‚Die Schule der Frauen‘ – Inszenierung von Herbert Fritsch am Deutschen Schauspielhaus Hamburg

Veröffentlicht: 25. Januar 2015 in Kultur, Theater/Oper
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Szene aus ‚Die Schule der Frauen‘; Foto: Thomas Aurin, Bildquelle: spiegel.de

Endlich mal wieder ins Theater – was ich während des Studiums naturgemäß exzessiv betrieb, habe ich seit sehr langer Zeit komplett vernachlässigt. Irgendwann war da der Punkt, dass ich weder mehr fürs Theater arbeiten wollte noch dass mich Theater überhaupt noch interessiert hat. Ich habe nichts vermisst. Doch in Starre will ich deshalb nicht verfallen, und so kam es, dass mein Schatz und ich uns ein kleines komisches Theaterabo zugelegt haben. Mal sehen, vielleicht kriegen wir ja Lust auf mehr.

Herbert Fritsch hat sich Molieres ‚Schule der Frauen‘ angenommen und damit ein richtiges Fass aufgemacht. Zusammen mit Sabrina Zwach, die das Stück neu übersetzt und auch die Dramaturgie übernommen hat, hat er das Stück in mundgerechtes Theater aufbereitet, das der Spielfreude der Schauspieler äußerst zugute kommt. Und die haben gespielt! In den angerockten Rokokokostümen und den grotesken Masken haben sich die Schauspieler so recht eine Marinade angezogen, in denen es sich bestens manieriert spielen ließ. Das haben sie denn auch getan. Die Bühne blieb bis auf ein Haus vom Nikolaus leer und bot dadurch genügend Raum für Bocksprünge und Albernheiten, denen sich die Schauspieler hingebungsvoll überließen.

Da war nichts mit Psychologie! Das Stück, das Moliere, der ja bekanntlich aus dem Straßentheater kommt, geschrieben hat, ist im Grunde genommen eine rechte Farce. Arnolphe, der Angst hat, dass eine Ehefrau ihn betrügen könnte, zieht sich aus diesem Grunde ein Mädchen derart heran, dass sie in Abgeschiedenheit aufwächst. Sie soll dumm bleiben, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommt und ihn betrügen würde. Das macht sie auch nicht. Vielmehr verguckt sie sich in ihrer großen Unschuld in jemand anderen, und findet auch nichts dabei, das ihrem Onkel Arnolphe brühwarm zu erzählen. Sie kommt einfach nicht drauf, dass Arnolphe sie für sich haben will.

Diese Komödie ist herzlich blöd, steht in der Tradition der Commedia del’Arte. Und Herbert Fritsch bedient sich genau dieser Elemente und lässt die Schauspieler tanzen! So ist die Inszenierung komplett albern, aber vollkommen auf das Spiel konzentriert. Keine Requisite, keine Psychologie beschwert, es ist die Spielfreude pur! Theater in Reinkultur! Das hat riesig Spaß gemacht.

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