wegen seiner Erfindung des bislang für unmöglich geltenden Perpetuum Mobile ins Smithsonian Center nach Washington D.C. eingeladen wird, um einen Preis entgegen zu nehmen, hat den Tod seines Zwillingsbruders noch nicht verarbeitet, wie auch seine Eltern und seine Schwester seit diesem Ereignis vor einem Jahr unter Schock stehen. Über den Vorfall wird im Elternhaus nicht geredet. Überhaupt reden die Eltern nicht mehr richtig miteinander; der Vater stürzt sich in die Arbeit mit der Farm und leidet still vor sich hin, dass sein Lieblingssohn nicht mehr ist, während sich die Mutter hinter ihren Insektenforschungen verschanzt. Die Schwester hat ohnehin andere Interessen, und so bleibt der 10-jährige T.S. Spirit sich mehr oder weniger sich selbst überlassen.

Helena Bonham Carter, Kyle Catlett in ‚Die Karte meiner Träume‘; Quelle: Filmstarts.de

Die Einladung bleibt zuhause unerwähnt, und der Junge reist ab oder reißt aus, wie man will, um die lange Reise von Montana nach Washington zurückzulegen. Und diese Reise ist auch eine Reise durch die Gedankenwelt des Jungen, der sich von seiner Familie verkannt fühlt, und vielleicht auch verschont: denn er war der einzige, der bei dem Unfall seines Bruders anwesend war. Auch wenn er nicht schuld daran war, dass sich der Schuss aus dem Gewehr löste, so lasten doch Schuldgefühle auf ihm, die er in dieser stumm gewordenen Familie nicht ansprechen kann.

Es ist eine Mischung aus Erinnerung an seinen Bruder, die das Lesen der Tagebuchaufzeichnungen seiner Mutter (die er heimlich eingesteckt hat) und verschiedene Betrachtungen zu den unterschiedlichsten Themen, die er auf der langen Reise als blinder Passagier auf einem Güterzug erörtert, und das wird tatsächlich nicht eine einzige Sekunde langweilig.

Dazu kommen die Einblendungen einiger seiner Zeichnungen, die ja auch schon das Buch so schön illustriert hatten. Da kam denn auch der 3D-Effekt zu einem einigermaßen sinnvollen Einsatz. Dennoch: der Film hätte 3D nicht gebraucht.

Auch wenn der Film ganz schön war: an das Buch kommt er bei weitem nicht heran. Und mir schwant: ich werde mich schon bald nur noch wenig an den Film erinnern können. Er war ganz schön. Aber wichtig war er eigentlich nicht für mich.

Jean-Pierre Jeunet, von dem ich ‚Delikatessen‚ und ‚Die falbelhafte Welt der Amelie‘ kenne, hat so einen ganz besonderen Stil, der in gewisser Weise herausragend ist. Und doch: richtig berühren konnten mich auch diese Filme nicht, auch wenn ich sie durchaus noch ganz gut erinnere (was sicherlich auch schon eine Art Auszeichnung ist).

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