’12 Uhr mittags‘ – Film von Fred Zinnemann (1952)

Veröffentlicht: 23. März 2015 in Filme, Gedanken, Kultur

Seit ich ‚Starlite Terrace‘ von Patrick Roth gelesen habe, stand dieser Film auf jeden Fall auf meiner ‚Mal-wieder-zu-gucken-Liste‘. Doch die Brisanz, die Aktualität dieses Filmes, gerade wieder bewiesen an den jüngsten Begebenheiten in Tröglitz hat mich richtig umgehauen.

Gary Cooper in ’12 Uhr mittags‘; Bildquelle: Filmstarts.de

Ich hatte sowieso vergessen, worum es in diesem Film geht: Ein Sheriff, der nach gerade vollzogener Eheschließung sein Amt niederlegen will, erfährt, dass Frank Miller mit dem 12-Uhr-Zug in die Stadt zurückkehren wird – jener Kriminelle, den er vor 5 Jahren hinter Gittern brachte – eigentlich für lebenslänglich, doch nun wurde er begnadigt. Niemand hat Zweifel daran, was das bedeutet: Er will sein Versprechen einlösen und diesen Sheriff, der ihm die Freiheit genommen hat, töten. Drei Kumpels warten schon auf ihn. Und man erinnert sich an die Zeit vor fünf Jahren, als man nicht sicher auf den Straßen war, weil man ständig mit Überfällen und Schlimmeren rechnen musste. Die einen finden, da war noch was los in der Stadt, den anderen graut es davor, dass diese finsteren Zeiten wieder anbrechen könnten. Sheriff Will Kane (großartig: Gary Cooper) ist schon auf dem Weg, die Stadt zu verlassen, doch er kann es nicht: Stellt er sich jetzt nicht Frank Miller, bleibt er auf immer der Gejagte. Und seine Stadt, mit den braven Bürgern, will er nicht im Stich lassen.
Doch dann ist niemand bereit, ihm als Hilfssheriff zur Seite zu stehen. Im Gegenteil: Man will ihn lieber aus der Stadt reiten sehen, damit es nicht zu der gefürchteten Begegnung kommt, und man hofft, dass dann alles wieder ins Lot kommt. So zieht Will Kane durch die Stadt und findet keine Leute, die sich mit ihm solidarisch zeigen, bis auf einen, der aber unter diesen Umständen ebenfalls kneift.

Man redet sich heraus, windet sich, macht die Regierung für die schlimmen Zustände verantwortlich, und auch Will Kane, der die Stadt partout nicht verlassen will. Niemand hat das Zeug zum solidarischen Widerstand. Niemand hält zu dem Sheriff, der nachhaltig für Recht und Ordnung sorgte. Doch Will Kane stellt sich der Situation und beweist Rückgrat, selbst wenn er daran zugrunde gehen könnte, und am Ende heißt es: vier gegen einen.

Ich musste verdammt nochmal derartig intensiv an den Tröglitzer Bürgermeister denken, der kürzlich aus Angst vor Übergriffen aus der NPD-Ecke sein Amt niederlegen musste. Der Widerstand in der Bevölkerung gegen das Einrichten eines Flüchtlingswohnheimes war zu stark, Unterstützung hat er keine erfahren. Alle haben gekniffen. Diese Vorstellung, dass niemand so viel Zivilcourage hat und sich mit dem Bürgermeister solidarisch erklärt hat, ist sowas von schaurig. Und genau das kam mir nach dem Schauen des Filmes hoch und geht mir auch jetzt noch nach.

’12 Uhr mittags‘ ist ein wirklich sehenswerter Klassiker, aber auch ein Lehrstück über die Menschen, von denen nicht viele über echte Zivilcourage verfügen. Traurig. Sehr.

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Kommentare
  1. Prem Kasina sagt:

    ja, sehr traurig und doch auch verständlich… wer sich unsichtbar macht, dessen Chance selbst zu überleben steigt… viele Schlupflöcher hat das Gewissen der Schlauen und der Ängstlichen…

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