‚Pompeji. Götter, Mythen, Menschen‘ – Ausstellung im Bucerius Kunstforum Hamburg

Veröffentlicht: 11. Januar 2015 in Ausstellungen, Gedanken, Kultur, Kunst
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Auf den letzten Drücker, aber doch noch rechtzeitig konnte ich diese Ausstellung sehen. Warum wollte nur niemand mit mir dahin? Verstehe ich nicht, es war einfach nur toll. Da ich eh meist mit dem sehr guten Audioguide durch die Ausstellung gehe, bin ich sowieso nicht kommunikativ, also auch egal, wenn ich alleine gehe…
Ich war in Pompeji, ist schon lange her. Damals war ich mit einem Kumpel in Italien, um das dolce vita zu finden, und außer großen Steinen und Ruinen war in Pompeji nicht viel zu sehen. Heute bin ich darüber froh, denn nachdem die Wandmalereien und andere Schätze von Asche und Lava befreit wurden, sind sie, so weit sie nicht abtransportiert und gerettet wurden, durch die Witterung zerstört. Diese riesige Katastrophe vor so langer Zeit ist nun unser Glück… Es wurde allerdings viel gerettet, und in der Ausstellung war vielleicht nur ein Bruchteil zu sehen – dennoch war dieser absolut beglückend!

Die Gestaltung der Wände wurde in vier verschiedene Stile gegliedert; während die Wandmalerei des ersten Stils in einer Marmorimitation bestand, ging die Entwicklung (oder der Modetrend) weiter mit erst flächig gemalten, dann mit Perspektive in den dreidimensionalen Raum bis hin zu einer illusionistischen Darstellung von aufgebrochenen Wänden, die suggeriert, dass man in den Himmel blicken könnte.
Vom ersten Stil hatten sie eine Wand aus einem öffentlichen Gebäude ausgestellt –  von Marmormormalereien habe ich nichts gesehen, ehrlich gesagt, die Farbe war zu alt – nach 2.200 Jahren kann sowas schon mal vorkommen – und vielleicht wäre sie reizlos gewesen, wenn da nicht Grafittis auf der Wand gewesen wären, die trotz ihres Alters nicht an obszöner Aktualität verloren haben, z.B. hat mich amüsiert: ‚Filix filit‘ (‚Felix bläst‘) – heute würde man sich die Namen der Erotikmeister vielleicht zwar eher übers Social Network mitteilen, aber Grafittis mit ähnlich obszönen Inhalten sind uns ja allen hinlänglich bekannt; nicht zuletzt fand ich das Grafitti witzig, weil ja auch der letzte gleichnamige Sturm ordentlich Wind mit sich brachte, und nicht wenig Schaden angerichtet hat :-). Ich stand jedenfalls vor diesen abblätternden Steinwänden und sah erst nichts, bis sich plötzich eine Vielzahl von eingeritzten Inschriften – sicherlich aus verschiedenen Zeitschichten finden ließen.
Viele der Wandgemälde aus den anderen Stilen und deutlich besser erhalten waren in ihren dargestellten Szenen nicht nur berührend schön, sondern von großer Emotionalität, wie ich fand. Interessant fand ich, dass die dargestellten Mythen auch manchmal austauschbar waren, weil verschiedene Geschichten Ähnlichkeiten hatten.
Schön war auch die virtuelle Animation des ‚Palastes des Kitharaspielers‘ im ersten Stock des Kunstforums, der einen nochmal ganz anders eintauchen ließ in diese alte Zeit in Pompeji. Im Erdgeschoss waren diese Räume dann noch einmal nachempfunden und zum Teil mit den Kunstschätzen ausgestattet, die im alten Pompeji dort auch so zu finden waren.

Die große Ästhetik hat mich dann spätestens vor der lebensgroßen Skulptur des etwas angefressenen und durch die Erosion verpickelten Apollon nur noch denken lassen ’soschönsoschönsoschön’… was vielleicht einfältig ist, aber wahr… Diese Skulptur hatte eine derartig vitale Ausstrahlung, dass 2.000 Jahre wie nichts wirken… auch die Wandgemälde, die weiteren Skulpturen oder Steinverzierungen waren wunderschön und in ihrer Ästhetik umwerfend…

Ich weiß nicht, die Antike lässt mich immer ins Schwelgen geraten… wie es wohl gewesen ist, im alten Pompeji? Ich hätte es vermutlich höchstens zu einer Bediensteten gebracht, aber auch als Hausherrin, bin ich sicher, hatten die Frauen nichts zu lachen. Aber was weiß man schon, wie es wirklich war?
2.200 Jahre ist Pompeji alt, vieleicht ja noch älter… ob es uns in 2.200 Jahren wohl noch gibt?

Oder kommen dann Menschen von einem anderen, mittlerweile besiedelten Planeten zurück zur Erde, graben herum und finden vielleicht Darmstadt, Mainz, New York oder Kopenhagen?

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