„Max Beckmann. Die Stilleben“ – Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle

Veröffentlicht: 14. Januar 2015 in Ausstellungen, Kultur, Kunst

Ich bin grad spät dran mit meinen Ausstellungsbesuchen, aber besser spät als nie. Wäre sehr ärgerlich gewesen, wenn ich diese wunderbare Ausstellung verpasst hätte.

Immer wieder hat sich Beckmann dem Malen von Stilleben gewidmet – zum Teil vielleicht, weil es die einzige Möglichkeit war, heimlich weiterzumalen, nachdem er in der Nazizeit Berufsverbot erhielt, aber sicherlich auch, weil es ihm als Sujet gefiel. Letztendlich scheint mir, ist es fast egal, was Max Beckmann in seinen Gemälden thematisierte, denn die Bilder weisen immer auf etwas anderes, weisen weit über das Dargestellte hinaus. Seine Bilder sind mehr als harmlose Malereien – sie haben das Ganze im Blick, sagen etwas aus über Max Beckmanns Lebenshaltung und –philosophie.

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Da ist zum Beispiel das vergleichsweise kleine Bild von einer Sonnenblume, auf die aber ein Teil der Sicht versperrt bleibt, weil ein Fensterrahmen im Weg ist; dafür spiegelt sich das Bild – sehr abstrakt – in der Fensterscheibe und lässt das Außen ebenfalls sichtbar werden. Doch das bildet einen Gegenpol zu den anmutigen Blumen im Innern – das Außen hat gleichsam etwas Bedrohliches; eine Fratze mit riesigem Maul scheint dort auf der rechten Seite des Bildes zu lauern…

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Auf anderen Bildern sind die Gegenstände zu einem absurden Sammelsurium zusammengestellt; manche der Tische können die Gegenstände durch die falsch gemalte Perspektive nicht halten – es ist lediglich eine Behauptung des Malers, dass sie dort liegen und nicht schon lange heruntergefallen sind… So war aber vielleicht auch die Welt, in Deutschland, in der 30er und 40er Jahren: Eine Behauptung, unhaltbar, aber mit einer Wahrheit ausgestattet, die möglich macht, was nicht sein kann, aber sein soll…

Beckmann ging es in seinen Stilleben darum, „Höhe, Breite und Tiefe in die Fläche zu übertragen, so dass aus diesen drei Raumgegebenheiten sich die abstrakte Bildfläche des Raumes gestaltet, die mir Sicherheit gibt gegen die Unendlichkeit des Raumes“, wie er sagte. Die Unendlichkeit des Raumes ist denn auch etwas, das in vielen Gemälden dennoch gegenwärtig ist: auf manchen der Bildern scheinen die Gegenstände selbst verunsichert zu sein, wie die Blumen, die vor dem rätselhaften schwarzen Schlund der Unendlichkeit zu fliehen versuchen, es jedoch nicht können…

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Das sind schwere und wuchtige Aussagen, und so kommen auch die Gegenstände einher, die, wie zum Beispiel eine Tischlampe mit einem Fuß in Form eines Elefanten, auch etwas Tröstendes, Freundliches beinhalten können. Einmal mehr bin ich beeindruckt von Beckmanns Gemälden, und dem, was sie inhaltlich transportieren können.

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Kommentare
  1. Maren Wulf sagt:

    Hach, ich wär ja auch interessiert daran, dass du etwas weniger spät dran bist mit deinen Ausstellungsbesuchen. 😉 Dann könnte ich deine Berichte als eine Art letzte Erinnerung lesen: Jetzt aber los! Zum Glück sah ich vor Jahren schon mal eine tolle Max-Beckmann-Ausstellung… ja, wo eigentlich? Im Bucerius Kunst Forum?

    • kutabu sagt:

      Vor Jahrzehnten war mal eine in der Hamburger Kunsthalle. Eine Beckmann-Ausstellung im Bucerius Kunstforum erinnere ich nicht. Ja, es ist knapp!!! Aber bis Sonntag kannst Du die Stilleben noch sehen!
      Meine nächste Ausstellung ist die Miro-Ausstellung – die habe ich mir für Februar vorgenommen.

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