Mein literarisches Resümee 2014

Veröffentlicht: 4. Januar 2015 in Bücher, Gedanken, Kultur, Kulturplan, Literatur

Mein Blog ist aufgearbeitet, und ich habe die besten Vorsätze, in 2015 nicht mehr so zu schlampen, sondern meine Beiträge zeitnah zu schreiben und in meinen Bog zu stellen. Das war schlimm in 2014. Auch meine Blog-Sinnkrise hat mich geschüttelt. Nach 7 Jahren des Bloggens finde ich schade, wie wenig Zugriffe ich auf meine Beiträge hatte. Das hat ganz sicher damit zu tun, dass mein Blog auch gleichzeitig meine Kulturchronik ist. Die Beiträge haben ganz unterschiedliche Qualitäten, und nicht zu jedem kulturellen Ereignis hatte ich so viel zu sagen. Das macht es für die Leser nicht einfacher. Dennoch konnte ich einige neue Follower für den Blog gewinnen – juhu!! Ich freue mich so sehr über Eure Kommentare, und auch wenn ich sehe, dass Ihr vorbeigeschaut habt. Danke dafür! Es motiviert mich sehr! Ich habe mir vorgenommen, auch mehr zu verlautbaren, wenn mir ein Blogbeitrag gefällt. Die MacherInnen von Von Orten und Menschen und Literaturblog Günter Keil wissen viel zu wenig, wie sehr ich ihre Blogs schätze, und auch bei Sommerdiebe bin ich regelmäßig Lesegast (und das wissen die gar nicht unbedingt). Herzlichen Dank an dieser Stelle für Eure schönen Blogs (auch an diejenigen, die ich hier unerwähnt gelassen habe)!

Nun aber zu meiner Auswahl und der Leseparade von Buchsaiten:

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Es stand in meinem Regal, unbeachtet, eineinhalb Jahre lang. Dann entdeckte ich dieses Kleinod zufällig: ‚Der Sommer, in dem Linda schwimmen lernte‘ von Roy Jacobsen. Ich fand den Titel merkwürdig, und wenig einladend – auch wenn ich das Buch von einer Freundin geschenkt bekommen habe, der ich ganz viele sehr gute Buchtipps verdanke. Und dieser Buchtipp ist ein ganz wunderbarer. Ich wurde sehr, sehr positiv überrascht.

Ein weiteres Buch habe ich von meinem Sohn, damals 12 Jahre, empfohlen bekommen: ‚Bartimäus: Der Ring des Salomo‘ von Jonathan Stroud. Von diesem Autor hatte ich schon ein anderes Buch gelesen ‚Das Amulett von Samarkand‘. Das hatte ich nicht sehr gemocht, weniger wegen des witzigen Dschinns (es handelt sich hier um ein Kinder/Jugendbuch) als vielmehr wegen der Zauberer (Menschen), die so schrecklich schlechte Charaktere haben. Eigentlich gab es nicht einen – nicht einen! Charakter, der irgendwie nett war, das war mir eindeutig zu düster. Vom Prinzip ist es bei ‚Der Ring des Salomo‘ ein wenig ähnlich; dennoch sind hier einige menschliche Figuren doch auch mit freundlicheren und politisch korrekteren Eigenschaften ausgestattet. Bartimäus als Dschinn aber ist und bleibt die Hauptattraktion in diesen Büchern, und seine flapsige Art macht megaviel Spaß.

Nicht gefragt wurde nach dem Buch, das mir von allen am Besten gefiel: Ich denke, ich muss hier hier nochmal den Isländer Jón Kalman Stefansson nennen, den ich nicht nur wegen des dritten Teils seiner Trilogie ‚Das Herz des Menschen‘ immer noch sehr schätze. Der Mann atmet die Poesie. Er bescherte mir ganz besonderes Lesevergnügen.

* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Also, richtig enttäuscht war ich von ‚Leon und Louise‘ von Alex Capus. Ich hatte es zum Geburtstag geschenkt bekommen, doch die Schenkenden kannten es nicht und haben sich auf die Empfehlung des Buchhändlers verlassen. Ich mochte es leider gar nicht. Ich fand die Handlung aufgesetzt und viel zu konstruiert, und es befremdete mich, wie die Hauptfigur während des zweiten Weltkriegs in Paris lebte, was sie tat und was nicht. Das war dieser gehörige Schuss Naivität, der sich schlimmer nur im ‚100jährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand‘ zeigte – ein Buch, das ich ebenfalls überhaupt gar nicht leiden konnte….

Ein anderes Buch hat meine Erwartungen leider auch nicht erfüllt, aber diesmal war ich es, die gescheitert ist: ‚Muzal‘ von Giwi Margwelaschwili hatte ich versucht, im Sommer zu lesen. Und glaubt mir, ich bin hartnäckig. Doch leider musste ich es abbrechen, obwohl die Handlung sehr originell und inspirierend ist: Es handelt von einem Protagonisten eines Buches, der natürlich, wie alle Figuren, immer zur Stelle ist, wenn ein Leser das Buch aufschlägt. – Gibt es eine schönere Bestätigung, gebraucht zu werden? Doch was ist eigentlich, wenn das Buch zugeschlagen ist? Die Figuren führen ein Eigenleben und wissen sich durchaus zu beschäftigen… Eine sooo tolle Idee! Ich bin enttäuscht, dass ich dieses Buch – es war das einzige in diesem Jahr, das ich nicht zuende gelesen habe – nicht weiterlesen konnte. Ich hatte irgendwann den Faden verloren. Aber es liegt hier noch, und ich will schauen, dass ich es noch einmal damit versuche.

* Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Das war Haruki Murakami. Dieser Autor hat es in sich! ‚Mister Aufziehvogel‘ hat mich sehr fasziniert, und weitere Bücher liegen hier schon in der Warteschleife.
Wen ich auch sehr interessant fand: Alice Munroe. Von ihr habe ich ‚Zu viel Glück‘ und ‚Die Liebe einer Frau‘ gelesen. Toll! Ihre subtilen Geschichten gehen unter die Haut, und das passiert, ohne dass ich es recht begreifen kann, wie.
Auch eine Neuentdeckung: David Mitchells ‚Wolkenatlas‘.

* Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

berlin-alexanderplatzÜber das Wiedersehen eines Covers habe ich mich sehr gefreut: Es war das von Celestino Piatti gestaltete Cover von meinem Exemplar ‚Berlin Alexanderplatz‘ von Döblin. Er war ein ganz großartiger Künstler.

Und weniger das Cover, als die sehr beeindruckenden Illustrationen des Jugendbuchs ‚Sieben Minuten nach Mitternacht‘ haben mich schwer berührt. Allein wegen der Bilder von Jim Kay ist dieses Buch etwas ganz Besonderes.

* Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?

Oh, nicht nur ein Buch… Gerade habe ich noch entdeckt, dass ich ‚Manhattan Transfer‘ von John dos Passos lesen wollte. Auf jeden Fall will ich mehr lesen von Haruki Murakami, aber auch von Hanns-Josef Ortheil, dessen autobiographische Aufarbeitung so eine ungemeine Authentizität hat. Auch hatte ich mich an Muriel Barbery erinnert, die mit ‚Die Eleganz des Igels‘ eines der besten Bücher geschrieben hat, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es heißt: ‚Die letzte Delikatesse‘. Ich hoffe, meine Erwartungen sind nicht zu hoch geschraubt…

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Kommentare
  1. Maren Wulf sagt:

    Danke sehr! Ich freue mich sehr über deine Wertschätzung und deine schönen Leseanregungen – Jón Kalman Stefansson wandert sofort auf die Leseliste – und auch darüber, dass du dir vorgenommen hast, zeitnah zu schreiben. Wobei, für uns Leser ist es eigentlich egal. 😉 Liebe Grüße und alles Gute für das neue Jahr!

  2. sommerdiebe sagt:

    Danke für das liebe Kompliment 🙂 Hab ab und an auch diese „Blog-Sinnkrise“, freu mich daher auch echt über ein solches Lob. Gehört wohl zum Blogger-Dasein dazu..man schreibt zwar irgendwo schon auch für sich (der Begriff Kulturtagebuch triffts ganz gut), aber es ist eben doch sehr schön, ab und an Resonanz auf das Geschriebene zu bekommen.
    Witzig, diese Ausgabe von „Berlin Alexanderplatz“ liegt hier auch auf meinem Schreibtisch, schreib meine Masterarbeit über diesen Roman.
    Und ja, Alice Munro fand ich auch ganz wunderbar.

    Frohes Weiterbloggen & beste Grüße
    Deborah

    • kutabu sagt:

      ‚Berlin Alexanderplatz‘ und diese Zeit in der das Buch spielt ist sicher ein ganz tolles Thema für die Masterarbeit – viel Freude mit dem Thema! Danke auch für Deine Anteilnahme wegen der Blog-Sinnkrise. Ich bin erstmal froh, dass ich die Entscheidung ‚Weitermachen‘ getroffen habe.
      Lieben Gruß nach Berlin, meiner alten Heimat (habe dort ja auch an der FU Germanistik studiert)
      Eva 🙂

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