‚Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach‘ – Film von Roy Andersson

Veröffentlicht: 18. Januar 2015 in Filme, Kino, Kultur

Als ‚Kinokomödie‘ ist dieser Film angekündigt, aber wenn das so sein soll, dann war es die komischste Komödie (komisch hier aber im Sinne von merkwürdig), die ich je gesehen habe.

Na gut, mit dieser Ankündigung wollte man erst auch lachen über die Szenen mit Menschen, die sich verhalten haben wie… ja, wie denn eigentlich? Wenn Jonathan mit weinerlicher Stimme dem Menschen in der Kneipe erklärt, dass er und sein Kompagnon in der Unterhaltungsbranche arbeiten und sie den Menschen helfen wollen, Spaß zu haben, dann ist das einerseits komisch, im Sinne von lustig, doch da die komplette Szene so etwas von trist ist, bleibt das Lachen auf der Strecke.

Filmszene aus ‚Eine Taube sitzt auf einem Zweig…‘ mit Holger Andersson, Nils Westblom; Quelle: Filmstarts.de

Die Szenen sind relativ statisch; es werden Räume oder Straßen gezeigt, in denen es viel, ein wenig oder gar keine Bewegung gibt; die Farben sind blass, die Bilder bis ins Kleinste durchkomponiert. Sie erinnern mich an manche Bilder vom Karikaturisten Michael Sowa, sowohl in ihrer blassen Farbigkeit (viele Bilder von Michael Sowa sind allerdings bunter) als auch an den schwermütigen Humor seiner Bilder. Das hat mir sehr gefallen.

Nun kommt aber das alles, was mir nicht so sehr gefallen hat: und das ist so ziemlich der Rest. Die Menschen haben alle etwas Tragisches, etwas Tristes, und zwar in solch einer Art, dass ich jedenfalls darüber nicht lachen konnte. Auch wenn sie überzeichnet waren, hatte es manchmal etwas beinahe Denunzierendes, erst recht, wenn zu der tragischen Haltung noch Fettleibigkeit oder Hässlichkeit hinzukamen. Die Szenen an sich bilden keine Handlung, sie stehen, oft beziehungslos, nebeneinander da, auch die Szenen, die sich um Jonathan und seinen Partner drehen, die versuchen, durch den Verkauf von Scherzartikeln, die aber niemand komisch findet (weder auf der Leinwand noch im Kinosaal, so weit ich das beurteilen konnte), irgendwie zu Geld zu kommen. Viele Szenen beziehen sich aber auch darauf nicht. Es ist wie wenn man in einem Buch mit Karikaturen blättert, die mal zu einer Reihe gehören, und mal nicht. Was vielleicht noch ganz nett war, waren einige surreale Einsprengsel, die sich absolut nicht enträtseln lassen können (jedenfalls nicht von mir), wie beispielsweise das Eindringen des schwedischen König Karl dem XII (aus dem 17. Jahrhundert) in eine Kneipe (von heute) auf dem Weg zu einem Feldzug gegen Russland; während er ein Glas Wasser trinkt, baggert er den Sohn des Wirtes an. Merkwürdig. Komisch.

Ab dem Zeitpunkt, in dem gezeigt wurde, wie Menschen und ein Tier gequält wurden, hat es dann bei mir ausgesetzt, mich zu interessieren. Das war mir zu unsensibel, so etwas mag ich nicht, obwohl der eine der beiden Kumpel diese Szene vielleicht miterlebt hat und sie nicht verarbeiten kann.

Aber… neee. Das war insgesamt kein Film für mich.

Advertisements
Kommentare
  1. sommerdiebe sagt:

    Ja, ein ähnliches Erlebnis hatte ich mit einem anderen Film des Regisseurs – „Das jüngste Gewitter“ Ist ja alles schön skurril (mag wirklich gerne Skurriles, auch gerne Schwarzhumoriges), aber so richtig warm geworden bin ich mit dieser Art Filme zu machen auch nicht. Schade.

    • kutabu sagt:

      Ja, ist schade. Ich bin auch nicht neugierig auf die anderen beiden Teile der Trilogie geworden, erst recht nicht, wenn Du schreibst, dass der zweite Teile genauso war…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s